»Kein Rentner kann sich sicher sein«

Verwaltungsrat Siegfried Orthmann von der Bundesknappschaft zog unschöne Bilanz

sz Niederdielfen. Dass sich in Zukunft kein Rentner mehr seiner Rente sicher sein könne, war leider das Urteil, das Verwaltungsrat Siegfried Orthmann von der Bundesknappschaft über die so genannte »Riester-Rente« fällte. Auf Einladung der CDU Wilnsdorf war er ins Bürgerhaus von Niederdielfen gekommen, um vor interessiertem Publikum über die Rentenreform zu sprechen.

Viel vorgenommen habe sich Herr Riester mit seinen Änderungen, vielleicht aber zuviel, urteilte Siegfried Ortmann. Sicher, dass eine Rentenreform notwendig sei, stellte der Verwaltungsrat nicht in Frage. Schließlich müssten in Zukunft immer weniger Leute immer mehr Rente zahlen. Es müsse also etwas geschehen, damit es künftig in der Rentenkasse überhaupt noch klingelt. Nur mit der »Riester-Rente« sei den wenigsten geholfen. »Die einzigen, die bei der neuen Rente profitieren, sind die Mütter«, erklärte Siegfried Orthmann. »Sie stehen durch die Reform besser da.« Für die übrigen aber brächten die Änderungen nur wenig Gutes.

Ein Blick auf die Beitragsatzentwicklung machte es den Beteiligten deutlich: Ohne eine Reform würden im Jahr 2030 23,6 Prozent des Einkommens in die Rentenkasse gezahlt, diesen Betrag brächten Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleichen Teilen auf. Die neue Rente sei nicht mehr so gerecht. Der Arbeitnehmer würde wesentlich stärker belastet. Er müsse schließlich nicht nur wie sein Arbeitgeber die geplanten 11 Prozent aufbringen, sondern sollte zusätzlich mit 4 Prozent seines Einkommens eine private Altersvorsorge finanzieren. »Die angebliche Beitragssenkung ist daher eine reine ,Mogelpackung’«, urteilte Orthmann.

Außerdem sehe das neue Gesetz vor, dass jeder Arbeitnehmer bis zu seinem 63. Lebensjahr zur Arbeit ginge. Sollte er vorher sterben, würde seine Hinterbliebenenrente gekürzt. »Im Prinzip kann es sich niemand mehr leisten, vor seinem 63. Lebensjahr zu sterben«, resümierte der Verwaltungsrat. Auch der Berufsschutz sei nicht mehr gewährleistet, denn durch die Gesetzänderungen gebe es keine Erwerbungsunfähigkeitsrente mehr, nur noch eine Erwerbsminderung. »Bescheinigt ihnen irgendein Arzt, dass sie noch zwei Stunden am Tag als Pförtner arbeiten können, dann müssen sie das tun, egal, ob sie vorher als Schreiner, Kaufmann oder Professor tätig waren. Aber keiner regt sich über die Änderungen auf, weil keiner wirklich weiß, was sie für ihn bedeuten«, erklärte Orthmann seinen Zuhörern.

Denen geht es da ein wenig besser. Sie wurden über die folgenschweren Änderungen zumindest aufgeklärt. Einstimmig lobten sie Orthmanns klare und anschauliche Darstellung des komplizierten Sachverhalts. Wer aber wirklich informiert sein will, dem empfiehlt Orthmann eine individuelle Beratung. Eines aber könne er generell sagen, die private Altersvorsorge in Form der »Riester-Rente« lohne sich nur für einkommensschwache Familien mit vielen Kindern.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen