Woher weht der Wind?

dima Wilnsdorf. Windkraftanlagen sollen Wind in Strom verwandeln. Dabei zählt die Windstärke – die Windrichtung ist von nachrangiger Bedeutung. Ob der Wind im Wilnsdorfer Ratssaal immer noch aus der gleichen Richtung weht wie vor wenigen Jahren, wird sich heute im Bauausschuss zeigen. Auf der Tagesordnung steht der seit Dezember 2006 rechtsverbindliche Bebauungsplan „Kalteiche“, mit dem die Wilnsdorfer Verwaltung die Höhenbegrenzung zukünftiger Windkraftanlagen auf 135 Meter und die Ausführung als Stahlgittermast amtlich gemacht hatte.

Schwarz auf weiß präsentierte die Verwaltung ihre Einschränkungen damals in Form einer Beschlussvorlage, die trotz Ablehnung von SPD und Grünen mehrheitlich vom Rat beschlossen wurde. Bereits zu der Zeit ein Diskussionpunkt in den politischen Gremien: die Kritik des privaten Windkraftanlagenbetreibers WWU aus Münster. Wie die SZ damals berichtete, bemängelte die Firma die geringe Höhe der Windräder. 135 Meter hohe Anlagen seien an diesem Standort nicht wirtschaftlich zu betreiben. Und mit der Forderung nach Gittermasten beschränke man die Wahl auf einen veralteten Anlagentyp.

Die gleichen Argumente teilte auch Sebastian Schäfer, der Siegener Volkswirtschaftsdoktorand, der innerhalb der Bebauungsplanfläche einen Bürgerwindpark plante. Verwaltung und Rat ließen sich davon jedoch nicht umstimmen. Man wollte z.B. verhindern, dass die Anlagen in naturschutzfachlich wertvollen Laubwaldbereichen errichtet würden, argumentierte zum Beispiel Josef Nordmann von der Verwaltung. Rechtlich müsse man mit der Vorrangfläche nur einen „machbaren Standort“ und keinen „wirtschaftlich optimalen Standort“ anbieten. Nachdem die niedersächsische Volkswind GmbH das Plangebiet im vergangenen Jahr gekauft hatte, fragte die Firma jetzt nach, ob der Bebauungsplan nicht ihren Vorstellungen nach geändert werden könne. Fachbereichsleiter Josef Nordmann in den Unterlagen zum heutigen Bauausschuss: „Der Investor hat zwischenzeitlich mit konkreten Planungen der Windenergieanlagen auf der Kalteiche begonnen und in diesem Zusammenhang nun angefragt, ob von den planungs- und gestaltungsrechtlichen Festsetzungen des Bebauungsplanes Nr. 23 ,Kalteiche’ abgewichen werden kann.“

Zielsetzung des Investors sei es, die Gesamthöhe der Anlagen um 15 Meter auf 150 Meter zu überschreiten und Stahlrohr- anstatt veralteter Gittermastkonstruktionen errichten zu können. In Gilsbach, aber auch im zukünftigen Haigerer Windpark „Sinnerhöfchen“  unmittelbar an der Grenze zu Wilgersdorf , kämen bereits modernere Anlagen mit verbesserter Sicherheitstechnologie zum Einsatz. Der Investor: „Wir würden auch in unserem Vorhaben gerne diesen Anlagentyp verwenden.“

Um die Bebauungsplanänderung noch schmackhafter zu machen, beschreibt die Firma gleich mehrere Vorteile: Das Erscheinungsbild gleiche sich dem der benachbarten Gilsbacher Anlagen an, wodurch der Eindruck eines „Gesamtwindparks“ entstünde. Die verbesserte Wirtschaftlichkeit der höheren Anlagen würde außerdem ein „stark erhöhtes Gewerbesteueraufkommen“ versprechen.Bleibt abzuwarten, wie der Bauausschuss angesichts der neuen alten Argumente heute beschließt. Die Verwaltung jedenfalls hält sich in ihren Ausschuss-Unterlagen ungewöhnlich bedeckt. Sie verzichtet diesmal völlig auf eine Beschlussvorlage. Man möchte der Diskussion der Politiker nicht vorgreifen, erklärte Bürgermeister Werner Büdenbender auf Nachfrage der SZ. Wie man Windkraftanlagen beurteile, sei schließlich „reine Geschmacksache“.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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