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Potenzialanalyse im südlichen Siegerland
Wasserstoff laut Gutachten top, für VWS (noch) flop

Eine Wasserstofftankstelle im südlichen Siegerland könnte am Autohof in Wilnsdorf entstehen.
  • Eine Wasserstofftankstelle im südlichen Siegerland könnte am Autohof in Wilnsdorf entstehen.
  • Foto: Wikipedia
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

tile Wilnsdorf/Siegen. Perspektivisch besteht im südlichen Siegerland sowohl im Bereich des Pkw- als auch des Lkw-Verkehrs großes Potenzial zur Nutzung von Wasserstoff. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Gemeinden Burbach, Neunkirchen und Wilnsdorf als Projekt der Leader-Region „3-Länder-Eck“ in Auftrag gegeben hatten. Demnach bietet sich eine H2-Tankstelle am Wilnsdorfer Autohof an. Die kommt laut Netzbetreiber nur über eine Kooperation infrage, bevorzugt mit einem Busunternehmen, die eine Mindestabnahmemenge garantiert und somit die Technologie etabliert. Die VWS als größtes ÖPNV-Unternehmen auf den Straßen der Region winkt vorerst ab.

tile Wilnsdorf/Siegen. Perspektivisch besteht im südlichen Siegerland sowohl im Bereich des Pkw- als auch des Lkw-Verkehrs großes Potenzial zur Nutzung von Wasserstoff. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Gemeinden Burbach, Neunkirchen und Wilnsdorf als Projekt der Leader-Region „3-Länder-Eck“ in Auftrag gegeben hatten. Demnach bietet sich eine H2-Tankstelle am Wilnsdorfer Autohof an. Die kommt laut Netzbetreiber nur über eine Kooperation infrage, bevorzugt mit einem Busunternehmen, die eine Mindestabnahmemenge garantiert und somit die Technologie etabliert. Die VWS als größtes ÖPNV-Unternehmen auf den Straßen der Region winkt vorerst ab.

Kaum Autos mit Brennstoffzellenantrieb auf den Straßen

Aktuell tendiert die Anzahl der Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb im Dreiländereck noch gegen Null. Basierend auf einer Prognose des Ministeriums für Energie NRW geht die Studie bei vorsichtiger Schätzung allerdings davon aus, dass im Jahr 2030 täglich mindestens 3200 Pkw und 272 Lkw in der Leader-Region unterwegs sein werden. Über die Hälfte hiervon als Transitverkehr auf der A 45.
Die Analyse stellt ein großes Interesse in der Region fest. Ein Beleg dafür ist die von den drei Kommunen und ansässigen Unternehmen unterschriebene Absichtserklärung zur Beschaffung von 26 Pkw und zehn Lkw mit Brennstoffzellenantrieb. Allein dadurch ergäbe sich ein Bedarf von 51,5 Tonnen Wasserstoff pro Jahr.
In der ersten Phase des flächendeckenden Ausbaus der Wasserstoff-Infrastruktur hatte der Netzbetreiber H2 Mobility 2019 eine Tankstelle im Siegener Gewerbe- und Industriepark Oberes Leimbachtal eröffnet. Interesse an einem weiteren Standort besteht, um perspektivisch eine höhere Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Nähe des Wilnsdorfer Autohofs zur bestehenden Anlage ist demnach kein Ausschlusskriterium.

VWS geben sich beim Wasserstoff zurückhaltend

Grundsätzlich wäre mit der Absichtserklärung die Mindestabnahme (25 Tonnen in den ersten zwei Jahren, 50 Tonnen ab dem dritten) sogar erfüllt. Allerdings setzt H2 Mobility auf strategische Partnerschaften. Insbesondere ÖPNV- bzw. Busunternehmen stehen im Fokus. Der Schwerlastverkehr spielt eher langfristig eine Rolle, weil die Fahrzeug-Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt. Brennstoffbetriebene Busse hingegen könnten schon jetzt Diesel-Fahrzeuge vollwertig ersetzen, heißt es. Schon fünf Wasserstoff-Busse mit einem Verbrauch von etwa 8 bis 9 Kilo auf 100 Kilometern reichten aus, die Mindestabnahme zu erfüllen. Fände sich zeitnah ein Kooperationspartner, wäre eine neue Tankstelle im Jahr 2023 realistisch.
Die Verkehrsbetriebe Westfalen Süd (VWS) bzw. die Wern-Group sind indes zurückhaltend. „Das ist aktuell noch kein Thema“, sagt Geschäftsführer Jörg Mühlhaus. Natürlich beobachte man die Entwicklung, erste Modellversuche in anderen Regionen seien vielversprechend. Aber marktreif sei die Technik aus Sicht der VWS noch nicht. Zumal die heimische Topografie hinsichtlich der Leistung und Reichweite erhöhte Anforderungen stelle.

VWS scheidet als Abnehmer für Wasserstoff zunächst aus

„Die Studie hat sowohl Potenzial als auch Bedarf in diesem Sektor festgestellt“, sagt Bürgermeister Christoph Ewers (Burbach). „Da der Fokus in unserer Region vor allem bei der Nutzung durch den Schwerlastverkehr liegt, soll der Bau einer Medium-size-Tankstelle, die auch vom Schwerlastverkehr genutzt werden kann, favorisiert werden“, gibt Neunkirchens Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann vor.
„Im Hinblick auf das weitere Vorgehen gilt es, Standortmöglichkeiten zu prüfen und feste Vereinbarungen mit Abnehmern großer Mengen Wasserstoff zu treffen“, ergänzt Bürgermeister Hannes Gieseler (Wilnsdorf). Die VWS scheidet hierfür zunächst aus. Für den „zügigen“ Bau einer Wasserstoff-Tankstelle (Projektzeit bei H2 Mobility ca. zwei Jahre) im Dreiländereck müssen die Leader-Gemeinden einen anderen Kooperationspartner als den heimischen Bus-Primus präsentieren.

Zahlen von heute und für 2030 Die Wasserstoff-Tankstelle in Siegen ist die einzige in Südwestfalen. Die nächsten H2-Mobility-Zapfsäulen stehen in Limburg und Köln. Seit Eröffnung im Juni 2019 wurde im Oberen Leimbachtal 700-mal (2200 Kilo) getankt. Der Anteil der Fahrzeuge der Kategorie „Sonstige“, unter die auch der Brennstoffzellenantrieb fällt, liegt im Kreis Siegen-Wittgenstein derzeit bei zu vernachlässigenden 0,01 Prozent. Einer vom Land NRW erstellten Wasserstoffstudie zufolge wird der Anteil der batterie- und brennstoffzellenbetriebenen Pkw bundesweit bis 2030 auf ein Viertel steigen. Daraus lässt sich für die Leader-Region „3-Länder-Eck“ ein Potenzial von 3200 bis zu 12 000 Wasserstoff-Pkw (je nach Verbreitung der Antriebstechnologie) ableiten, was einen Verbrauch von 439 bis 1700 Tonnen pro Jahr bedeutet. Für den wasserstoffbetriebenen Schwerlastverkehr werden für 2030 (geschätzter Anteil 10 Prozent) 272 bis 1088 Fahrzeuge prognostiziert, die jährlich 1300 bis 5200 Tonnen Wasserstoff benötigen.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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