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Naturschutzbeirat gegen Windkraft- und Photovoltaik-Projekte
Tadel für die Planer

Auf der Gernsbacher Höhe plant die Fa. Juwi den Bau von drei Windkraftanlagen. Die beauftragten Gutachter kommen zu ganz anderen Ergebnissen als der Naturschutzbeirat des Kreises. Dessen Fachleute beraten den Kreis in vielen Planungsfragen.
  • Auf der Gernsbacher Höhe plant die Fa. Juwi den Bau von drei Windkraftanlagen. Die beauftragten Gutachter kommen zu ganz anderen Ergebnissen als der Naturschutzbeirat des Kreises. Dessen Fachleute beraten den Kreis in vielen Planungsfragen.
  • Foto: Kay-Helge Hercher
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

goeb Gernsdorf/Siegen. Von einem „grünen Dilemma“ spricht die Vorsitzende des Naturschutzbeirats des Kreises Siegen-Wittgenstein, Prof. Dr. Klaudia Witte, mit Blick auf zwei Standorte in der Region, an denen „erneuerbare Energie“ gewonnen werden soll: drei zwischen 220 und 245 Meter hohe Windenergieanlagen (WEA) auf der Gernsbacher Höhe südöstlich von Gernsdorf sowie die knapp 1 Hektar große geplante Photovoltaikanlage in der Nähe des Autobahn-Zubringers bei Gosenbach.
Natur leidet – nicht zu knappEin Dilemma ist es deswegen, weil Deutschland seine schonend produzierte Strommenge drastisch erhöhen muss. Gleichzeitig soll die Natur nicht leiden. Das tut sie in diesen Fällen nach Auffassung des Beirats aber, und zwar nicht zu knapp.
Es gibt Alternativen
beim Standort.

goeb Gernsdorf/Siegen. Von einem „grünen Dilemma“ spricht die Vorsitzende des Naturschutzbeirats des Kreises Siegen-Wittgenstein, Prof. Dr. Klaudia Witte, mit Blick auf zwei Standorte in der Region, an denen „erneuerbare Energie“ gewonnen werden soll: drei zwischen 220 und 245 Meter hohe Windenergieanlagen (WEA) auf der Gernsbacher Höhe südöstlich von Gernsdorf sowie die knapp 1 Hektar große geplante Photovoltaikanlage in der Nähe des Autobahn-Zubringers bei Gosenbach.

Natur leidet – nicht zu knapp

Ein Dilemma ist es deswegen, weil Deutschland seine schonend produzierte Strommenge drastisch erhöhen muss. Gleichzeitig soll die Natur nicht leiden. Das tut sie in diesen Fällen nach Auffassung des Beirats aber, und zwar nicht zu knapp.

Es gibt Alternativen
beim Standort.
Diese Positionierung
unterstütze ich jedenfalls nicht.
Prof. Dr. Klaudia Witte
zur Windkraft in Gernsdorf

Erstaunlich ist, dass die Wissenschaftlerin bei ihrer Einschätzung zu den WKA zu ganz anderen Ergebnissen gelangt als die eingesetzten Gutachter. „Dass wir auf der Gernsbacher Höhe saures Silikatgestein haben, dessen Milieu durch basischen Beton für die Fundamente der Türme völlig durcheinandergebracht wird, ist da mit keinem Wort erwähnt.“ Auch beim Thema Fundamente-Rückbau: Fehlanzeige.

„Hotspot der Biodiversität“

Während die Gutachter keine Beeinträchtigung der Tier- und Pflanzenwelt voraussehen – immerhin liegt das einzigartige Naturschutzgebiet Gernsdorfer Weidekämpe in der Nachbarschaft –, spricht Witte von einem „Hotspot der Biodiversität“ mit 57 Vogelarten, „davon 19 planungsrelevanten“. Witte: „Es gibt Alternativen beim Standort. Diese Positionierung unterstütze ich jedenfalls nicht.“
Daumen runter heißt es sinnbildlich auch für die Photovoltaikanlage Rothenberg an der A 45 vonseiten des Naturschutzes. Klaudia Witte vermutet, dass auch hier schützenswerte Pflanzengesellschaften siedeln, beispielsweise der Große Wiesenknopf. Außerdem wird das Vorkommen mancher Fledermausarten vermutet. „Bei der Erfassung der Arten müsste viel genauer geschaut werden“, brachte Witte vor. Wegen des kalten Frühjahrs 2021 habe bei der Begehung im Mai nichts herauskommen können. „Die Botanik war ja viel zu weit zurück.“

Öfter mal nach Alternativen schauen

Beiratsmitglied Markus Fuhrmann (Naturschutzbund) nannte die fachliche Anlage zum Projekt lächerlich. „Das sind 170 nichtssagende Seiten, die irgendwo abgeschrieben worden sind“, ätzte er. „Da kann man nur froh sein, dass es sich um ein Planungsvorstadium handelt.“ Die Biologin Klaudia Witte befürwortet PV-Anlagen zwar allgemein. „Aber es gibt so viele geeignete Flächen, zum Beispiel auf den Dächern von Einkaufszentren oder an Lärmschutzwänden der Autobahn. Das muss nicht auf die Wiese.“
Behördlicherseits müsste dafür der Flächennutzungsplan geändert werden, aus einer Landwirtschaftsfläche würde eine Sonderbaufläche. Die Stadt Siegen wäre ferner gehalten, den Bebauungsplan zu ändern. Hoher Aufwand also.
Während die Windkraftanlagen bei Gernsdorf schwer zu stoppen sind, weil sie als „privilegierte Vorhaben“ sozusagen auf der linken Spur der Planungsautobahn reisen, dürften Einwender (der Naturschutzbeirat ist nur einer davon) bei der PV-Anlage bessere Karten haben.

Gutachten und Schlechtachten
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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