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SZ-Serie Fenster zum Hof
Schafe sind nicht nur zum Streicheln da

Christian Rogalski mit einem Lamm der Rasse Coburger Füchse. Diese genügsamen Tiere werden auch gern in der Landschaftspflege eingesetzt.
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  • Christian Rogalski mit einem Lamm der Rasse Coburger Füchse. Diese genügsamen Tiere werden auch gern in der Landschaftspflege eingesetzt.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Flammersbach. Der späte Februar und der März, das sind die Monate, in denen die Schafe lammen. Ein scharfer, eisiger Wind geht um die Ecken, als wir uns am Stall von Waldemar Lixfeld und Christian Rogalski in Flammersbach treffen. Die beiden haben zusammen eine Stallgemeinschaft, die sie im Nebenerwerb betreiben.

Links stehen Rogalskis Fuchsschafe, eine robuste und vor allem genügsame Rasse, um die er sich zusammen mit seinem Sohn Luis kümmert, rechts tummeln sich an der Heuraufe Lixfelds deutlich schwerere Suffolk-Schafe, eine Fleischrasse, wie er sagt. Auch Luis besitzt ein paar davon. Insgesamt leben in dem an einer Seite offenen Stall mit Blick auf eingezäuntes Weidegrünland rund zwei Dutzend erwachsene Tiere, zuzüglich der jüngsten Mitglieder der Herde, der Lämmer.

goeb Flammersbach. Der späte Februar und der März, das sind die Monate, in denen die Schafe lammen. Ein scharfer, eisiger Wind geht um die Ecken, als wir uns am Stall von Waldemar Lixfeld und Christian Rogalski in Flammersbach treffen. Die beiden haben zusammen eine Stallgemeinschaft, die sie im Nebenerwerb betreiben.

Links stehen Rogalskis Fuchsschafe, eine robuste und vor allem genügsame Rasse, um die er sich zusammen mit seinem Sohn Luis kümmert, rechts tummeln sich an der Heuraufe Lixfelds deutlich schwerere Suffolk-Schafe, eine Fleischrasse, wie er sagt. Auch Luis besitzt ein paar davon. Insgesamt leben in dem an einer Seite offenen Stall mit Blick auf eingezäuntes Weidegrünland rund zwei Dutzend erwachsene Tiere, zuzüglich der jüngsten Mitglieder der Herde, der Lämmer.
Deren Zahl kann sich bis Ende März jeden Tag ändern, denn die Mutterschafe gebären fleißig. Zwischen dem 20. Februar und dem 1. März sind elf Suffolks auf die Welt gekommen, und Rogalskis Coburger Füchse waren sogar noch fleißiger: „Bis jetzt 14 Lämmer“, bestätigt er nicht ohne Stolz. „Und da kommen noch welche.“

Besondere Aufmerksamkeit für Lämmer

In diesen Wochen haben die Schäfer nicht nur viel zu tun. Sie haben einen leichten Schlaf, wenn die Tiere lammen. „Meist klappt das alleine“, erläutert Lixfeld, „manchmal muss man aber auch Geburtshilfe leisten“. Nicht nur bei den Menschen gibt es Steißgeburten. Auf jeden Fall, bestätigt Christian Rogalski, bräuchten Mutterschafe und Lämmer in den ersten Tagen nach der Geburt entsprechende Aufmerksamkeit.

Viel zu tun im Frühjahr

Im Frühjahr kommt außerdem der Schafscherer. Da wird jede Hand im Stall gebraucht. Die Zäune müssen repariert und die Wiesen abgeschleppt werden. „Landwirtschaftliche Gene“ hätten sie beide, sagen sie. Aber in der Schafhaltung seien sie Quereinsteiger. Waldemar Lixfeld, heute Rentner, begann im Jahr 2002 ganz klein mit drei Mutterschafen aus dem Hunsrück. Christian Rogalski schaffte 2015 drei Fuchsschafe zur Pflege seiner Streuobstwiese an. Vor fünf Jahren fassten die beiden Freunde den Entschluss, den vorhandenen Stall umzubauen, um ihre Schafe im Winter gemeinsam zu halten. Überhaupt spielen Kooperation und Zusammenarbeit unter den Schafhaltern im Kreis Siegen-Wittgenstein eine große Rolle.
Lixfeld schwärmt von den Schäfer-Stammtischen, die jeweils an einem Sonntag von Januar bis April in verschiedenen Ställen stattfinden. „Ich habe da sehr von profitiert“, sagt er. Voll des Lobes spricht er auch von den Lehrgängen, die die beiden zum Einstieg bei der Landwirtschaftskammer gemacht haben. „Da wird viel geboten.“

Schafe für Felle, Milch und Fleisch

Doris Rogalski ruft ein Schaf herbei. Ja, gibt’s denn sowas?! „Ruth, komm mal her!“ Und tatsächlich: Ruth löst sich aus der Gruppe der Suffolks und holt sich ein Leckerli bei ihr ab. Die Unterhaltung kreist ein wenig um die Beziehung, die der Mensch zum Tier hat. „Bei aller Romantik“, betont Waldemar Lixfeld. „Die Tiere sind nicht nur zum Streicheln da. Wir sind ein landwirtschaftlicher Betrieb.“
Das verschweigt man auch den älteren Kindern aus dem Dorf nicht, die jetzt gern zum Stall kommen, um die flauschigen Lämmer anzuschauen und zu streicheln. Schafe hält man der Felle und Wolle wegen (die zurzeit übrigens fast nichts wert ist), eventuell wegen der Milch und um sie zu essen.

Kurzer Weg zum Schlachter

Hier wachsen sie nicht nur artgerecht auf, auch der Weg zum Schlachter in Niederdielfen ist kurz, und wenn Lamm im Herbst bei Lixfelds und Rogalskis auf den Tisch kommt oder Lamm im Gasthaus Klein drüben in Deuz auf der Speisekarte steht, hat man alles getan, um dem Tierwohl Genüge zu tun.
Wie die Rinderhalter in unserer Region, so bekommen auch die Schafzüchter den Klimawandel zu spüren. „Wir haben das komplette Winterfutter kaufen müssen“, winkt Rogalski ab. Es stammt aus Niederbayern. Da hat es noch genügend geregnet, während die Mahd hier bei uns eine Katastrophe gewesen ist. Die beiden Flammersbacher haben in ihrem Silo, das sie gebraucht in Ostfriesland gekauft haben, einen Kraftfutter-Vorrat. „Gentechnik-frei“, ergänzt Lixfeld.

Wolf wäre das Aus für kleine Schafbetriebe

Man merkt beim Besuch der kleinen Stallgemeinschaft, wie viel Freude ihnen die Nebenerwerbs-Landwirtschaft bereitet. Beide pflegen sie guten Kontakt zu den Hundehaltern der Gegend. Man kennt sich. Die Hundehalter haben nicht nur ein Auge auf den Stall, besonders die Flammersbacher sind auch daran interessiert, dass kein Hundekot auf dem Weideland für die Schafe verbleibt.
Mit Hunden kommt man klar. Aber mit dem Wolf? „Sehr intelligente Tiere“, wägt Lixfeld ab. Käme der Wolf, bedeutete es das Aus für die kleinen Schafbetriebe, ist auch Rogalski überzeugt. Schutzhunde, das ist allenfalls leistbar für Großbetriebe. Auch Elektrozäune böten keinen wirklichen Schutz vor ihnen. In Hachenburg sind jetzt sechs Schafe von einem Wolf gerissen worden. „Sicher, so eine Nachricht macht unter den Schafhaltern natürlich sofort die Runde“, berichtet Waldemar Lixfeld, und Christian Rogalski ergänzt: „Wir sind hier 150 Jahre ohne den Wolf ausgekommen. Meiner Meinung nach hat der Wolf hier bei uns keinen Platz.“ 

Kooperation im Kreisverband 84 Mitglieder (ca. 1400 Tiere) in über 20 Rassen, vom kleinsten Schaf der Welt, dem Ouessant-Schaf, bis zu den Fleischschafrassen (Texel, Suffolk u.a.m.), zählt zurzeit der Kreisverband der Schafhalter Siegerland und Umgebung. Die Schafhaltung läuft im Wesentlichen im Nebenerwerb oder in Hobbyhaltung. Vielfach werden Naturschutzflächen und Standorte beweidet, die für eine andere landwirtschaftliche Nutzung wenig bis gar nicht geeignet wären. Viele der alten Landschafrassen sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Neben den Vereinstätigkeiten wie Schäferstammtischen und Schäferfahrten bietet der Kreisverband einen gemeinsamen Kraftfuttereinkauf, Sammelbestellungen von Schafsnetzen, eine Wollannahmestelle sowie Fachvorträge. Der Verein mit Mitgliedern aus dem Siegerland, Wittgenstein, aus dem Wendener Land und angrenzendem Hessen unterhält außerdem in Netphen-Beienbach ein Futtersilo (4 Tonnen) für Kleinmengen.

Neue SZ-Serie Fenster zum Hof

Henner Braach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV):
In Alfred Hitchcocks Film „Fenster zum Hof“ beobachtet ein Mann seine Nachbarn sehr genau und entdeckt dabei Unerwartetes – genau das möchten wir in dieser Serie ermöglichen, mit der die Siegener Zeitung Ihnen in diesem Jahr einmal monatlich Einblicke hinter die Kulissen eines Bauernhofes gibt. Dafür bedanken wir uns schon im Voraus.

Dabei werden aber nicht wie im Film Verbrechen aufgedeckt, sondern es wird die Vielfalt der Betriebe im südlichen Südwestfalen gezeigt: Typisches, Altes, Neues und Kurioses spielt sich auf den Bauernhöfen ab, vieles kann man von außen sehen, so manches erschließt sich aber auch nicht auf den ersten Blick.
Wir haben gemeinsam mit der Siegener Zeitung einen bunten Blumenstrauß an Besonderheiten ausgesucht – vom kleinsten Hofladen im Kreis über das mutigste Startup bis hin zum seit Jahrhunderten vererbten Wissen um die Natur.
Bauern, die im Management einer Firma arbeiten und nachmittags Zäune reparieren und Schafe, Hühner oder Kühe füttern. Bäuerinnen, die mit viel Geschick und Know-how eine wertvolle Herde aufgebaut haben und Schulkindern erklären, woher die Milch kommt. Brandneue Zukunftstechnologien und uralte Erfahrung existieren nebeneinander. Regional, bio, vegan und Weltmarkt – im Sauer-, Sieger- und Wittgensteiner Land spiegelt sich die ganze Palette der Lebensmittelerzeugung wider.
Das erste Fenster öffnet Redakteur Andreas Goebel zum Stall von Osterlämmern in Wilnsdorf-Flammersbach.

Christian Rogalski mit einem Lamm der Rasse Coburger Füchse. Diese genügsamen Tiere werden auch gern in der Landschaftspflege eingesetzt.
Waldemar Lixfeld mit seinen Tieren. Im Februar und März werden die Lämmer geboren.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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