MdL Anke Fuchs-Dreisbach besuchte Schüler aus dem Pflegebereich
Kritik am neuen Gesetz: Die Falschen angehört

Anke Fuchs-Dreisbach (2. v. l.) hörte sich die Anregungen und die Kritik der Schüler an. Auch Schulleiterin Yvonne Fromm (l.) gab der Landtagsabgeordneten einiges mit auf den Weg. Foto: Sarah Panthel
  • Anke Fuchs-Dreisbach (2. v. l.) hörte sich die Anregungen und die Kritik der Schüler an. Auch Schulleiterin Yvonne Fromm (l.) gab der Landtagsabgeordneten einiges mit auf den Weg. Foto: Sarah Panthel
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sp Oberdielfen. Die Erneuerung des Pflegeberufgesetzes, das 2020 in Kraft tritt, wird nicht überall begeistert angenommen. So wie bei den Schülern des Auditoriums Südwestfalen in Oberdielfen, die eine Ausbildung als Altenpflegerin oder Altenpfleger absolvieren. Rund 30 Auszubildende des 1. und 2. Lehrjahres äußerten gestern gegenüber der Landtagsabgeordneten Anke Fuchs-Dreisbach (CDU) Kritik an den Reformen, stellten Fragen und sprachen über ihre Ängste.

Der Besuch fand im Rahmen der „Tage der freien Schulen NRW“ statt, an denen Privatschulen die Türen für Politiker des Landtags öffnen. Anke Fuchs-Dreisbach gestaltete eine Schulstunde, in der die Schüler die Möglichkeit zum direkten Austausch bekamen.

Die wurde bereits bei der ersten Frage angenommen, als Fuchs-Dreisbach wissen wollte, was Mitmenschen dazu sagen, dass sie Altenpfleger werden wollen. Eine Antwort: „Für mehr hat es nicht gereicht. Das ist das Allerletzte – als wären wir zu doof gewesen, in einer Fabrik zu arbeiten und jetzt pflegen wir alte Leute.“ Dass sie nur wenig Anerkennung für ihre verantwortungsvolle Arbeit bekommen, darin waren sich die angehenden Altenpfleger einig, und sie setzten ihre Hoffnung auf die Politikerin, dass sie sich für mehr Wertschätzung einsetzt.

Ein Schüler berichtete, dass er die Ausbildungsvergütung und das Gehalt seit zehn Jahren im Blick habe, und obwohl Politiker, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, immer wieder über eine bessere Bezahlung und mehr Ansehen sprächen, aber noch immer nichts passiert sei. In der gemeinsamen Diskussion wurde den Schülern zudem bewusst, wie unterschiedlich ihre Vergütungen sind. Schulleiterin Yvonne Fromm bestätigte, dass die Schere beim Gehalt sehr groß sei und im Durchschnitt in NRW bei 2300 Euro brutto liege. Anke Fuchs-Dreisbach gab zu bedenken: „Das Land bezahlt Sie ja nicht, sondern Ihr Arbeitgeber.“

Der Fokus aber lag, wie erwähnt, auf dem neuen Pflegeberufegesetz. Dieses sei zwar ein bundesweites, aber die Länder müssten es umsetzen, sagte Fuchs-Dreisbach. Deshalb wolle sie die Anregungen der Schüler mit in den Landtag nehmen. Die Politikerin erläuterte, wie das Gesetz entstand. Interessensverbände hätten ihre Meinungen geäußert und Experten seien angehört worden. „Das waren die falschen“, entgegnete ein Schüler. Er und auch Yvonne Fromm kritisierten, dass die Befragten oft keinen Bezug mehr zur Praxis hätten. Fromm beanstandete auch, dass das Gesetz „aus Krankenhäusern“ heraus gemacht worden sei, wo es einen Träger und eine Schule gebe. Bei den Privatschulen sei das anders und der organisatorische Aufwand dementsprechend deutlich höher.

Das neue Gesetz sieht eine anders organisierte fachschulische Pflegeausbildung vor. Bislang gab es die reine Ausbildung zum Altenplfeger oder zur Altenpflegerin. Jetzt wird es eine generalistische Ausbildung im ersten und zweiten Jahr geben. Im dritten kann entschieden werden, ob es mit der Generalistik weitergeht (Abschluss als Pflegefachmann/-frau) oder mit einer Vertiefung in der Pädiatrie (Abschluss als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in) oder in der Altenpflege (Abschluss als Altenpfleger/in).

Dementsprechend müssten die Schulen neue Lehrkräfte einstellen, um alle Themengebiete abzudecken, erklärte Fromm. Viele Privatschulen könnten sich das nicht leisten und müssten schließen. Und nur in der Theorie könnten sich die Auszubildenden nach dem zweiten Lehrjahr spezialisieren, denn praktisch seien sie in einem Betrieb (z. B. in einem Altenheim) angestellt, der die Richtung bereits vorgebe.

Fuchs-Dreisbach betonte, dass das Gesetz dabei helfen soll, dass der Beruf mehr anerkannt werde. „Es soll eigentlich zu einem Vorteil werden.“ Ein Schüler prangerte an, dass sie als Betroffene erst jetzt befragt würden, wo das Gesetz bereits verabschiedet worden sei. Die Landtagsabgeordnete versuchte hier zu beschwichtigen: „Ein Gesetz ist ja nicht in Stein gemeißelt.“

Die größte Befürchtung der Schüler: Ihr Abschluss wird – im Vergleich zu dem neuen – weniger wert und ihre Chancen im Berufsleben geringer sein. Anke Fuchs-Dreisbach glaubt nicht, dass sie einen Nachteil hätten, denn Pflegekräfte würden immer gesucht. Fromm empfahl den Schülern, ihren Weg weiterzugehen und im Anschluss ggf. Fortbildungen zu machen.

Eine Schülerin fragte, warum man nicht einfach alles hätte lassen können, wie es war. Anke Fuchs-Dreisbach betonte noch einmal, dass sich Berufe weiterentwickeln, die Situation und Bedarfe veränderten sich. „Man will die Berufe aufwerten, das Image verbessern.“ Aber sie nahm auch mit: „Man muss dringend nochmal auf das Gesetz schauen.“

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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