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Der König des Klezmer, Giora Feidman, live im Kulturwerk Wissen
Die Klarinette singt für Frieden

Konzerte von Giora Feidman (l.) sind immer ein Ereignis. Der Klezmer-Klarinettist kann an die Menschen anrühren, sie öffnen für seine Botschaft vom Frieden. Mit ihm auf Tour: der russische Pianist Sergej Tcherepanov.
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  • Konzerte von Giora Feidman (l.) sind immer ein Ereignis. Der Klezmer-Klarinettist kann an die Menschen anrühren, sie öffnen für seine Botschaft vom Frieden. Mit ihm auf Tour: der russische Pianist Sergej Tcherepanov.
  • Foto: Mehran Montazer
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

gum Wissen. Der in Argentinien geborene und heute in Rinatja, einem Dorf in der Nähe von Tel Aviv, lebende berühmteste Klezmer-Klarinettist der Welt, Giora Feidman, gab am Samstagabend im Kulturwerk in Wissen auf Einladung des Kulturkreises „Wissener eigenArt“ ein Konzert, das im Rahmen der „Lichtblicke“ durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert wurde. Dass nach langer Zeit noch einmal ein Live-Konzert, wenn auch nur mit begrenzter Platzkapazität, stattfinden konnte, darüber freuten sich sichtlich Künstler, Veranstalter und nicht zuletzt natürlich das Publikum. Andere waren bei der hybriden Veranstaltung im Livestream dabei.
Sergej Tcherepanov ein Partner am KlavierVon Ruhigerwerden kann bei dem mittlerweile 85-Jährigen absolut nicht die Rede sein.

gum Wissen. Der in Argentinien geborene und heute in Rinatja, einem Dorf in der Nähe von Tel Aviv, lebende berühmteste Klezmer-Klarinettist der Welt, Giora Feidman, gab am Samstagabend im Kulturwerk in Wissen auf Einladung des Kulturkreises „Wissener eigenArt“ ein Konzert, das im Rahmen der „Lichtblicke“ durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert wurde. Dass nach langer Zeit noch einmal ein Live-Konzert, wenn auch nur mit begrenzter Platzkapazität, stattfinden konnte, darüber freuten sich sichtlich Künstler, Veranstalter und nicht zuletzt natürlich das Publikum. Andere waren bei der hybriden Veranstaltung im Livestream dabei.

Sergej Tcherepanov ein Partner am Klavier

Von Ruhigerwerden kann bei dem mittlerweile 85-Jährigen absolut nicht die Rede sein. Es war beeindruckend, wie er scheinbar mühelos ein zweistündiges Konzert spielte, lachte und tanzte, Kusshände ins Publikum warf, improvisierte und ein Feuerwerk an Virtuosität und Lebensfreude darbot. Gemeinsam mit dem Pianisten Sergej Tcherepanov aus Russland als optimalem musikalischen Partner gelang es mit viel Ausstrahlungskraft und Charme, eine Symbiose zwischen Zuhörern und Musikern zu schaffen und mit facettenreichem, virtuosem Spiel auf der Klarinette, die große Halle mit einer Atmosphäre der Harmonie zu füllen.

"Schalom", "Salam Aleikum" - und was ist mit Frieden?

Feidman moderierte auf seine bekannte charmante Art im Deutsch-Englisch-Mix, äußerte sein Unverständnis über den Elf-Tage Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, der kürzlich stattgefunden hat und der für beide Seiten so viel Leid verursachte, beschrieb den Klang der Sirenen und den dumpfen Einschlag der Raketen. „Dabei begrüßen wir uns doch etliche Male am Tag mit ,Schalom‘ und ,Salam Aleikum‘ (Friede sei mit dir)“, so Giora Feidman, der unter anderem die oscarprämierte Filmmusik zu Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ einspielte.

"Wir können spielen, was wir wollen"

Voller Elan ließ Feidman die Klarinette sprechen, unterhielt mit Klassik, Jazz, sinfonischer Musik und mit zeitgenössischen Werken israelischer Komponisten. Der bescheidene Künstler stellte sich nicht in den Vordergrund, sondern zollte den virtuosen Soli seines Pianisten mit Applaus und Bravo-Rufen immer wieder gebührende Anerkennung. Eine Programmabfolge gab es bei „Klezmer & More“ nicht, „das ist gut, wir können spielen, was wir wollen“, so Feidman, der die Zuhörer mit „Yesterday“ von den Beatles begrüßte. Seine Klarinette stellte er als guten Freund vor. Mit ihr wolle er den Menschen eine Botschaft mitteilen, sie durch die Musik an seiner inneren Stimme teilhaben lassen.

"Prayer" im typisch klagenden Klezmer-Sound

Mit viel Feingefühl nahm Feidman die Stimmung des Publikums auf und integrierte sie in seine Musikauswahl. Beim typisch klagenden Klezmer-Sound des Musiktitels „Prayer“ steigerte sich Feidman vom Pianissimo zu schrillen Passagen, abgelöst durch zärtliche, fast tänzerische Klänge, vielleicht als Symbol für neue Hoffnung auf immer wieder ersehnten Frieden in der Welt und auf die Völker verbindende Kraft der Musik („It‘s Unique“). Ob das weltberühmte „Halleluja“, ob „Nobody Knows The Trouble I‘ve Seen oder auch „Schalom, Schalom“ – Mit überschäumender Musizierfreude, gepaart mit profunder Technik und eindrucksvoller Bühnenpräsenz, begeisterte der Künstler sein Publikum, das ihm mit stürmischem Applaus dankte.

Publikum summt leise mit

Zu einem ganz besonderen Moment kam es, als Feidman auf der Klarinette ein Gebet anstimmte, ein Lied für einen sehr guten muslimischen Freund aus dem Iran. Das war schon Gänsehaut pur und berührte auch die Zuhörer zutiefst. Zum Abschluss erklang Johann Brahms’ „Guten Abend, Gute Nacht“. Jetzt konnten sich die Zuhörer nicht mehr zurückhalten und summten leise mit, was der humorvolle Feidman kommentierte: „Ihr wollt doch wohl nicht die Nacht im polizeilichen Arrest verbringen!“
Als Zugabe erklang Louis Armstrongs „What A Wonderful World“, bevor Giora Feidman sich von den begeisterten Besuchern verabschiedete mit „Schalom, bleibt gesund“ und den eindrucksvollen Worten:“ We Are Born For This Moment In Paradise, For Peace“ (wir sind geboren für diesen wundervollen Moment im Paradies, für den Frieden).

Konzerte von Giora Feidman (l.) sind immer ein Ereignis. Der Klezmer-Klarinettist kann an die Menschen anrühren, sie öffnen für seine Botschaft vom Frieden. Mit ihm auf Tour: der russische Pianist Sergej Tcherepanov.
Endlich wieder live! Das freute nicht nur Klarinettist Giora Feidman  und Sergej Tcherepanov am Klavier, sondern auch die Veranstalter und vor allem das Publikum.
Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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