Fratzenhafter Spuk und Schönheit

Elf Musiker der Philharmonie Südwestfalen begeisterten mit »Bilder einer Ausstellung«

vg Wilnsdorf. Es war, als glotze die hässliche unförmige Kreatur mit ihrem klobigen Schädel, den seltsamen frechen Augen und dem riesigen Maul mit den messerscharfen Zähnen darin mit einem Mal aus dem Nichts hervor, als lächele sie fratzenhaft und ekelerregend zugleich dem Publikum in ihrer ganzen Abscheulichkeit zu und als mache sie sich erneut daran, ihr nächstes Opfer humpelnd und springend heimzusuchen. Der »Gnom« war nur eines der musikalischen Themen, das im begnadeten Spiel der elf Musiker der Philharmonie Südwestfalen am Sonntag im Forum des Gymnasiums Wilnsdorf zu neuem Leben erwachte.

Nur wenigen sind die »Bilder einer Ausstellung«, von dem russischen Komponisten Modest Mussorgsky, die 1874 als Klavierzyklus komponiert und schließlich durch die Instrumentalisierung von Maurice Ravel für großes Orchester berühmt wurden, unbekannt. Eine ganz neue kammermusikalische Bearbeitung von Gerhard Buchner aber, der die Original-Klavierkomposition erstmals ausschließlich für Streichorchester umschrieb, brachten die elf Musiker der Philharmonie unter der Leitung von Herbert Ermert jetzt zu einer gelungenen Aufführung.

Darin entführten sie ihre Zuhörer in die wundersamen Klangwelten des russischen Komponisten. Und mit der Musik und beschreibenden Zwischentexten von Buchner, die von Siegens Ex-Bürgermeisterin Hilde Fiedler eindrucksvoll vorgetragen wurden, unternahm man gemeinsam einen erlebnisreichen musikalischen Rundgang, vorbei an den »Bildern einer Ausstellung«.

Nachdem man sich beim Kunstwerk »Gnomus« genug »geängstigt« hatte, führten die Musiker der Philharmonie das Auditorium mit sicherer Hand weiter hinüber zum nächsten musikalischen Bild: »Das alte Schloss«. Melancholie, Trauer, aber auch wundervolle Schönheit vereinten sich in dem meisterlichen Spiel der Musiker. Die Stimmen der Violinen ertönten süß und tragisch zugleich, dazu erklangen die Violoncelli und der Kontrabass voluminös und wundervoll.

Nach diesen fesselnden Eindrücken, bei denen ein wohliger Gänsehaut-Schauer den nächsten jagte, war man dazu eingeladen, für Momente »Die Tuilerien« zu bestaunen. Im ausgelassenen Saitenspiel der Philharmoniker wurde die Freude des ganzen Bildnisses mit seinen im Park spielenden Kindern und den hellen Farben von Bauwerk und Natur hör- und nachvollziehbar. Bei »Bydlo« ging das Spiel der Musiker in eine ganz mitreißende, ungemein kraftvolle Weise über, so dass man ganz eingenommen war von der instrumentalen Beschreibung eines vorbeifahrenden, polternden, schweren Ochsenkarrens aus der polnischen Stadt.

Ganz andere Töne wurden schließlich beim »Tanz der Küken in den Eierschalen« laut. Jetzt ging es wahrhaft munter zu. Da wurde musikalisch getanzt, gehüpft und gesprungen. Doch bald schon wechselte die freudige Stimmung wieder in eine düstere, als die Philharmoniker das Zwiegespräch von »Samuel Goldenberg und Schmuyle« musikalisch umsetzten.

Von der »Hütte der Baba-Yaga« aus nahmen die elf Musiker der Philharmonie Südwestfalen ihre erstaunten und begeisterten Zuhörer schließlich mit zu einem turbulenten Flug auf dem Besenstiel der Hexe. Und die wundersame Reise voll eindrucksvollem Bilderreichtum und tiefen Gefühlen fand vor dem »Großen Tor von Kiew« schließlich ein glänzendes Finale. Noch einmal vereinten sich großer sinnlicher Reiz und hörbare Anmut im gewandten Spiel der Musiker derart, dass die Zuhörer am Ende gar nicht anders konnten als einen lang anhaltenden, begeisterten Applaus zu spenden.

Als gelungene Einstimmung auf Mussorgskys Klangbilder hatten die Mitglieder der Philharmonie Südwestfalen zuvor mit Tanzstücken, Skizzen und Bagatellen des ungarischen Komponisten Béla Bartôk überrascht und somit den ungewöhnlich mitreißenden musikalischen Nachmittag stimmungsvoll abgerundet.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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