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Homeschooling für Erstklässler
Vom Opernsänger zum Lehrer

Wann wieder ein geregelter Schulbetrieb möglich sein wird, vermag nach wie vor niemand wirklich abzusehen – Homeschooling ist der Begriff der Stunde. Auch im Hause Schöler gilt es, Sohnemann Niklas daheim zu unterrichten. Der Siebenjährige besucht die 1. Klasse und muss entsprechend elementar wichtige Grundlagen für seine weitere Laufbahn vermittelt bekommen.
  • Wann wieder ein geregelter Schulbetrieb möglich sein wird, vermag nach wie vor niemand wirklich abzusehen – Homeschooling ist der Begriff der Stunde. Auch im Hause Schöler gilt es, Sohnemann Niklas daheim zu unterrichten. Der Siebenjährige besucht die 1. Klasse und muss entsprechend elementar wichtige Grundlagen für seine weitere Laufbahn vermittelt bekommen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Wilnsdorf. Das allererste Schuljahr – für Kinder und Eltern der Start in einen vollkommen neuen Lebensabschnitt. Die Zeit in der Kita ist vorüber; jetzt gilt es, dem Nachwuchs Schreiben, Lesen und Rechnen beizubringen sowie das nicht minder wichtige richtige Sozialverhalten mit auf den Weg zu geben. Hinter dem siebenjährigen Niklas Schöler aus Wilnsdorf liegen aufregende Monate, ehe die Corona-Pandemie auch den Erstklässler aus der Wielandkommune jäh stoppte. Jetzt sind Mama und Papa gefragt: Sandra und Kai Uwe Schöler schlüpfen plötzlich in die Rolle von Pädagogen, müssen ihrem Sprössling weitere Kenntnisse in Deutsch und Mathe vermitteln.

cs Wilnsdorf. Das allererste Schuljahr – für Kinder und Eltern der Start in einen vollkommen neuen Lebensabschnitt. Die Zeit in der Kita ist vorüber; jetzt gilt es, dem Nachwuchs Schreiben, Lesen und Rechnen beizubringen sowie das nicht minder wichtige richtige Sozialverhalten mit auf den Weg zu geben. Hinter dem siebenjährigen Niklas Schöler aus Wilnsdorf liegen aufregende Monate, ehe die Corona-Pandemie auch den Erstklässler aus der Wielandkommune jäh stoppte. Jetzt sind Mama und Papa gefragt: Sandra und Kai Uwe Schöler schlüpfen plötzlich in die Rolle von Pädagogen, müssen ihrem Sprössling weitere Kenntnisse in Deutsch und Mathe vermitteln. Keine leichte Aufgabe, zumal Sohnemann Jonas mit seinen drei Jahren fest entschlossen scheint, dafür zu sorgen, dass im Hause Schöler auch ja keine Langeweile aufkommt. „Er ist ein richtiger Feger“, lächelt Kai Uwe Schöler. Ernster fügt der 39-Jährige hinzu: „Wir stehen jetzt 24 Stunden in der Verantwortung. Hilfe und Besuch von den Großeltern fällt ja auch weg.“

Situation bringt Familie Schöler an ihre Grenzen

So schön die gemeinsame Zeit mit der Familie auch ist, die gegenwärtige Lage bringt die Schölers an ihre Grenzen. Viel ist in diesen Tagen von Homeschooling die Rede, Kinder sollen gemeinsam mit Eltern oder großen Geschwistern den Lernstoff in den eigenen vier Wänden erarbeiten. Besonders mit einem Erstklässer stellt das die Eltern vor eine echte Herausforderung, „schließlich ist das existenziell für den weiteren Lebensweg“, stellt Kai Uwe Schöler klar. Das Alphabet habe Sohn Niklas in der Schule bereits durchgenommen, nun gehe es um Buchstabenkombinationen, und in Mathe sollten sich die Kenntnisse bald über den Zehnerraum hinaus bewegen.

Ein Stückchen Normalität

Es fehlt das didaktische Rüstzeug

Die Voraussetzungen für den Erfolg im „Homeoffice“ des Grundschülers könnten schlechter sein, Papa Kai Uwe ist Musikdirektor und studierter Opernsänger, Mama Sandra in der Verwaltung der Universität Siegen tätig. Vieles könne man spielerisch lösen, manche Unterrichtsinhalte etwa auf dem musikalischen Wege vermitteln. Und doch: Niklas enorm wichtige Inhalte zu vermitteln, das fällt Nicht-Pädagogen ohne jedes didaktische Rüstwerkzeug eben doch recht schwer.
Zumal die Begleitumstände die Angelegenheit nicht gerade einfacher machen. Verständlich, dass Niklas’ Konzentration merklich leidet, wenn Brüderchen Jonas durch die Wilnsdorfer Wohnung tobt oder sich beim besten Frühlingswetter der vergangenen Wochen schon mächtig auf der Terrasse auslebt. Die Möglichkeit, Jonas zumindest hin und wieder in einer Kita zu betreuen, haben die Schölers nicht; ihre Jobs stehen nicht auf der Liste der sogenannten systemrelevanten Berufe. Während Kai Uwe Schöler gegenwärtig ausschließlich im administrativen Bereich arbeitet – seinen Tätigkeiten u. a. als Bassist und Chorleiter kann er momentan nicht nachgehen –, arbeitet Sandra Schöler an drei Tagen im Homeoffice. Die beiden Fächer Deutsch und Mathe hat sich das Ehepaar dabei aufgeteilt, anhand von der Schule vorgegebener Lehrpläne macht Sandra Schöler Niklas fit in Lesen und Schreiben, Kai Uwe Schöler kümmert sich um die Rechnerei.

Homeschooling hat aber auch Vorzüge

Vorteile bringt das Homeschooling durchaus auch mit sich, das möchte Kai Uwe Schöler nicht verschweigen. „Wir können viel mehr den Fokus auf einzelne Dinge legen, was in dem Betrieb einer großen Schulklasse vielleicht manchmal untergeht“, meint der 39-Jährige. Durchaus komme es manchmal vor, dass der Wochenplan bereits am Donnerstag abgearbeitet sei. Und die wunderschöne Natur des südlichen Siegerlandes macht sich die Familie so oft zunutze wie es geht, dann stehen Ausflüge und Wanderungen an.

"Kinder brauchen Kinder"

Gespannt verfolgen die Schölers die weiteren Beschlüsse der Politik. Kai Uwe Schöler treibt dabei natürlich auch die Frage um, wann es im kulturellen Bereich wieder vorangeht und er seinen vielfältigen Tätigkeiten wieder wird nachgehen können. Für fragwürdig hält es der Wilnsdorfer, dass intensiv über Öffnungskonzepte für Baumärkte und Shoppingmalls diskutiert worden ist, „aber es kein richtiges Konzept gibt, dass man die Schüler zumindest in Mathe und Deutsch wieder ans Lernen bekommt und die Inhalte von studierten Pädagogen vermittelt werden“. Und: Ohne das Miteinander im Schulalltag gehe dem Nachwuchs etwas verloren. Nur den ganzen Tag mit Mama und Papa zu verbringen, das könne für die Sprösslinge nicht gut sein. „Kinder brauchen Kinder“, ist sich Kai Uwe Schöler sicher.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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