Struktur-Debatte hinterließ Wunden

Struktur- und Leitbildausschuss löste sich nach »Kommunikationsproblemen« selbst auf

sob Wilgersdorf. Beschlüsse zu fassen ist die eine Sache, sie umzusetzen eine andere. Diese leidvolle Erfahrung musste gestern auch die Synode des Kirchenkreises Siegen machen. Intern hinterließ diese Erkenntnis Wunden persönlicher Betroffenheit, die in der Selbstauflösung des Struktur- und Leitbildausschusses sichtbar werden.

Dessen Vorschläge, die auf ein besseres Krisenmanagement und auf eine Optimierung innerkirchlicher Strukturen abzielten, hatte die Synode im November 2001 beraten und verabschiedet. Bei der Umsetzung der Vorschläge gab es dann aber Probleme. Wo es im Detail hakte, kam gestern nicht zur Sprache. Offenkundig erwies sich die gemeinsame Arbeit von Strukturausschuss und Kreissynodalvorstand (KSV) als wenig zielführend. Da war von Kommunikationsproblemen die Rede, aber auch von Kompetenzen und »Macht«. Als nicht lösbares Problem erwies sich die Tatsache, dass zwei Institutionen mit unterschiedlicher Zielsetzung bei einer Veränderung von Strukturen zusammenwirken sollten, in die sie selbst fest eingebunden sind.

Fakt ist: Beide Seiten, Ausschuss und Synodalvorstand, befanden, dass man die Sache gemeinsam nicht zu einem guten Ende bringen kann. Der Ausschuss zog die Konsequenzen und beschloss am 30. Oktober dieses Jahres seine Selbstauflösung. Die erforderliche Bestätigung dieses Auflösungsbeschlusses durch den KSV steht aus.

Auch wenn der Ausschuss-Vorsitzende, Krankenhausseelsorger Günter Jochum, gegenüber der Synode verkündete: »Innerlich lächele ich«, war in seiner Rede eine Portion Verbitterung nicht zu überhören. Wenig schmeichelhaft sprach er den Synodalvorstand und den Superintendenten mit einem Gleichnis direkt an: »Da versucht jemand, sich ein Bild von sich zu verschaffen, und blickt in den Spiegel. Was er sieht, gefällt ihm nicht. Da ist er sauer auf den Spiegel, hängt ihn ab und begibt sich auf die Suche nach einem neuen Spiegel.« Zugleich erklärte aber auch Jochum: »Die Entscheidung des Kreissynodalvorstands, die Strukturveränderungen zur Chefsache zu erklären, ist richtig.«

Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng (Martini-Kirchengemeinde Siegen) sah in der Entscheidung, den Struktur- und Leitbildausschuss nicht mehr beratend an der Entscheidungsfindung im Kreissynodalvorstand teilhaben zu lassen, einen Widerspruch zu den öffentlichen Lobreden: Wenn der Synodalvorstand einerseits seine Wertschätzung für die Arbeit des Ausschusses bekunde und andererseits erkläre, künftig nicht mehr von ihm beraten werden zu wollen, »dann beißt sich das«. Allerdings räumte auch die Pfarrerin, zugleich stellv. Vorsitzende des Ausschusses, ein: Bei der Arbeit »ist deutlich geworden, dass wir Beratung von außen brauchen. Die kann die Strukturen kritischer ansehen als wir.«

Und der Superintendent? Dem kam es nach eigenem Bekunden bei dem bislang verfolgten Weg so vor, als sitze er »zwischen zwei Stühlen«. Für ihn sei klar, dass er als Superintendent selbst betroffen ist von den Strukturen, deren Änderung angestrebt werde: »Dazu ist eine auswärtige Beratung vonnöten«, so Friedemann Hillnhütter. Im Übrigen, so nahm er Bezug auf Jochums Spiegel-Bild, »habe ich keinen Spiegel in meinem Haus, der nicht die Wahrheit darüber sagt, wie ich aussehe.«

Der »neue Spiegel«, das ist in dem Jochum-Bild ein externes Beratungsbüro, das nach dem Wunsch des Synodalvorstands an der Neustrukturierung des Zusammenwirkens von Ausschüssen, Synodalvorstand und Kreiskirchenamt arbeiten soll. Zumal die zu leistende Arbeit nebenbei einfach nicht zu machen sei.

Wie es weitergeht, so kam die Synode letztlich überein, soll erst bei der Sommersynode kommenden Jahres entschieden werden. Bis dahin hat der Synodalvorstand Zeit, einen Vorschlag zu unterbreiten, wie der Beratungsprozess weitergeführt werden soll und ob dafür Haushaltsmittel zu veranschlagen sind. Aufgabe der Sommersynode wird es überdies sein, über den Fortbestand des Struktur- und Leitbildausschusses zu befinden. In der Praxis wird dies wohl bedeuten, dass die Arbeit dieses Ausschusses zumindest vorerst »ruht«.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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