Hochdeutsch musste draußen bleiben

Beim Mundartnachmittag des Heimatbundes war »Plattschwätzen« angesagt

sz Anzhausen. »Et ös mo werrer sowitt. Etz schwätze m’r nur noch platt«, begrüßte Kreisheimatpfleger Dieter Tröps die Freunde der Mundart in der voll besetzten Anzhausener Turnhalle zum 22. Mundartnachmittag des Heimatbundes Siegerland-Wittgenstein. Der Einladung gefolgt waren zahlreiche Gäste, darunter stellv. Landrat Jürgen Althaus und Wilnsdorfs Bürgermeister Werner Büdenbender.

Anzhausens Ortsvorsteher Karl-Heinz Neef und Heimatvereinsvorsitzender Michael Hoffmann hießen die Heimatfreunde aus dem Siegen-Wittgensteiner Raum herzlich willkommen. »Mundart und Brauchtum sind wesentliche Bestandteile von Heimatarbeit und regionale Bildungsarbeit zugleich«, resümierte Jürgen Althaus und bedankte sich im Namen von Kreistag und -verwaltung für das großartige Engagement der Mundartliebhaber der Region. Zeit und Herzblut habe man in die Veranstaltung investiert. Der Einsatz lohne sich, werde dadurch doch ein spezifisches Erbe von Generation zu Generation weitergegeben und das regionale Selbstbewusstsein gestärkt.

Mit vorbereitet und organisiert wird der traditionelle Mundartnachmittag des Heimatbundes Siegerland-Wittgenstein an jedem zweiten Samstag im November vom Arbeitskreis »Volkskunde, Mundart und Brauchtum«, der sich vorrangig mit Pflege und Anwendung der Siegerländer und Wittgensteiner Mundarten befasst. Bemerkenswert, dass dabei auch andere Mundarten, wie z.B. die schlesische, mit in das Programm der Jahresveranstaltung einfließt.

Die örtlichen Mundartbeauftragten in den Heimatvereinen tragen wesentlich dazu bei, dass die Mundart – »so schwätzt m’r em Sejerland« – immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. »Rimcher on Anekdode« sorgten für reichlich Spaß und Freude. Horst Heide aus Alchen als Moderator war in seinen Ankündigungen nie um einen humorvollen dialektischen Sketch verlegen und reihte sich dadurch nahtlos in die heitere Atmosphäre des Geschehens auf der Bühne ein. Mit einem Liedvortrag eröffnete der einzige Landfrauenchor in der Region aus Rückershausen-Weide den Nachmittag und versprühte mit der Weise »Wenn em Wettjesteener Land da Genster blieht« einen Hauch Wittgensteiner Luft in der Halle.

»Vaweeje schwätz- oder mullfaul«: 24 Mundartsketche und -vorträge von Einzelpersonen und Gruppen waren ein Beweis für den hohen Stellenwert, den sich die Mundart erobert hat. Das Markenzeichen der Sejerlänner stand denn auch gleich Pate zum Auftakt: »Riewekooche es känn Reibekuchen«, machte der zwölfjährige Lars Mauersberger aus Oberdielfen die Siegerländer Spezialität den Zuhörern deutlich. Dass die Wettjesteener, speziell die Puderbacher auf großem Fuß leben, wusste Gisela Duchardt aus Bad Laasphe zu berichten. Viel Charme versprühte Gerda Greis aus Siegen mit »Min Hot es net min Hot«. »E paar Gedanke zu osem Platt« (Karl- Josef Görg, Netphen) waren offensichtlich auch einmal vonnöten, um Christel Vogel aus Siegen und Bruno Steuber aus Kreuztal richtig zu verstehen: »Dr Ussverkauf« und »Goore Verrechdung«.

Weitere Darbietungen waren u.a. »Meine kleene Welt« und an »Erdkunde oder schlesische Sträßelkucha« von Irene Fischer (Siegen), »Platt watt sost« (Dirk Niesel, Kreuztal), » D’r Seejerlänner Mäckes« (Hildegard Gries, Anzhausen), »Det Allerweltswort im Sejerland« (Rosel Becker, Oberdielfen), »Duffelnsalod« (Gerhard Stötzel, Kreuztal), »De Duffelskrankheit« (Doris Hochhardt, Siegen), »Hü wönn mer mohl den Kaffee lorwe« (Gisela Bender, Niederndorf), »Nejjes us d’r Schoal« (Hans-Dieter Schuß, Trupbach) und »De Feuerwehr« (Marlene Hellmann, Deuz). Schließlich demonstrierten die Gastgeber, der HV Anzhausen den Sketch »Katzenjammer«, und der gebürtige Anzhusener, Erich Dietermann aus Gilsbach skizzierte »D’r Anzhüser öwwer de Isebah«.

Dass auch die junge Generation Freude an der Mundart gewinnt, unterstrich ein Quintett der Schülermundartgruppe aus Wahlbach.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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