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Marien-Hospiz in Niederdielfen
"Ein klasse Hotel hier"

Der Kreisverband Siegen-Wittgenstein der Christlich Demokatischen Arbeitnehmerschaft schaute sich das Marien-Hospiz an. Leiterin Juliane Schneider führte durch die Räumlichkeiten und den Garten.
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  • Der Kreisverband Siegen-Wittgenstein der Christlich Demokatischen Arbeitnehmerschaft schaute sich das Marien-Hospiz an. Leiterin Juliane Schneider führte durch die Räumlichkeiten und den Garten.
  • Foto: Sarah Panthel
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Niederdielfen. Hinter geschlossenen Mauern im Wald gelegen und versteckt: Bis 2014 war das Kloster auf der Eremitage der Ort, an dem Schwestern zurückgezogen lebten, beteten und arbeiteten. Mittlerweile ist das Haus ein offenes, die Menschen, die dort leben, werden als Gäste bezeichnet – und das ganz bewusst.Juliane Schneider ist die Leiterin des Marien-Hospizes Louise von Marillac, das 2017/2018 in den alten Gemäuern auf der Eremitage entstand und im Mai 2018 eröffnet wurde. Die Menschen, die hier herkommen, seien keine Patienten, keine Bewohner, sondern eben Gäste, die frei entscheiden könnten, ob sie kommen und bleiben wollen. In dem Hospiz haben sie die Möglichkeit, mit Würde den Rest ihres Lebens zu verbringen.

sp Niederdielfen. Hinter geschlossenen Mauern im Wald gelegen und versteckt: Bis 2014 war das Kloster auf der Eremitage der Ort, an dem Schwestern zurückgezogen lebten, beteten und arbeiteten. Mittlerweile ist das Haus ein offenes, die Menschen, die dort leben, werden als Gäste bezeichnet – und das ganz bewusst.Juliane Schneider ist die Leiterin des Marien-Hospizes Louise von Marillac, das 2017/2018 in den alten Gemäuern auf der Eremitage entstand und im Mai 2018 eröffnet wurde. Die Menschen, die hier herkommen, seien keine Patienten, keine Bewohner, sondern eben Gäste, die frei entscheiden könnten, ob sie kommen und bleiben wollen. In dem Hospiz haben sie die Möglichkeit, mit Würde den Rest ihres Lebens zu verbringen.

Einrichtung bietet viele Möglichkeiten

Dafür bietet das Haus verschiedene Möglichkeiten. Erst im Frühling wurde der „Garten der Begegnung“, der mit europäischen Mitteln gefördert wurde, eröffnet.
Das Angebot der Schwestern, 2014 nach Kevelaer zu gehen, sei sehr plötzlich gekommen, erläutert Schneider. An manchen Stellen habe man bei dem Umbau sparen müssen. „Manches ist nicht optimal. Wir haben versucht, das Optimalste rauszuholen.“ Auf einer Ebene gebe es beispielsweise keinen Lagerraum, und für einen Aufzug, mit dem auch Betten fahren können, fehlten die finanziellen Mittel. „Vielleicht haben wir irgendwann das Geld, um den Dachboden auszubauen“, fasst die Leiterin Mut.Die bestehenden Räumlichkeiten aber wurden sorgfältig hergerichtet. Der Aufenthaltsraum, in dem gemeinsam gegessen, gespielt und geredet werden kann, war auch der der Schwestern. Direkt nebenan: der Ruheraum. Hier haben die Ordensfrauen gebetet – das Corpus-Kreuz blieb erhalten und wurde neu und modern in Szene gesetzt. Jetzt werden hier Andachten gehalten, Angehörige nutzen den Raum, um inne zu halten oder um zu trauern. Erleuchtet wird das Zimmer durch bunte Glasfenster, ebenso wie die angrenzende Kapelle, die für Gottesdienste, aber auch andere größere Veranstaltungen genutzt wird.

"Verbindung spüren und Gebäude erhalten"

Die Arbeit in einem ehemaligen Kloster – für Pflegedienstleiter Jan Bottenberg ist sie eine besondere, „diese Verbindung zu spüren und das Gebäude zu erhalten“, das schätze er sehr. Ein gefragter Ort, an dem Menschen gerne arbeiten. Juliane Schneider sagt, dass es eine Warteliste gebe und sie Bewerbungen ablehnen musste – zurzeit arbeiten in dem Haus 26 Mitarbeiter, darunter Teil- und Vollzeitkräfte sowie Hauswirtschaftler und eine Sozialarbeiterin.
Der Kreisverband Siegen-Wittgenstein der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) machte bei seiner Sommerreise gemeinsam mit Claudia Middendorf (NRW-Landesbeauftragte für Behinderte und Patienten) Halt in der ehemaligen Klosteranlage und informierte sich über die Arbeit vor Ort.

Hospiz bietet Platz für acht Gäste

Platz bietet das Hospiz für acht Gäste, zusätzliche Räume stehen für ihre Angehörigen zur Verfügung. Zwei der Gäste laden die Gruppe in ihr Zimmer ein. Sie freuen sich über Besuch, genießen die Gesellschaft. Menschen, die sich über das Hospiz informieren wollen, sind immer willkommen. Für Kinder wurde extra ein Spielplatz gebaut, um ihnen die Angst zu nehmen, erklärt Schneider.
Ein Gast feiert heute den 90. Geburtstag. Sie genießt die Aussicht aus dem Fenster ins Grüne und die im Vergleich zum Krankenhaus bunten Wände. „Ein klasse Hotel hier“, sagt sie lachend. Ein großes schwedisches Möbelhaus spendete einen Großteil der Einrichtung und stellte Raumgestalterinnen zur Verfügung, die die Zimmer farbenfroh und individuell herrichteten.

Ohne Spenden geht es nicht

Juliane Schneider betont, wie sehr das Hospiz auf Spenden angewiesen sei. Etwa 120 000 bis 150 000 Euro im Jahr werden benötigt, um den Aufenthalt der Gäste zu finanzieren. Der kostet pro Tag etwa 425 Euro, 5 Prozent sind mit Spendengeldern finanziert, und 95 Prozent werden von den Krankenkassen übernommen. Und genau mit diesen gebe es manchmal Schwierigkeiten, sagt Pflegedienstleiter Bottenberg. Bei Fragen rufe man dort an und lande oft nur in Call-Centern und Warteschleifen. Die Menschen dort wüssten nicht, wie die Arbeit in einem Hospiz ablaufe und das es manchmal eben schnell gehen müsse. Dementsprechend wünsche er sich einen persönlichen Ansprechpartner.
Juliane Schneider berichtet von einer guten Zusammenarbeit mit den zwei anderen Hospizen in der Region. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz. Wir arbeiten sehr gut mit dem Jung-Stilling“, sagt Schneider. Man teile den kranken Menschen mit, sich bei allen drei Hospizen zu melden, wenn sie die Begleitung wünschten.In dem gut einem Jahr waren das im Marien-Hospiz 118 Gäste. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt etwa 28 Tage (von neun Stunden bis zu 240 Tage). Die durchschnittliche Belegung betrage 96 Prozent. „Ein Bett ist höchstens einen Tag leer“, sagt Schneider

Einrichtung nur für unheilbar kranke Menschen

„Aufgenommen werden kann jeder“, sagt die Leiterin des Hospizes. Dennoch ist die Aufnahme mit einigen Kriterien verbunden. Jan Bottenberg merkt an, dass einige Angehörige bewirken wollten, dass sie die Kosten für einen Platz im Pflegeheim nicht aufbringen müssten. Ihnen müsse man deutlich machen, dass das Hospiz dafür nicht da sei. Hier kommen Menschen hin, die unheilbar krank sind. Das Durchschnittsalter beträgt 74 Jahre, einige Gäste sind 40 Jahre alt, andere 90.Kriterien für die Aufnahme sind, dass die Lebenserwartung auf wenige Tage, Wochen oder Monate begrenzt ist, die Menschen keine Reaktion auf lebensverlängernde Therapie zeigen oder diese ablehnen, eine Krankenhausbehandlung nicht erforderlich ist und die notwendige Versorgung zu Hause nicht mehr gewährleistet werden kann. Und wichtig sei eben, so Juliane Schneider, dass die Gäste selbst einverstanden seien und die Hospizversorgung wünschten.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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