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Zum Tag der Parke
Mit dem Ranger im Nationalpark Sauerland Rothaargebirge

Ranger Matthias Speck, standesgemäß mit Hut.
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  • Ranger Matthias Speck, standesgemäß mit Hut.
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  • hochgeladen von Johannes Nuß

Der Arbeitsplatz von Ranger Matthias Speck befindet sich unterm Blätterdach: Er führt Gruppen und informiert, muss aber auch mehrfach jährlich Vergehen anzeigen, weil manche Zeitgenossen keine Rücksicht auf den Lebensraum Wald nehmen. Anlässlich des Tags der Parke am 24. Mai berichtet er im Gespräch mit der Siegener Zeitung aus seinem Arbeitsalltag. 

nik W

Der Arbeitsplatz von Ranger Matthias Speck befindet sich unterm Blätterdach: Er führt Gruppen und informiert, muss aber auch mehrfach jährlich Vergehen anzeigen, weil manche Zeitgenossen keine Rücksicht auf den Lebensraum Wald nehmen. Anlässlich des Tags der Parke am 24. Mai berichtet er im Gespräch mit der Siegener Zeitung aus seinem Arbeitsalltag. 

nik Wilgersdorf. „Die Wälder schweigen”, so lautet der Titel eines Gedichts von Erich Kästner. Und vielleicht ist es schade, dass sie schweigen, schließlich haben die Wälder dieser Tage nicht wenig zu ertragen. Als erstes kommen einem da natürlich Trockenheit und Borkenkäfer in den Sinn. Aber es ist eben auch der Mensch ganz unmittelbar, der dem Wald nicht immer guttut. Oder ihn zumindest nicht als das anerkennt, was er in erster Linie ist: Lebensraum. Lunge. „Mir läge viel daran, wenn er nicht nur als Kulisse wahrgenommen würde. Man fühlt und hört den Wald oft nicht mehr”, sagt einer, der es wissen muss: Matthias Speck ist Rothaarsteig-Ranger der ersten Stunde. Seit  fast 20 Jahren kümmert er sich gemeinsam mit seinen neun Kollegen um die Wälder im Naturpark Sauerland Rothaargebirge. Sein persönliches Revier ist dessen südlichster Zipfel, von der Ginsburg bis zum Siegerlandflughafen. Der Ranger fährt „Ranger”, an Bord Terrier Artus, dem an diesem schönen Morgen aber nicht der Sinn nach Frischluft steht. Vom Wanderparkplatz Wilgersdorf geht es noch ein kurzes Stück bis zum Haubergspfad. Hier hat Speck heute zu tun, denn neben der Führung von Gruppen gehören auch die Pflege, die Wege-Wartung und die Betreuung von Walderlebnispfaden wie diesem zu seinen Aufgaben.

Der Größte in Nordrhein-Westfalen

Nationalpark Sauerland Rothaargebirge: Mehrfach im Jahr muss Ranger Speck Vergehen zur Anzeige bringen

Wald. Erlebnis. Das setzen viele inzwischen gleich, schließlich vereint dieser Ort zahlreiche Möglichkeiten unter seinem Blätterdach. „Es gibt viel mehr Menschen, die den Wald für sich beanspruchen”, hat der Ranger beobachtet. Sie kommen zu Fuß oder auf dem Mountainbike, frönen auch anderen Sportarten, suchen Pilze, betreiben Geocaching. Und mitunter brettern sie auch auf der Motocross-Maschine durchs Grün, mit falschen oder gleich ganz ohne Nummernschildern. Mit ein bisschen Glück und dank der Zusammenarbeit mit Jägern, Förstern, Waldbesitzern werden manche dieser Kandidaten auch ermittelt. Mehrfach im Jahr muss Speck Vergehen zur Anzeige bringen, doch ist dies nur das allerletzte Mittel, „denn wir versuchen zu deeskalieren, wir suchen das Gespräch und kommen nicht direkt mit dem großen Zeigefinger”.

Unsere Wälder sind schwer angeschlagen

Der Betrieb sei während Corona schon mehr geworden, erinnert sich Speck zum Beispiel an Jugendliche, die den Waldrand als Treffpunkt nutzten – „und so sah es dann am nächsten Morgen auch aus”. Aber es ist keineswegs nur diese oft gescholtene Generation, die dem Forst nicht den nötigen Respekt erweist. Das Wort Waldbrandgefahr gehört alljährlich zum Standardrepertoire sämtlicher Medien, dennoch erwischt der Ranger immer wieder Leute jeden Alters, die Feuer machen und grillen. „Wer sich wirklich im Wald erholen will, wer den Wald auf sich wirken lassen will, das werden weniger”, stellt der Ranger fest. Dass manche Zeitgenossen sich mit ihrem Verhalten durchaus auch selbst in Gefahr bringen, sehen sie oft nicht: Ein Betretungsverbot, wo Holzarbeiten durchgeführt werden? „Die Wenigsten scheren sich um die Sperrungen, man hört ja die Säge nicht, heißt es dann.” Und wo es gerade wieder zartgrün sprießt, werden auch schon mal Trails mitten hindurchgebaut.

Tag der Parke am 24. Mai: Bedeutung des Naturparks nicht allen Bürgerinnen und Bürgern klar

Auf der Haubergsuhr steht für Mai das Loheschälen, Specks Aufgabe an diesem Tag  – also mit einem Lohlöffel, dem Schöwwel, die Rinde vom Baum lösen, sodass dieser langsam austrocknet und später gefällt wird. Die Lohe wird heute, anders als früher, nicht mehr verkauft, ebenfalls anders als früher arbeiten Speck und Kollegen nicht mehr mit dem Beil. Er weiß, dass das im Historischen Hauberg in Fellinghausen anders gehandhabt wird, „aber wir kosten ja Geld”, lächelt der Ranger. Immer mal wieder bückt er sich, um darauf aufmerksam zu machen, wo die Natur sich, ganz wie hier vorgesehen, erneuert. Ist die Bedeutung dieses Naturparks, der ja nicht zuletzt dem Erhalt der Landschaft dient, den Menschen denn noch bewusst? Der Ranger überlegt, nein, bei vielen sei das nicht der Fall. Er habe zwar einen Schutzstatus, aber eben nicht den gleichen wie beispielsweise Nationalparks, daher gelten hier entsprechend weniger strenge Gesetze. Eine striktere Gesetzgebung wiederum müsse strenger überwacht werden, „aber dann gibt es wieder Konflikte”. Wer nun aufmerksam aus dem Fenster schaut, der sieht dieser Tage kahlrasierte Hänge, wo es früher üppig grünte. Welche Zukunft hat dieser von so vielen Menschen aus so vielen Gründen dann doch so dringend gebrauchte Ort?  „Viele sagen, der Wald sei weg”, sagt Matthias Speck, „aber das stimmt nicht. Die Bäume sind weg.” Sie kommen wieder. Aber das, weiß der Ranger, brauche eben Zeit. 

Nur echt mit HutMatthias Speck und seine Kollegen – ihr Markenzeichen sind die markanten Hüte – sind nicht beim Nationalpark Sauerland Rothaargebirge angestellt, sondern beim Landesbetrieb Wald und Holz und ansässig beim Forstamt Oberes Sauerland mit seinem Schwerpunkt Wald, Erholung, Touristik. Schulen und Kindergärten gehen ebenso mit den Rangern auf Tour wie Erwachsenengruppen, und die Nachfrage ist derzeit groß, in der Saison finden täglich Führungen statt. Der Naturpark hat eigene Führerinnen und Führer mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, arbeitet aber häufig mit den Rangern Hand in Hand. Infos unter www.naturpark-sauerland-rothaargebirge.de und rothaarsteig.de.
Autor:

Nicole Klappert

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