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Bürgerinitiative startet Online-Petition
Schutzlos gegen Lärm der A 45?

Der Autobahnausbau auf sechs Spuren einschließlich der Erneuerung aller Brücken kann nach Ansicht der BI Lärmschutz A 45 Wilnsdorf nur gelingen, wenn alle Ortschaften mit Lärmschutzmaßnahmen gesichert werden. Für Obersdorf fehlt noch eine konkrete Zusage, die Online-Petition soll an der Stelle Druck erzeugen.
  • Der Autobahnausbau auf sechs Spuren einschließlich der Erneuerung aller Brücken kann nach Ansicht der BI Lärmschutz A 45 Wilnsdorf nur gelingen, wenn alle Ortschaften mit Lärmschutzmaßnahmen gesichert werden. Für Obersdorf fehlt noch eine konkrete Zusage, die Online-Petition soll an der Stelle Druck erzeugen.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

mir Obersdorf/Rinsdorf. Seit 1998 findet jedes Jahr im April ein „Tag gegen den Lärm“ statt, heute wieder. Die Autobahn GmbH des Bundes hat dazu eine im März in Kraft getretene Richtlinie erläutert: „Die Vorgaben wurden so verändert, dass der Schutz des Menschen verbessert wird“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH.

Auch mit Einführung der neuen Richtlinie RLS-19 wird Lärm berechnet und nicht gemessen. „Nur durch eine Berechnung können wir vergleichbare Ergebnisse ermitteln und eine Gleichbehandlung aller Bürger gewährleisten“, so Kirsten Peveling, Bauingenieurin im Bereich Planung und Lärmschutz bei der Autobahn Westfalen in Hamm.

mir Obersdorf/Rinsdorf. Seit 1998 findet jedes Jahr im April ein „Tag gegen den Lärm“ statt, heute wieder. Die Autobahn GmbH des Bundes hat dazu eine im März in Kraft getretene Richtlinie erläutert: „Die Vorgaben wurden so verändert, dass der Schutz des Menschen verbessert wird“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH.

Auch mit Einführung der neuen Richtlinie RLS-19 wird Lärm berechnet und nicht gemessen. „Nur durch eine Berechnung können wir vergleichbare Ergebnisse ermitteln und eine Gleichbehandlung aller Bürger gewährleisten“, so Kirsten Peveling, Bauingenieurin im Bereich Planung und Lärmschutz bei der Autobahn Westfalen in Hamm. Die Autobahn Westfalen investiert nach eigenen Angaben fast 20 Millionen Euro jährlich in den Lärmschutz.

"So kann es nicht weitergehen"

Die Berechnungsgrundlagen sollen grundsätzlich vom schlechtesten Fall für die Anlieger ausgehen. Das bedeutet: Wind weht in der Theorie immer von der Autobahn in Richtung Bebauung. Geändert worden seien Berechnungsgrundlage und Auslösewerte, die den Bau von Lärmschutzanlagen nach sich zögen. „Hier werden wir in Zukunft mehr Maßnahmen umsetzen“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek, „weil mehr Menschen einen Anspruch auf Lärmschutz haben.“

Genau an dem Punkt haben die Menschen im Großraum Wilnsdorf/Rinsdorf/Obersdorf massive Zweifel. Klaus Grünebach ist einer von ihnen, er hat den Vorsitz in der Bürgerinitiative Lärmschutz A 45 Wilnsdorf: „Wir starten ab Mittwoch eine Unterschriftensammlung gegen den Lärm von der Autobahn A 45. Die Aktion soll münden in eine Online-Petition, die wir an NRW-Verkehrsminister Wüst richten werden: So kann es nicht weitergehen, Obersdorf wird beim Autobahnausbau total vergessen.“

Fakt ist laut Autobahn GmbH: Wird eine Autobahn auf sechs Spuren ausgebaut (wesentliche Änderung der Straße), falle das Projekt unter die sogenannte Lärmvorsorge, die auch bei Neubauprojekten das Maß der Dinge sein soll.

In Obersdorf sind nicht allein die Straßen im Neubaugebiet „Hühnerbalz“ vom Autobahnlärm tangiert, „auch andere Straßen weiter oberhalb sind betroffen, weil der Wind den Lärm aus dem Tal nach oben trägt“.

Grünebach weiß, dass in einigen Wochen das Offenlegungsverfahren für den Autobahnausbau starten soll. An dem Verfahren will die Bürgerinitiative aktiv teilnehmen: „Man kann sich nicht alles gutrechnen, lieber sollte die Autobahn GmbH Geld in die Hand nehmen und es einmal richtig machen.“ Grünebach hat kein Verständnis, dass auf der Talbrücke Eisern nur zur Eiserner Seite hin Lärmschutz installiert werden soll, nicht aber nach Norden in Richtung Obersdorf.

Nach der neuen Richtlinie sollen die Grenzwerte schneller erreicht. „Die Verkehrszusammensetzung wird anders bewertet, auch die lärmmindernde Wirkung des Straßenbelages wird getrennt nach Pkw, Lkw und Geschwindigkeit betrachtet“, so Peveling. Für offenporigen Asphalt („OPA“) werden jetzt für Pkw nur noch 4,5 dB(A) und für Lkw 4,4 dB(A) angesetzt. Auch der Verkehr wird unterschieden. Vor allem Lkw ab 60 km/h gelten als relevante Schallquelle.

Wilden könnte Probleme bekommen

Die Konsequenz der neuen Richtlinie werde zum einen der vermehrte Bau von Lärmschutzwänden oder -wällen sein, zum anderen der zurückhaltendere Einsatz des „OPA“-Belages. In einem lärmmindernden Splitt-Mastix-Asphalt sieht Elfriede Sauerwein-Braksiek eine gute Alternative. „Dieser Belag ist weitaus haltbarer, und wir haben somit weniger Baustellen im Netz.“

Noch ein Problem: Den Verlust ganzer Wälder entlang der Autobahn durch Corona-bedingte Abholzungen bewertet Klaus Grünebach als negative Begleiterscheinung. Dadurch ergäben sich zusätzliche Lärmschneisen. Größere Probleme wegen des Autobahnlärms sieht er in der Zukunft für den Wilnsdorfer Ortsteil Wilden. Durch den Entwurf des neuen Regionalplans könne es zur Ausweitung von Naturschutzflächen kommen, die wiederum für den Bau von Lärmschutzmaßnahmen nicht mehr zur Verfügung stehen könnten: „Wilden bekommt in der Zukunft ein Problem“, glaubt Grünebach.

Vom Autobahnausbau profitieren wird aller Wahrscheinlichkeit nach Rinsdorf. Ortsvorsteher Gerhard Moos ist zuversichtlich, „wir bekommen einen besseren Lärmschutz“. Aber Rinsdorf steht in Solidarität fest zu den Nachbarn Obersdorf und Wilden; „Dass den Obersdorfern an der Talbrücke kein Lärmschutz zugestanden werden soll, versteht keiner“, sagt Moos aus Überzeugung.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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