Kostbarkeit unter der Erde

Der Anzhäuser Fotograf Hermann Schäl (l.) erläuterte bei der Vernissage im Rathaus II die Mineralien-Motive. Erste interessierte Betrachter: Bürgermeisterin Christa Schuppler und Dr. Andreas Bingener, Vorsitzender des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins. Foto: la
  • Der Anzhäuser Fotograf Hermann Schäl (l.) erläuterte bei der Vernissage im Rathaus II die Mineralien-Motive. Erste interessierte Betrachter: Bürgermeisterin Christa Schuppler und Dr. Andreas Bingener, Vorsitzender des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins. Foto: la
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la Wilnsdorf. Millionen Tonnen Erz lagern noch in der Siegerländer Erde, auch wenn der Bergbau in der Region längst der Vergangenheit angehört. Nur noch ganz wenige Zeugnisse der Vergangenheit erinnern daran, dass mehr als 2500 Jahre das Montanwesen, insbesondere der Bergbau der Region, das Leben und die Kultur der Menschen formte. Im Wilnsdorfer Rathaus II zeigt in einer kleinen, aber feinen Ausstellung der Anzhäuser Fotograf Hermann Schäl 40 faszinierende Blicke auf Mineralien, die aus der Tiefe des Siegerländer Erzganges stammen.

Die Mineralien aus den Vitrinen heimischer Bergbaufreunde, die ihre Schätze für die Fotografien zur Verfügung stellten, faszinieren den Betrachter. Entstanden ist eine bemerkenswerte Bilderschau. Ob Millerit aus der Grube Pfannenberg oder Pyrolusit aus der Grube Dachs, sie vermitteln, was die Bergleute einst fanden. Im Eingangsbereich zeigt Hermann Schäl Motive der Grube Schöneberg (Gosenbach), San Fernando (Herdorf), Mocke (Kaan-Marienborn) und Eisernhardter Tiefbau (Eisern).

Christa Schuppler eröffnete am Mittwoch die Ausstellung, die in der Reihe „Kunst auf der Treppe“ läuft. Die Bürgermeisterin erinnerte an den Bergbau, der eine zentrale wirtschaftliche Bedeutung in der Region hatte. Dr. Andreas Bingener, Vorsitzender des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins, skizzierte in seiner Ausstellungseinführung den Niedergang des Siegerländer Bergbaus. Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts setzte eine Entwicklung ein, die zu Grubenschließungen und Zusammenlegungen von Gruben zu Großanlagen führte. Unterbrochen wurde diese Entwicklung kurz in der Ära des Nationalsozialismus. Mit der Schließung der letzten Grube im Altkreis Siegen 1962, mit der Pfannenberger Einigkeit, und 1965 im Kreis Altenkirchen mit den Gruben Füsseberg und Georg, so Dr. Bingener, fand die bergbauliche Tradition ihren Abschluss. Während die unterirdischen Anlagen bereits kurze Zeit nach Abschaltung der Wasserhaltungsmaschinen nicht mehr zugänglich waren, schritt man auch über Tage zur Tat, demontierte einen Großteil der Übertageanlagen, legte alle Fördertürme nieder, gemäß dem alten Siegerländer Spruch: „Brauchen wir nicht mehr, weg damit.“

Erst in den letzten Jahren, so Dr. Bingener, haben gezielte Bemühungen sowohl von privater als auch von der Öffentlichen Hand eingesetzt, wenigstens einen Teil der noch vorhandenen Relikte und Spuren der bergbaulichen Vergangenheit zu erhalten und für ein breites Publikum anschaulich zu machen. Beim Anblick „Der Schätze aus der Tiefe“ könnten sich die Betrachter ihrer Faszination nicht entziehen. Wahre Wunderwerke an Mineralien in allen nur erdenkbaren Farben und Formen, so Dr. Bingener, wurden ans Tageslicht befördert und fanden ihren Platz in den mineralischen Sammlungen. Mit dem Auge des Fotografen rückte nun Hermann Schäl die Kostbarkeiten in den Mittelpunkt.

Wer weitergehendes Interesse am Siegerländer Bergbau hat, dem sei ein Besuch im Museum Wilnsdorf ans Herz gelegt: Eine umfangreiche Sammlung, darunter die Sammlung Jung, präsentiert ein breites Spektrum an heimischen Mineralien, Werkzeugen, Geräten und Lampen, Dokumenten, historischen Fotografien und Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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