Idyllischer Oberdielfer Waldsportplatz
Wildschweine müssen draußen bleiben

Jan Schöne (links) und Gerhard Grisse freuen sich darüber, dass das Waldstadion in Oberdielfen wieder in neuem Glanz erstrahlt.
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  • Jan Schöne (links) und Gerhard Grisse freuen sich darüber, dass das Waldstadion in Oberdielfen wieder in neuem Glanz erstrahlt.
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krup Oberdielfen. Fast jeder dürfte sie kennen – die kleinen Schilder, die Hunde von der Metzgerei fernhalten. Bedruckt mit einer zwar höflich formulierten, gleichwohl unmissverständlichen Botschaft: „Wir müssen leider draußen bleiben!“ In eine ähnliche Gefühlslage werden in jüngster Vergangenheit Wildschweine versetzt, die den alten Sportplatz in Oberdielfen erobern wollen. Während sich das Borstenvieh bis vor Kurzem auf dem herrlich in die Waldlandschaft eingebetteten Gelände weidlich austobte und ein Szenario der Verwüstung hinterließ, heißt es nun: „Keine Chance den Keilern!“

Idyllisch in die Landschaft eingebett ist der Oberdielfener Waldsportplatz.
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In Hunderten von Arbeitsstunden haben Mitglieder des Fußball-Hobbyclubs „Schwarze Schafe“ Dielfen, die 1999 aus einem gemeinschaftlichen Messdiener-Team hervorgingen, und die Alten Herren aus Oberdielfen das Areal rundum eingezäunt, den vormals völlig ramponierten Rasen neu eingesät und begradigt – entstanden ist eine wunderschöne Sportarena, die grundsätzlich Jedermann offen steht. „Der Sportplatz ist für alle frei zugänglich. Auf Grund der Corona-Schutzverordnung müssen wir sie derzeit jedoch absperren, hoffen aber darauf, dass schon bald wieder verstärkte sportliche Betätigung möglich ist“, sagte „PR-Manager“ Jan Schöne im Gespräch mit der SZ.

Spendenaktionen und Fördertöpfe

„Jan ist ein echtes Organisationstalent, er hält alle Fäden in der Hand und hat über verschiedene Spendenaktionen und aus Fördertöpfen rund 15 000 Euro für unsere Aktion gewinnen können“, zeigt sich Gerhard Grisse begeistert. Grisse gehörte der Mannschaft des SV Adler Oberdielfen an, die 1968 mit der Meisterschaft in der damaligen 1. Kreisklasse und dem Sprung in die Bezirksklasse den größten Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte feierte.

Idyllisch in die Landschaft eingebett ist der Oberdielfener Waldsportplatz.
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Schon sein Vater Gustav Grisse kickte in den 1930er Jahren für die „Adler“, die sich zur Saison 1971/72 mit dem TuS Dielfen zur heutigen TSG Adler Dielfen zusammenschlossen. „Hier habe ich viele, viele Stunden meines Lebens verbracht“, sinniert Grisse und deutet mit einem Arm über das weitläufige Spielfeld. „Bei Heimspielen soll es nach Überlieferung des Öfteren zu heftigen Scharmützeln gekommen sein, die Gegner verließen fluchtartig das Gelände – in den Rückspielen mussten wir das aber oftmals wieder ausbaden“, schmunzelt Gerhard Grisse, der in den 60er Jahren der „Grisse-Connection“ beim SV Adler Oberdielfen angehörte. „Mit Brüdern und Vettern standen wir teilweise mit fünf Grisses auf dem Platz. Ein Schiedsrichter ist bei der Platzkontrolle mal regelrecht verzweifelt und hat gesagt: Wie viele Grisses habt ihr denn noch? Ich blicke hier einfach nicht mehr durch...“

Zusammenhalt in Ort und Mannschaft

Viele schöne Geschichten hätte der Waldsportplatz in Oberdielfen zu berichten, wenn er denn sprechen könnte. „Heiße Schlachten“ auf Kreis- und Bezirksliga-Ebene, oft besucht von zahlreichen Zuschauern. „Der starke Zusammenhalt im Ort und in der Mannschaft war ein besonderes Pfund, mit dem wir wuchern konnten“, erinnert sich Gerhard Grisse.

Idyllisch in die Landschaft eingebett ist der Oberdielfener Waldsportplatz.
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Mit dem Bau eines Kunstrasen-Platzes in Niederdielfen verlagerte sich der Spielbetrieb 2005 nach dort, der Naturrasenplatz in Oberdielfen wurde nur noch für sporadischen Trainingsbetrieb, für Partien von Hobbyclubs und Freizeitsport genutzt – und drohte zu verfallen, da er für die örtliche, teils stoßzahnbewehrte Fauna frei zugänglich war. „Nicht nur die Wildschweine haben uns Kopfzerbrechen bereit, sondern auch die Maulwürfe. Wir hatten phasenweise Dutzende von Maulwurfshügeln auf dem Feld – die Tierchen haben sich aber zurückgezogen, als wir mit dem lauten Werkzeug für die Umzäunung angerückt sind“, erläutert Gerhard Grisse.

Aufsitzmäher zur Rasenpflege

Nun also heißt es „Zutritt verboten“ für das Keilervolk, und der Rasen ist grundsätzlich wieder gut bespielbar. „Hier und da hat er zwar noch ein paar kleine Unebenheiten, aber das wird mit jedem Mähen besser“, sagt Jan Schöne. Zur Rasenpflege hat die Arbeitsgemeinschaft eigens einen Aufsitzmäher angeschafft – eine gewaltige Erleichterung, wie Gerhard Grisse einräumt: „Vorher mussten wir den ganzen Platz mit normalen Handmähern bearbeiten – da hattest du nachher Oberarme wie Cassius Clay...“

Daumen hoch! Gerhard Grisse freut sich darüber, dass das Waldstadion in Oberdielfen wieder in neuem Glanz erstrahlt.
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„Mit das schönste an dieser Anlage ist, dass sie mitten im Wald liegt und man hier stundenlang beisammen sitzen kann – jeder Neuzugang ist herzlich willkommen. Der Spaß und die Gespräche zwischen unseren Generationen, dass macht unsere Gemeinschaft aus. Einfach mal wieder Menschen treffen, ein Schwätzchen halten und eine Kaltschale trinken – das kann man hier unter freiem Himmel und mit genügend Abstand wunderbar tun, sobald Corona dies irgendwann wieder zulässt“, schwärmt Jan Schöne vom Oberdielfer Waldstadion – das nun wieder in frischem Glanz erstrahlt.

”Stuhlreiten auf der Straße” Über die Gründung des Fußballclubs in Oberdielfen 1902/03 gibt es keine schriftlichen Nachweise mehr, angeblich sind diese in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen. Gespielt wurde nach Überlieferungen auf einem kleinen Platz zwischen Oberdielfen und Wilnsdorf (Höhwäldchen). Ab den 1920er Jahren wurden dann Spiele gegen Mannschaften aus den Nachbarorten auf dem noch heute bestehenden Waldsportplatz in Oberdielfen ausgetragen. Anfang der 1950er Jahre wurde die Arena zur Waldseite hin um einige Meter verbreitert, dafür mussten Bäume gefällt und Wurzeln gezogen werden. Danach begann man mit einem ordentlichen Spielbetrieb. 1968 gelang der Spielvereinigung (SV) Adler Oberdielfen der Aufstieg in die Bezirksklasse, nach einem 2:1-Sieg gegen Freudenberg vor mehreren Hundert Zuschauern wurde die Meisterschaft entsprechend gefeiert. „Nach einem gewonnenen Spiel ging es des Öfteren im Vereinslokal nicht immer gerade zimperlich zu“, erinnert sich im SZ-Gespräch der damalige Spieler Gerhard Grisse. „Gesang bis in die Nacht hinein und Stuhlreiten auf der Straße waren an der Tagesordnung.“ 1971 kam es dann zur Fusion zwischen der SV Adler Oberdielfen und dem TuS Dielfen zur TSG Adler Dielfen, die aktuell in der unterbrochenen Fußball-Saison in der B-Kreisliga beheimatet ist.
Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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