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Dr. Kermani aus Wilnsdorf sammelte Spenden
Türkei blockierte die Hilfslieferung nach Syrien

Der Verein „Barada Syrienhilfe“ verteilte die Hilfsgüter, die im Flüchtlingscamp in Idlib angekommen waren.
  • Der Verein „Barada Syrienhilfe“ verteilte die Hilfsgüter, die im Flüchtlingscamp in Idlib angekommen waren.
  • Foto: "Liebe im Karton"
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Wilnsdorf/Idlib. Kisten und große Tüten stapelten sich in der Praxis und im Wohnhaus von Dr. Hamid Kermani im März dieses Jahres. Der Arzt aus Wilnsdorf hatte dazu aufgerufen, Spenden für das „Kultur- und Hilfswerk Avicenna“ zu sammeln, um Flüchtlingen in Idlib (Syrien) zu helfen. Kleidung, Schuhe, Decken, Hygieneartikel, Spielzeug und vieles mehr brachten die Bürger der Wielandkommune zu dem Mediziner (die SZ berichtete). Auch die Vorsitzenden des Vereins Dr. Khalil Kermani und dessen Frau Dr. Bita Kermani sammelten in ihrer Arztpraxis in Köln. Dass sich die Reise der Hilfsgüter schwierig gestalten könnte, davon war Dr.

sp Wilnsdorf/Idlib. Kisten und große Tüten stapelten sich in der Praxis und im Wohnhaus von Dr. Hamid Kermani im März dieses Jahres. Der Arzt aus Wilnsdorf hatte dazu aufgerufen, Spenden für das „Kultur- und Hilfswerk Avicenna“ zu sammeln, um Flüchtlingen in Idlib (Syrien) zu helfen. Kleidung, Schuhe, Decken, Hygieneartikel, Spielzeug und vieles mehr brachten die Bürger der Wielandkommune zu dem Mediziner (die SZ berichtete). Auch die Vorsitzenden des Vereins Dr. Khalil Kermani und dessen Frau Dr. Bita Kermani sammelten in ihrer Arztpraxis in Köln. Dass sich die Reise der Hilfsgüter schwierig gestalten könnte, davon war Dr. Hamid Kermani ausgegangen, aber dass sie sich als Tortur erweisen würde, bei der am Ende nur der Inhalt von knapp zwei statt fünf Containern in Idlib ankommen würde, hatte er nicht vermutet.

Fünf Container mitten in der Corona-Krise auf der Reise

Für den Transport der Spenden nach Syrien hatte sich Avicenna unter anderem mit dem Hilfsprojekt „Liebe im Karton“ aus Würzburg zusammengetan. Dessen Leiter Tobias Winkler übernahm die Organisation in Kooperation mit dem Verein „Barada Syrienhilfe“. „Das sind die Profis, die sich um den Zoll und die Verteilung kümmern“, so Winkler. Die fünf Container traten den langen Weg von Deutschland über das Meer zu ihrem Zielort an – mitten in der Corona-Krise. Während des Lockdowns die Ernüchterung: „Es ging nicht weiter. Die Türkei hatte ihre Zollbestimmungen geändert“, erklärt Winkler. Offiziell seien aufgrund der Hygiene- und Coronamaßnahmen die Hilfslieferungen nach Syrien im Hafen von Mersin festgehalten worden. „Sämtliche Waren für Syrien wurden blockiert. Das waren 300 Container.“ Für die Hilfsorganisationen, die auch auf Geldspenden angewiesen sind, ging es weder vor noch zurück. Für jeden Container, die mehrere Wochen im Hafen standen, sollten Avicenna und „Liebe im Karton“ umgerechnet etwa 85 Euro pro Tag an Standgebühren zahlen. „Das kann sich keiner von uns leisten.“

Kein Nachweis vom Türkischen Roten Halbmond

Winkler reagierte, wandte sich an die Öffentlichkeit, an Abgeordnete des Bundestages und des Europaparlaments und an die Botschaft. Ihnen seien die Hände gebunden gewesen, sagt Winkler: „Wir konnten froh sein, dass überhaupt jemand zugehört hat.“ Die Standgebühren in Höhe von mehreren 1000 Euro allerdings stornierte die Reederei in Hamburg, die das Geld bekommen hätte. „Die kamen uns entgegen. Wir wollten ja helfen, das wussten alle.“
Trotzdem ging es nur schleppend voran: „Man kann nicht groß aktiv werden, weil man nichts gefährden will“, erklärt Winkler zur Vorgehensweise. Damit überhaupt Hilfsgüter nach Syrien kommen, ließ man sich auf einen „Deal“ ein. Ein Teil der Ware sollte dem Türkischen Roten Halbmond übergeben werden. „Das war die einzige Lösung in diesem Moment. Dann bleibt ein Teil in der Türkei, das ist okay“, sei der Gedanke gewesen. Aber: „Bis heute haben wir keinen Nachweis, dass die Waren beim Türkischen Roten Halbmond angekommen sind.“

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen"

Es war nicht einmal mehr die Hälfte an Hilfsgütern, die Idlib im Juni erreichten. Teams von „Barada Syrienhilfe“ übergaben die Spenden an die Flüchtlinge, darunter viele Kinder. Winkler ist etwas ernüchtert über den Ausgang, aber: „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir mussten eine Lösung finden. Und ob einem armen Kind in der Türkei oder in Syrien geholfen wird, ist egal.“ Für Syrien ist er momentan allerdings nicht mehr aktiv. „Das ist brutal, was da gelaufen ist“, zieht Winkler sein Fazit.
Dr. Khalil Kermani ist sich sicher: „Die Spenden werden Menschen helfen, wo auch immer.“ Und auch sein Bruder Dr. Hamid Kermani freut sich darüber, dass, wenn auch über Umwege, notwendige Dinge zum Leben in Idlib angekommen sind.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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