Verstorbene zurückgeben in die Hände Gottes

Synode für Erhalt des Friedhofs- und Bestattungszwangs

sob Wilgersdorf. Die Asche des Verstorbenen in der Urne neben dem Alpenveilchen auf der Fensterbank? Oder die Asche gar im Garten verstreut, den der Verstorbene zu Lebzeiten so innig gepflegt hat? Eine Vorstellung, die die Synode des Kirchenkreises Siegen nicht Wirklichkeit werden lassen möchte. Mit großer Mehrheit unterstützte das Gremium gestern eine Erklärung der Synode der Ev. Kirche von Westfalen zum Entwurf des nordrhein-westfälischen Bestattungsgesetzes. In der Stellungnahme wird zwar die Erarbeitung eines solchen Gesetzes begrüßt, gleichzeitig werden aber »erhebliche Einwände gegen Teile des Gesetzentwurfs« vorgebracht. In dem Gesetzentwurf, so erläuterte Pfarrer Christoph Meyer (Eiserfeld), werde nämlich der bisherige Friedhofs- und Bestattungszwang aufgehoben.

Besonderer Stein des Anstoßes aus synodaler Sicht: Wenn es erlaubt werde, die Asche Verstorbener den Angehörigen zu übergeben, dann sei dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Nicht nur, dass Angehörige – wie in einem Spielfilm zu sehen – späte »Rache« an einem ungeliebten Familienmitglied nehmen könnten, auch bei Sozialbestattungen sei zu befürchten, dass allein der Kostenaspekt über die Frage des Verbleibs der sterblichen Überreste entscheide.

Die Position der Synode zielt auf die Beibehaltung des Friedhofs- und Bestattungszwangs: Der Tod sei ebenso wie Geburt und Eheschließung ein öffentliches Ereignis, und die Totenruhe lasse sich am besten auf öffentlichen Friedhöfen sicher stellen. Verstorbene würden mit der Beerdigung auch materiell in Gottes Hände zurückgegeben. So werde deutlich, dass Menschen nicht über ihre Mitmenschen verfügten. Auch sei es für die Hinterbliebenen hilfreich, einen öffentlich zugänglichen Ort der Trauer und des Gedenkens zu haben. Aus diesem Grund treten die Synodalen auch dafür ein, Totgeburten würdig zu bestatten.

Auch wenn die Synode (rund 200 Mitglieder) den Beschluss bei nur acht Gegenstimmen fasste, gab es auch eine andere Sicht der Dinge. Presbyterin Ulrike von Bünau (Weidenau) berichtete von einem verstorbenen kanadischen Verwandten, dessen Asche von den Angehörigen an seinem Lieblingsplatz verstreut worden ist. Die Presbyterin: »Ich sehe darin überhaupt nichts Unwürdiges.« Und ihr Presbyter-Kollege Hans-Martin Wahler aus der Siegener Martini-Kirchengemeinde befand angesichts der synodalen Bedenken: »Wir müssen uns den Vorwurf machen lassen, dass wir Lobbyisten unterstützen, die profitieren.«

Die Siegener Position soll nicht nur in einem Papier aktenkundig werden, sondern man sucht auch den Kontakt zu den heimischen Landtagsabgeordneten. Wie Synodalassessorin Annette Kurschus berichtete, wird das Thema mit den Landtagsabgeordneten und Bestattungsunternehmern auf der Pfarrkonferenz am 15. Januar Gesprächsgegenstand sein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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