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Die "Fahrt" mit der AstraZeneca verläuft ruhig oder stürmisch
Einmal auf die Hochsee

Die 26-jährige Katharina Blach hat den AstraZeneca-Impfstoff nicht gut vertragen.
  • Die 26-jährige Katharina Blach hat den AstraZeneca-Impfstoff nicht gut vertragen.
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goeb Rudersdorf. Jede Impfdosis muss genutzt werden: Diesen Appell hat die Ärztekammer Westfalen-Lippe noch einmal betont, und nach anfänglicher Skepsis ist die „Compliance“, die Mitarbeit der Patienten beim Impfen, insgesamt gut.

Es ist ein bisschen wie bei einem Tagesausflug nach Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel. Wer die Fahrt unternimmt, weiß, dass es womöglich schaukeln wird auf dem Schiffsdeck und einem mulmig wird. Doch das nimmt man für den Blick auf die Lange Anna gern in Kauf.

Die See ist an windstillen Tagen auch schon mal glatt, um im Bild zu bleiben. Es gibt zwar Berichte über Nebenwirkungen bei der Impfung mit AstraZenecas Impfstoff AZD1222. Die Menschen, die das Vakzin gut vertragen haben, heißt es, würden sich dagegen meist nicht öffentlich äußern.

goeb Rudersdorf. Jede Impfdosis muss genutzt werden: Diesen Appell hat die Ärztekammer Westfalen-Lippe noch einmal betont, und nach anfänglicher Skepsis ist die „Compliance“, die Mitarbeit der Patienten beim Impfen, insgesamt gut.

Es ist ein bisschen wie bei einem Tagesausflug nach Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel. Wer die Fahrt unternimmt, weiß, dass es womöglich schaukeln wird auf dem Schiffsdeck und einem mulmig wird. Doch das nimmt man für den Blick auf die Lange Anna gern in Kauf.

Die See ist an windstillen Tagen auch schon mal glatt, um im Bild zu bleiben. Es gibt zwar Berichte über Nebenwirkungen bei der Impfung mit AstraZenecas Impfstoff AZD1222. Die Menschen, die das Vakzin gut vertragen haben, heißt es, würden sich dagegen meist nicht öffentlich äußern. Die 26-jährige Katharina Blach macht gerade eine Fahrt bei Windstärke 9 mit. „Puh! Heftig!“, sagt sie, als die SZ anruft. Am Sonntag ist sie geimpft worden, 40,2 Grad Fieber war ihre Immunantwort. Mattigkeit, Gelenkschmerzen. Nach 72 Stunden hat sich die Sache auf 38,3 herunterreguliert.

Im Blut keine Antikörper mehr nachweisen

„Ich bin trotzdem so froh, dass ich jetzt die Impfung habe“, schildert die 26-jährige Sportlerin. Denn sie erkrankte im Sommer schwer an Covid-19. „Das, was ich jetzt mitmache, ist ein Spaziergang dagegen“, scherzt sie.

Die Siegenerin, die jetzt in Hachenburg wohnt, hatte Angst vor einer Neuinfektion, denn in ihrem Blut ließen sich keine Antikörper mehr nachweisen. Eine Vorerkrankung sowie die Neigung, „bei jeder Infektion komplett außer Gefecht zu sein“, ließen sie die Nebenwirkungen schon erwarten. Sie ist gleichwohl glühende Impf-Befürworterin. Die Arbeitskollegen ihrer Mutter, die auch geimpft worden sind, schildert sie, waren anderntags voll arbeitsfähig. „Das Kollegium der Grundschule Kredenbach hat es hingegen voll erwischt. Da steckst du halt nicht drin.“

Die Physiotherapeutin denkt nicht nur an sich, sondern auch an kranke Menschen, die sich nicht impfen lassen dürfen. „Herdenimmunität muss oberstes Ziel sein für uns“, appelliert sie. „Deshalb lasst euch alle impfen.“

Bei überwiegender Mehrheit keine Symptome

Fiebersaft und Paracetamol hat sie vorsorglich eingenommen. Ob es die Symptome gelindert hat, darüber kann sie nur spekulieren.

Prof. Dr. Martin Zoremba, Chefarzt am Kreisklinikum, rät von präventiver Einnahme dieser Schmerzmittel dringend ab, ebenso sein Kollege Prof. Dr. Christian Tanislav, Ärztlicher Direktor des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen „Bei der überwiegenden Mehrheit der Geimpften treten keine Symptome auf. Warum sollte man dann vorher etwas einnehmen?“, fragt Tanislav rhetorisch. Aus medizinischer Sicht sei diese Form der Prophylaxe überflüssig: „Sie nehmen ja auch heute keine Schmerztablette ein, weil sie befürchten, morgen Kopfschmerzen zu bekommen“, verdeutlicht Tanislav. Der Professor empfiehlt dennoch, sich ein, zwei Tage nach der Impfung nicht zu übernehmen und auf starke körperliche Belastung zu verzichten. Man unterdrücke mit der prophylaktischen Einnahme die gewünschte Immunreaktion, schließt sich Prof. Zoremba dieser Sicht an. AstraZeneca sei hocheffektiv, insbesondere gegen die britische Virus-Variante. „Allerdings ist das Medikament ein PR-Desaster.“ Die beim RKI dokumentierte Impfreaktionen lägen bei beiden Medikamenten im tolerablen Bereich.

Reaktionen auch auf Biontec-Präparat

Reaktionen, ergänzt der Mediziner, gebe es im Übrigen auch auf das Biontec-Präparat. „Es ist im Allgemeinen so, dass die Reaktion auf AstraZeneca bei der ersten Impfung stärker ist als bei der zweiten. Bei Biontec ist es genau umgekehrt.“

Dass über AstraZeneca in dieser Hinsicht mehr diskutiert werde, liege möglicherweise auch daran, dass es anfangs Berufstätigen verabreicht worden sei. Müssten sich Berufstätige danach krank schreiben lassen, finde das in der Regel mehr öffentliche Beachtung als bei betagten Personen, so Dr. Zoremba abschließend.

AstraZeneca ein Qualitätsprodukt Der Leiter des Impfzentrums des Kreises Siegen-Wittgenstein, Dr. Thomas Gehrke, und Dr. Michael Klock, Vorsitzender des Siegener Ärztevereins, gaben am Mittwoch im SZ-Gespräch die Losung: „Impfen! impfen! impfen!“ heraus. Gehrke bedauerte außerordentlich, dass durch schlechte PR das AstraZeneca-Produkt in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Glauben Sie mir, der Ruf hat nichts mit der hervorragenden Qualität des Produkts gemein“, sagte Gehrke, der mit seiner Mannschaft mehr verimpfen würde, wenn er denn mehr hätte. Dabei sei die Steigerung bereits wahrnehmbar. „Das Impfbuchungsportal ist zurzeit voll.“ Seit Montag verimpfe man 550 Dosen am Tag. „Am Donnerstag sind Berufsgruppen dran, dann werden es 1200 sein. Wir haben so gut wie keine Absagen.“ 50 000 Impfungen pro Monat schaffe man locker, fügte er hinzu. Regulär ausgelegt ist das Zentrum auf 42 000 Personen. Klock und Gehrke warnten ebenfalls vor präventiver Einnahme von Schmerzmitteln. Klock: „Warten Sie nach der Impfung erst einmal ab. Viele bekommen ja keine Symptome.“ Und Dr. Gehrke ergänzte: „25 Prozent haben relevante Impfnebenwirkungen. Eine Immunantwort ist ganz normal.“
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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