Erster Kohlenmeiler seit einem Jahrhundert
Es raucht über Flammersbach

Von Freitag bis Montagnachmittag qualmte der historische Meiler am Rande des Flammersbacher Haubergs.
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kay Flammersbach. Etwas abseits, am Rande von Flammersbach, da qualmte es dieser Tage gewaltig. „Was ist denn da los?“ – dürfte sich der eine oder andere gefragt haben. Die Antwort hierauf ist ganz einfach: Es war kein Waldbrand oder dergleichen – ein Kohlenmeiler glühte langsam vor sich hin und sorgte für die starke Rauchentwicklung.

Die Idee hierzu hatte der Flammersbacher Torben Wenzel. „Ich war unzufrieden mit der Holzkohle, die man im Supermarkt kaufen kann. Die Meilerkohle aus Walpersdorf war klasse und genau so etwas wollte ich auch herstellen“, erklärte er gegenüber der SZ. Wenzel befasste sich daher intensiv mit dem Thema Kohleherstellung, wälzte Bücher und recherchierte im Internet. Ausschlaggebend für das Gelingen seines Meilerprojektes war letztendlich der Kontakt zu Alt-Köhler Heinz Hermann Katz vom Förderverein Historischer Hauberg Fellinghausen – der betreute Torben Wenzel bei dem Meiler-Projekt und gab wichtige Tipps und Ratschläge.

Kreis aus Holz

Vergangenen Freitag endlich konnte es losgehen. Mit Hilfe von Freunden wurde das Projekt „Kohlenmeiler“ in Angriff genommen. In der Mitte des Meilerplatzes, am Rande des Flammersbacher Haubergs, entstand der Kamin – aufgebaut aus einem knapp einen Meter langen Holzscheiten und Stämmen. Die Hölzer wurden hierzu kreuzweise aufeinander geschichtet bis zu einer Höhe von ungefähr 1,50 Meter. Auf dem unteren Holzkreis folgte eine zweite Schicht aus aufgestellten Holzscheiten. Rund um den zuvor gebauten Kamin entstand so ein Kreis aus Holz, das später durch die Verkohlung zu Holzkohle werden sollte. Auf das gestapelte Holz legte Wenzel im nächsten Schritt eine Schicht aus Rasenstücken – es entstand das so genannte „Raudach“. Zum Abschluss erhielt der Meiler sein Erddach. Zig Schaufeln Haubergserde gaben dem Meiler seine endgültige Form. Insgesamt gut 18 Festmeter Eichen- und Birkenholz waren nun im inneren des imposanten Meilers verborgen.

Torben Wenzel regelte die Stärke der Luftzufuhr und stopfte Löcher in der Meilerwand
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„Spannend wurde es beim Anzünden. Ich war echt gespannt, ob alles wie geplant laufen würde. Ein Kohlenmeiler hat in der Gemarkung Flammersbach seit über hundert Jahren nicht mehr gebrannt“, so Torben Wenzel. Und es funktionierte. Während es brannte, stieg er über eine Leiter auf den Meiler und warf kleine Holzspäne als Anmachholz in den Kamin – Glut aus dem Lagerfeuer wurde auf das Anmachholz geschaufelt. Zu guter Letzt legte er auf die Glut kleingehacktes Holz, bis der Kamin bis zum oberen Rand gefüllt war. Verschlossen wurde alles dann mit einem Blechdeckel. Der Prozess der Verkohlung konnte starten: Mehrere Tage lang glühte im Inneren des Meilers das Feuer langsam vor sich hin.

Ständige Kontrolle unabdingbar

Immer wieder musste Hobby-Köhler Wenzel eingreifen – die Stärke der Luftzufuhr galt es zu regulieren. Löcher in der Meilerwand mussten gestopft, an anderer Stelle musste die Luftzufuhr erhöht werden. Zu hohe Temperaturen im Inneren des Meilers hätten alle Bemühungen im wahrsten Sinne des Wortes zu Schutt und Asche werden lassen. Nicht nur tagsüber war eine Überwachung des Kohlenmeilers erforderlich, auch nachts war eine ständige Kontrolle für ein gutes Ergebnis unabdingbar – Torben Wenzel verbrachte die Nächte deswegen in einem Bauwagen, direkt neben „seinem“ Kohlenmeiler.

Gut 800 Kilo Holzkohle waren das Ergebnis des Experiments.
  • Gut 800 Kilo Holzkohle waren das Ergebnis des Experiments.
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Am Montagnachmittag dann das große Finale – der Verkohlungsprozess war beendet. Mit vereinten Kräften erfolgte der Rückbau des Meilers. Die noch heiße Holzkohle wurde auseinandergezogen, noch glühende Stücke mit Wasser abgelöscht. Gut 24 Stunden nimmt das kontrollierte Auskühlen des „schwarzen Goldes“ in Anspruch. Torben Wenzel, sichtlich geschafft, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich schätze, dass etwa 800 Kilo Holzkohle bei dem Experiment herausgekommen sind. Damit hätte ich niemals gerechnet.“ In Säcken abgepackt wird Hobby-Köhler Wenzel die Holzkohle in seinem privaten Umfeld zum Selbstkostenpreis verkaufen. Ein Teil des Erlöses kommt dem Bürgerverein Flammersbach zugute.

Autor:

Kay-Helge Hercher (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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