»Sie haben ein besonders schönes Hobby«

In der Festhalle Wilnsdorf fand gestern Morgen die 15. Zentrale Jubilarehrung des Sängerkreises Siegerland, einem »Mekka des Chorgesangs«, statt

zel Wilnsdorf. »Siegerland und Wittgenstein sind ein Mekka des Chorgesangs«, stellte der Schirmherr der 15. Zentralen Jubilarehrung, Landrat Paul Breuer, in der Festhalle Wilnsdorf fest. »Wir können stolz sein, dass es Menschen gibt, die lange Jahrzehnte dabei sind. Sie sind das Rückgrat eines solchen Sänger-Mekkas.« 160 Jubilare durften gestern Morgen ihre Ehrungen für fünf- bis 70-jährige aktive Sängertätigkeit sowie für Verdienste in der Vorstandsarbeit in Empfang nehmen – und eine rote Rose gab es auch dazu. Hermann Otto, Vorsitzender des Sängerkreises Siegerland (SKS) und Präsident des Sängerbundes NRW, freute sich über das zahlreiche Erscheinen der verdienten Sänger: »Die zentrale Jubilarehrung ist ein Highlight, das ich mir immer gewünscht habe.«

Zahlreiche Ehrengäste, darunter Bürgermeister der Region oder ihre Stellvertreter, der Bundestagsabgeordnete Willi Brase, die ehemalige Bundestagabgeordnete Helga Daub, die ehemalige Siegener Bürgermeisterin Hilde Fiedler und ihr Nachfolger Karl Wilhelm Kirchhöfer, waren in der Festhalle zugegen, um den Sängern ihre Ehre zu erweisen. Otto erinnerte in seiner Begrüßung an die Fußball-WM im Sommer, bei der viel gesungen worden sei – und das sei das Gesündeste, das ein Mensch für sich tun kann: »Singen hält Körper, Geist und Seele auf Trab.« Auch die jungen Leute hätten das Singen für sich wiederentdeckt ––nur seien sie (noch!) nicht in den Traditionschören zu finden. Doch da ist Hermann Otto nicht bange. Immerhin sind in »seinem« SKS 4357 Sängerinnen und Sänger aktiv, davon 245 Kinder bis 14 Jahre und 253 Jugendliche (14 bis 26 Jahre).

Wenn man das Repertoire ein wenig verändere, könne man auch junge Menschen begeistern, meinte der Wilnsdorfer Bürgermeister Werner Büdenbender. Der »Hausherr« der Festhalle bezog sich damit auf die Vorträge des Männerchores 1888 Wilnsdorf, der zuvor neben Franz Biebls »Wir lieben sehr im Herzen« zwei englische Titel unter der neuen Leitung von Chordirektor FDB Thomas Bröcher gesungen hatte. Büdenbender bezeichnete den Chorgesang als besonders schönes Hobby, das nicht nur Selbstzweck, sondern auch gesellschaftspolitisches Engagement sei. Er wies auf die neue Bürgerstiftung in Wilnsdorf hin, die sich auch für den Chorgesang im Ort engagieren will, um eine gesunde finanzielle Basis für die Chöre zu schaffen.

Eine Unterstützung für Chöre, die mit frischen Ideen vor allem jungen Leuten das Singen in der Gemeinschaft ermöglichen wollen, hat Paul Breuer im vergangenen Jahr mit dem Ehrenamtspreis ProChor ins Leben gerufen. Auch in diesem Jahr werde der Preis wieder verliehen, sagte der Landrat in seinem Grußwort. Es sei der Spaß am Gesang, der die Jubilare jede Woche in die Proben gebracht habe, der Spaß daran, neue Projekte zu entwickeln und mit Gleichgesinnten zusammenzusein sowie mit dem Gesang die eigene Identität zu prägen ––»herrlich, dass das so ist«, fand Breuer und bedachte Hermann Otto mit einem finanziellen »Flachgeschenk«.

Die Laudatio auf die Jubilare, deren Namen wir bereits in unserer Samstagsausgabe veröffentlicht haben, hielt der ehemalige Landtagsabgeordnete Loke Mernizka, der nach eigenen Angaben kein Chor- sondern ein individueller Sänger ist, was er gelegentlich zur Freude des Publikums unter Beweis stellte. Dank und Anerkennung verdiene die große Einsatzbereitschaft zur Pflege des Chorgesangs über Jahrzehnte hinweg, die auch Pflege des (Volks-)lieds und des Kulturguts sei. »Im Mozartjahr Jubiläum zu feiern, ist schon etwas Besonderes«, sagte er in Richtung der Jubilare und wies mit gesungenen Klangbeispielen auf die Bedeutung des Geburtstags- und Wunderkinds hin.

Für alle Jahreszeiten hatte Mernizka Lieder im Köcher. Er bat darum, heimatlos gewordene Chorsänger aufzunehmen (wenn sich Chöre auflösen müssen) und schloss mit der Motivation der Sänger, allen Nachbarn, Arbeitskollegen und Bekannten den Inhalt des Mottos »Sing und Du bist gut drauf« zu vermitteln: »Dann ist der Chorgesang auch hier in der Region gesichert.«

Aus den Händen von Hermann Otto und Loke Mernizka nahmen die Jubilare in zwei großen Gruppen ihre Ehrungen in Empfang, natürlich begleitet von viel Musik. Die für 60 Jahre aktives Singen geehrten Männer sangen unter der Leitung von Bruno Kneppe spontan und mit Unterstützung des Publikums »Am kühlenden Morgen«, der Kinderchor des Weißtaler MGV Niederdielfen 1924 unter der Leitung von Stephanie Kölsch hatte zwei schöne und witzige Lieder parat. Als dritter Chor gestaltete der GV Glück Auf Anzhausen unter der Leitung von Chordirektor FDB Matthias Fischer die Jubilarehrung mit. Begonnen hatte sie mit einem Streichquartett des Gymnasiums Wilnsdorf (Leitung: Angelika Swirinski-Kölsch) und einer »Kleinen Lachmusik« aus 21 verschiedenen Musikstücken. »Come together«, das Lied des Sängerbundes NRW, sollte die Feier beschließen.

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