Persönliche Erinnerungen an Corona-Pandemie
Zeugen einer ganz besonderen Zeit

Carolina Boller (10c), Kevin Micheev (10a) und Joana Heinz (10b, v.l.) haben die Kapsel stellvertretend für ihren Jahrgang im Atrium der Realschule vergraben.
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  • Carolina Boller (10c), Kevin Micheev (10a) und Joana Heinz (10b, v.l.) haben die Kapsel stellvertretend für ihren Jahrgang im Atrium der Realschule vergraben.
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tip Niederdielfen. „Endlich frei sein, chillen“ – das war Lilans erste Reaktion, als es ins Home-Schooling ging. Doch schon kurze Zeit später kam die Ernüchterung: „Die ganze Corona-Situation hat mich echt getroffen. Vor allem bezüglich meiner Mentalität und Psyche.“ 80 Abschluss-Schüler der Realschule Wilnsdorf haben ihre ganz persönlichen Gedanken rund um die Pandemie zu Papier gebracht – und sie anschließend vergraben. Die Dokumente sind Teil eines spannenden Projekts aus dem Geschichtsunterricht. Denn in zehn Jahren wollen die Schüler die Zeitkapsel wieder bergen und ihre Briefe sich und den Schülern des Jahres 2031 vorlesen.

Die Idee stammt von Alexandra Siedlok und Tim Liggesmeyer. Die beiden Lehramtsanwärter unterrichten Geschichte im Abschlussjahrgang. „Wir haben dabei viel über Zeitzeugen gesprochen. Und die Schüler sind ja selbst auch gerade jetzt Zeugen einer ganz besonderen Zeit“, erzählt Alexandra Siedlok. „Das musste man den Schülern erst einmal so richtig klar machen“, ergänzt ihr Kollege. „Keinen Jahrgang hat es so sehr getroffen wie die Abschlussklassen.“

Corona, Homeschooling, Leben im Lockdown

Die Lehrer riefen ihre Schüler dazu auf, Briefe zu schreiben. Ganz frei, ohne viele Vorgaben, ohne großen Zeitdruck. Über Corona, Homeschooling, das Leben im Lockdown. Wer wollte, konnte die Dokumente öffentlich machen. Viele entschieden sich aber dazu, die Briefe ganz privat zu belassen, fast wie ein Tagebucheintrag.

In die Zeitkapsel haben die Schüler eine Menge Sachen verstaut, die sie an die Corona-Zeit erinnern.
  • In die Zeitkapsel haben die Schüler eine Menge Sachen verstaut, die sie an die Corona-Zeit erinnern.
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Aus Lilans Brief darf zitiert werden. „Ich war immer eine offene und soziale Person, jedoch habe ich mich völlig verändert, ob es vom Aussehen ist von meinen Verhaltensweisen“, schreibt sie. „Auf einmal ,anti-social’.“ Pandemie und Kontaktbeschränkungen haben etwas in der Schülerin bewegt. „Es wurde mir immer mehr klar, welchen Leuten ich egal bin und welchen ich etwas bedeute. Meine Freunde und ich wissen, dass wir auf uns zählen können.“

„Als ich in der 9. Klasse war, ging die Corona Pandemie los“, schreibt Marc Jonas. „Ich habe mir gedacht: So schlimm kann das nicht sein. 1,5 Jahre später war mir klar, dass ich unrecht hatte.“ Er selbst sei in Zeiten von Homeschooling „sehr faul“ geworden. „Weil ich nur gezockt hab. Mit meinen Freunden habe ich über Social Media Kontakt gehalten.“ Sein Rat an die Schüler in zehn Jahren: „Macht euren Abschluss vernünftig!“

Virus, der von Fledermaus kam

Mara denkt an die Anfänge der Pandemie zurück: „Da haben wir gelacht. Weil es war ja nur der Virus, der von einer Fledermaus kam. Doch mit der Zeit bekamen die Leute immer mehr Angst.“ Sie erinnert an das Hamstern von Mehl und Klopapier. Social-Distancing habe ihr gezeigt, „dass man seine Freunde braucht, um glücklich zu sein“. Das Schlimmste an Corona? Für Mara ganz klar: „Dass ich meine Großeltern nicht mehr so oft sehen konnte.“

Die Idee zum Projekt hatten die Lehramtsanwärter Alexandra Siedlok und Tim Liggesmeyer.
  • Die Idee zum Projekt hatten die Lehramtsanwärter Alexandra Siedlok und Tim Liggesmeyer.
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80 Briefe: Jeder anders, jeder ganz persönlich. Die drei Klassensprecher Kevin Micheev, Joana Heinz und Carolina Boller haben sie am Mittwoch in eine Kapsel gepackt. Auch mit dabei: Klassenfotos, medizinische und selbst genähte Masken, ein Corona-Schnelltest und eine Siegener Zeitung vom 17. Juni. Alles Dokumente einer etwas anderen Zeit.

"Ich habe mir gedacht:
So schlimm kann das
nicht sein."

Marc Jonas
Schüler

Vergraben wurde die Kapsel im Atrium der Realschule. Direkt daneben steht ein kleiner Apfelbaum. „Der wird in den nächsten zehn Jahren schön wachsen“, hofft Lehramtsanwärterin Alexandra Siedlok. Was sie selbst wohl in zehn Jahren machen wird? „Ich hoffe schon, dass ich dann Lehrerin bin.“ Ihr Kollege Liggesmeyer stimmt zu.[/quote]

Eine Siegener Zeitung von Donnerstag kam mit in die Zeitkapsel.
  • Eine Siegener Zeitung von Donnerstag kam mit in die Zeitkapsel.
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Für die drei Klassensprecher geht es nach den Ferien an weiterführende Schulen. „In zehn Jahren hab ich hoffentlich eine eigene Familie“, wünscht sich Joana Heinz. Alle Beteiligten des spannenden Zeitzeugen-Experimentes sind sich jedenfalls einig: In zehn Jahren will man beim Ausgraben der Kapsel dabei sein. Und ein Klassentreffen feiern – hoffentlich ohne Abstand und Masken.

Autor:

Tim Plachner

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