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Windkraftanlagen: Rat in Wilnsdorf sprach sich mehrheitlich für Sonderverfahren aus
Weitere Weichen gestellt

Drei Windkraftanlagen befinden sich bereits auf der Tiefenrother Höhe auf hessischer Seite. Ein Investor hat Interesse, den Windpark auf dem Gebiet der Gemeinde Wilnsdorf zu erweitern. Foto: Sarah Panthel
  • Drei Windkraftanlagen befinden sich bereits auf der Tiefenrother Höhe auf hessischer Seite. Ein Investor hat Interesse, den Windpark auf dem Gebiet der Gemeinde Wilnsdorf zu erweitern. Foto: Sarah Panthel
  • hochgeladen von Sarah Panthel (Redakteurin)

sp/sz Wilnsdorf. Wilnsdorf muss einen Beitrag zur Windkraftenergie leisten, darüber sind sich die Fraktionen weitestgehend einig. Die möglichen Standorte für Windkraftanlagen bieten jedoch immer wieder Diskussionsstoff, wie kürzlich in der letzten Ratssitzung des Jahres. Abgestimmt wurde darüber, ob ein „gesondertes Verfahren“ durchgeführt werden kann, um die Errichtung von Anlagen im Bereich Gernsbacher/Tiefenrother Höhe zu ermöglichen.

Wie berichtet, hat ein Investor Interesse, den Windpark, der sich bereits auf der angrenzenden hessischen Seite befindet, zu erweitern. Mehrheitlich – mit fünf Gegenstimmen –, votierte der Rat für dieses Vorhaben. Die SPD, die Grünen und CDU hatten sich zuvor dafür ausgesprochen.

sp/sz Wilnsdorf. Wilnsdorf muss einen Beitrag zur Windkraftenergie leisten, darüber sind sich die Fraktionen weitestgehend einig. Die möglichen Standorte für Windkraftanlagen bieten jedoch immer wieder Diskussionsstoff, wie kürzlich in der letzten Ratssitzung des Jahres. Abgestimmt wurde darüber, ob ein „gesondertes Verfahren“ durchgeführt werden kann, um die Errichtung von Anlagen im Bereich Gernsbacher/Tiefenrother Höhe zu ermöglichen.

Wie berichtet, hat ein Investor Interesse, den Windpark, der sich bereits auf der angrenzenden hessischen Seite befindet, zu erweitern. Mehrheitlich – mit fünf Gegenstimmen –, votierte der Rat für dieses Vorhaben. Die SPD, die Grünen und CDU hatten sich zuvor dafür ausgesprochen.

Stephan Hoffmann (CDU) sagte, dass man nicht suggerieren dürfe, dass man eine Wahl habe. „Wir können nur entscheiden wie und wo“, aber nicht, ob Windkraftanlagen gebaut würden. Man könne nur so planen, dass der Mensch und die Natur möglichst wenig belastet würden.

Scharfe Kritik kam von Andreas Klein (BfW/FDP), der dagegen stimmte, weil für ihn noch zu viel unklar sei. Dafür gab es zustimmenden Applaus aus dem Publikum, den Bürgermeisterin Christa Schuppler mit dem Hinweis unterbrach, dass Bekundungen – zustimmende oder missfallende –, nicht gestattet seien. Von den Zuschauerreihen gab es dennoch immer wieder empörte Äußerungen über die Diskussion und Entscheidung des Rates.

Kritik von Naturschutzinitiative - vor allem für die Planungen auf der Kalteiche

Einen Tag vor der Ratssitzung hatte die Naturschutzinitiative (Westerwald) in einer Pressemitteilung „eine Abkehr von Natur und Landschaft zerstörenden Planungen durch Windindustrieanlagen“ gefordert. Peter Draeger, Länder- und Fachbeirat der Naturschutzinitiative (NI), kann laut des Schreibens nicht nachvollziehen, dass mit der konkreten Planung zur Ausweisung des Sondergebietes die „schon länger andauernde Planung zur Erweiterung der für Windenergie nutzbaren Zonen im Flächennutzungsplan der Gemeinde Wilnsdorf“ ausgekoppelt wird.

Nach seinen vielfältigen Beobachtungen zu schutzbedeutsamen Großvögeln kommt der Kalteiche die höchste Bedeutung zum Schutz von Großvögeln wie Schwarzstorch, Wespenbussard, Rotmilan oder Mäusebussard zu. „Die Aussage, dass die Planung weiter laufen soll, da diesen Hinweisen erst nachgegangen werden muss, ist nicht nachzuvollziehen“, so Peter Draeger.

Die Brutvorkommen der schutzrelevanten Vogelarten seien laut der Naturschutzinitiative ausreichend genau dokumentiert, den Planern und den zuständigen Behörden mitgeteilt und von dort auch bestätigt worden. Harry Neumann, Landesvorsitzender des Vereins, fordert an dieser Stelle das Ende der Planungen für den Flächennutzungsplan Windkraft: „Auf der Kalteiche ist kein weiterer Ausbau der Windenergie mehr möglich. Wenn die Erhebungen für das Gebiet der Tiefenrother Höhe dagegen dieses nicht ergeben haben, dann wäre jetzt keine Ausgliederung eines Teilgebietes, sondern eine Beschleunigung der Anstrengungen zum Abschluss der Planung fällig“, so Harry Neumann.

Windkraftanlagen auf der Gernsbacher/Tiefenrother Höhe: "nicht unproblematisch"

Auch Immo Vollmer, Biologe und Naturschutzreferent der NI, hält den Bau von Windkraftanlagen auf der Kalteiche für unmöglich. Auf Nachfrage der SZ bestätigte er, dass er auch die Gernsbacher/Tiefenrother Höhe als Gebiet für Windkraftanlagen für „nicht unproblematisch“ halte. In diesem Jahr sei auf der hessischen Seite, auf der sich die drei Windkraftanlagen befinden, ein erschlagener Rotmilan entdeckt worden.

Außerdem liege ganz in der Nähe die „Gernsdorfer Weidekämpe“, auf die auch die Zuhörer im Ratssaal mit Flyern aufmerksam gemacht hatten. Laut Vollmer könnten die Windkraftanlagen die Vogelart „Wachtelkönig“ stören ebenso wie gefährdete Fledermäuse und die Waldschnepfe. „Der Höhenzug, der als Korridor für die Vögel dient, hat eine wichtige Bedeutung“, sagt Vollmer. Die besondere Thermik werde beispielsweise von den Tieren genutzt.

Naturschützer: "Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird"

In der Pressemitteilung der Naturschutzinitiative heißt es abschließend: „Es gibt Bereiche, da liegt der Schatz in der vorhandenen Natur und nicht in Geldeinnahmen, die aus der Windkraft generiert werden sollen. Wenn die derzeitige Energiewende nicht in ein Artenschutzfiasko und Biodiversitäts-Desaster münden soll, braucht es mehr Verantwortungsbewusstsein für den Artenschutz, ein konsequenteres Verfolgen weiterer, nicht naturschädigender Energieerzeugungsformen und eine Wende des zügellosen Verbrauchsverhalten der Menschen. Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird“, so Peter Draeger, Harry Neumann und Immo Vollmer.

Letzterer betont im Gespräch mit der SZ, dass man sich mit der aktuellen Energiewende einer Grenze an Räumen nähere. Es sei kaum noch möglich, Windkraftanlagen zu bauen, ohne dabei die Artenvielfalt zu gefährden. Sein Vorschlag: „Der Strom muss da produziert werden, wo er gebraucht wird.“ Das könnten zum Beispiel Solarzellen auf Dächern sein.

Übrigens: Die Standorte der neuen Windkraftanlagen, mit denen der Investor plant, sind auf der Karte der 34. Änderung des Flächennutzungsplans zu sehen.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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