»Man singt halt, wie man kann«

Und sie können! / Calmus Ensemble aus Leipzig gastierte in Wilnsdorf

gmz Wilnsdorf. »Man singt halt, wie man kann« – und singen können sie, die sechs jungen Sänger des Calmus Ensembles, die am Samstagabend im Wilnsdorfer Forum auftraten und mit pfiffigen, überraschenden und nie »effektheischenden«, dafür aber eindrucksvollen Interpretationen bekannter und unbekannterer Lieder begeisterten. Dass sie zu singen wussten, ist kein Wunder, stammen die fünf jungen Sänger doch aus dem weltberühmten Leipziger Thomanerchor.

Nach dem Abitur schlossen sie sich zu einem Quintett zusammen. Zwei Jahre später nahmen sie eine Sopranistin in ihre Reihen auf, um ihr Repertoire zu erweitern. Und jetzt gehen Anja Lipfert (Sopran), David Erler und Sebastian Krause (Countetenöre), Martin Lattke (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Ulrich Barthel (Bass), die bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet worden sind, mit ihrem Programm »Von Kopf bis Fuß auf Lieder eingestellt« auf Tournee.

Im ersten Konzertteil trugen sie Lieder vor, die den meisten wahrscheinlich bekannt waren, die man so aber vielleicht noch nicht gehört hat. Ihre exzellente Stimmbeherrschung und ihr ausgewogenes Zusammen»spiel« schuf Interpretationsräume, in denen sie auf die oft verschüttete Dramatik der scheinbar allzu bekannten Texte hinweisen konnten oder in denen sie den oft überhörten Witz oder die Ironie der Lieder herausstellten. Dabei erwiesen sie sich als Meister der leisen Andeutungen.

So entlockten sie beispielsweise den »Königskindern« mit ihrer erzählenden Vortragsweise dramatische Tiefe: Man meinte sowohl den abgrundtiefen Schmerz der Königstochter zu hören wie auch die Bosheit – oder war es verzweifeltes Zu-kurz-Gekommensein? – der falschen Nonne. Schön auch die dialogische Interpretation des »Erlkönigs« (in einer Bearbeitung von Ludwig Böhme), die die Angst des Vaters und des Kindes deutlich hervorhob (auch wenn die lautmalenden Begleitstimmen, als treibende Bewegung eingesetzt, eher störend und vom Eigentlichen ablenkend wirkten bei dieser ansonsten anrührenden Darbietung).

Wunderschön duftig, genießerisch spöttisch, voller Wehmut und auf Eis gelegt: So klangen die vier Lieder, die das »Jahr im Lied« darstellten. Fredo Jung hat Morleys »Now is the Month of Maying«, das Volkslied »Ein Jäger längs den Weiher ging«, Mendelssohn Bartholdys »Herbstlied« und seinen eigenen »Winter« für das Calmus Ensemble eingerichtet. Die sechs Sänger machten daraus einen Gang durchs Jahr, der ebenso stimmungsvoll wie witzig war – die »Abenteuer« des Jägers waren ein Meisterstück! Toll auch die ebenfalls von Fredo Jung für das Ensemble komponierte »Vogelhochzeit«: ein Lied der Möglichkeiten und musikalischen Zitate...

Im zweiten Konzertteil stellten die Sänger Arrangements bekannter Chansons vor, wobei sie manch überraschende Erkenntnis zu bieten hatten. Ihre Deutung des Dietrich-Hits »Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« eröffnete ganz neue Perspektiven und zeigte eine gleichzeitig benso respektvolle wie die Pose entlarvende Sicht der Chanson-Heldin. Gut auch die Eröffnung des zweiten Teils mit »Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen« mit der geradezu programmatischen Erkenntnis: »Man singt halt, wie man kann«. Wie gesagt, das können sie!

Das Lied als Möglichkeit der Distanzierung von den »Verhältnissen«, ob es nun um Liebe geht oder um das Zusammenleben im Allgemeinen, wurde von ihnen in allen möglichen Facetten ausgelotet – sie ließen ihre Zuhörer dabei keineswegs im »Rrrrregen« stehen, wie die Dame, die mit zunehmend ärgerlicherem »rrr« in demselben warrrtet! – Ein gelungenes Konzert von einem jungen Ensemble mit großem Potenzial, von dem man sicherlich noch viel hören wird! Die Zuhörer in Wilnsdorf ließen sie dann auch nicht ohne drei Zugaben ziehen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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