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Erwin Wortelkamp zeigt frühe Eisenarbeiten und Arbeiten auf Papier
Eisenwerke im Walzwerk

Erwin Wortelkamp stellt im Wissener Kulturwerk „Eisenwerke“ aus. Hier sind Arbeiten aus der Serie „Ehrung für Giacometti“ zu sehen.
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  • Erwin Wortelkamp stellt im Wissener Kulturwerk „Eisenwerke“ aus. Hier sind Arbeiten aus der Serie „Ehrung für Giacometti“ zu sehen.
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gmz - Themen wie unser Umgang mit der Umwelt und der Landschaft ziehen sich durch Erwin Wortelkamps Œuvre.
gmz Wissen.  „Vielleicht ein Blatt“: Der suchend klingende Titel der skulpturalen Plastik auf dem Boden des Wissener Walzwerks scheint auf den ersten Blick so gar nicht zu der nicht massiven, aber doch sehr präsenten Arbeit zu passen. Zwar ist die Haut des halbrunden Gebildes, das an eine geöffnete Schale erinnert, an etlichen Stellen zerstört und aufgerissen: Es sieht aus wie von innen zerfressen. Stangen durchdringen die Halbschale, deren Öffnung in Richtung Boden zeigt, stützen sie vielleicht.
Die Blatt-Assoziation drängt sich allerdings dennoch auf: So zerklüftet die Arbeit ist, hat das Werk doch noch eine organische Anmutung.

gmz - Themen wie unser Umgang mit der Umwelt und der Landschaft ziehen sich durch Erwin Wortelkamps Œuvre.
gmz Wissen.  „Vielleicht ein Blatt“: Der suchend klingende Titel der skulpturalen Plastik auf dem Boden des Wissener Walzwerks scheint auf den ersten Blick so gar nicht zu der nicht massiven, aber doch sehr präsenten Arbeit zu passen. Zwar ist die Haut des halbrunden Gebildes, das an eine geöffnete Schale erinnert, an etlichen Stellen zerstört und aufgerissen: Es sieht aus wie von innen zerfressen. Stangen durchdringen die Halbschale, deren Öffnung in Richtung Boden zeigt, stützen sie vielleicht.
Die Blatt-Assoziation drängt sich allerdings dennoch auf: So zerklüftet die Arbeit ist, hat das Werk doch noch eine organische Anmutung. Es erinnert an ein zusammengerolltes Blatt, eines, das vom Baum gefallen ist, vergeht, von Insekten gefressen wird, sich auflöst oder zerrissen wird. Die Stangen erinnern an die Blattstiele. Oder an die Adern, die dem Blatt Halt gaben und die Versorgungsleitungen bildeten? Und trotzdem bleibt die Spannung zwischen der massiven Materialwirkung und der die Fragilität betonenden Erscheinung. Ja: „Vielleicht ein Blatt!“

Rückkehr zu Wurzeln

Diese beeindruckende Arbeit ist in der Ausstellung „Eisenwerke“ des Künstlers Erwin Wortelkamp im Wissener Kulturwerk zu sehen, die an diesem Samstag um 19 Uhr eröffnet wird. Mit dieser Schau, in der der Hasselbacher Arbeiten zeigt, die aus der Zeit von 1974 und 1980 stammen, sowie Papierarbeiten, die zwischen 1974 und heute entstanden sind, kehrt Erwin Wortelkamp in gewisser Weise zu Wurzeln zurück: Als der Künstler 1974 mit seiner Familie in den Westerwald zog, wo er aufgewachsen ist, bezog er die Eisenbleche, mit denen er damals arbeitete, aus dem Wissener Walzwerk, in dessen Räumen heute Kultur einen Raum hat.
Das Bild der Wurzel passt insofern, als jeder Baum für sein Wachstum viele Wurzeln braucht, um geerdet zu bleiben und sich entwickeln zu können: Die Eisenarbeiten sind eine Wurzel im Lebenswerk des Künstlers.

Prozesshaftigkeit des Arbeitens erkennbar

Auch wenn einige Eisenwerke wie auch einige Arbeiten auf Papier schon beinahe 50 Jahre alt sind, sind sie unverkennbar „Wortelkamps“. Die Auswahl der Arbeiten lässt die Entwicklung des Künstlers erkennen: Formale Fragestellungen wie Durchdringung, Stabilität, Verletzung, Setzung, Schale und Kern, Schutz und Umhüllung, Raum und Landschaft, Landschaft und Mensch oder Innen und Außen durchziehen das Werk bis heute, führen letztlich immer zu der Frage nach dem Menschen, seiner Selbst- und Außen-Wahrnehmung und seinem Handeln. „Angelehnte“ gibt es, „Torsi“ oder „Liegende“. Also sind die Fragestellungen nicht nur formal, sondern inhaltlich zu beantworten. So ist es auch im Untertitel der Schau formuliert: „organisch – figural – konstruktiv“.

Plastik oder Skulptur? Oder beides?

Erwin Wortelkamp arbeitet bei diesen Eisenarbeiten eher „plastisch-additiv“, während er später eher den bildhauerischen, skulptural-abtragenden Weg beschreitet, der allerdings schon früh auch in den Verletzungen und Eingriffen in das Material Verwendung findet. Und doch geht es, wie oben beschrieben, immer um die gleichen Fragestellungen, denen er sich technisch anders nähert. Welchen Weg die Entwicklung des Künstlers nimmt, ist erkennbar.
In der Ausstellung finden sich auch mehrere Arbeiten aus der Serie „Vielleicht ein Baum“, die die „Blätter“ ergänzt. Er umhüllt in diesen Arbeiten einen Stamm mit aneinandergeschweißten Blechen, der Kern, der Baum, bleibt innen erhalten. Die Bleche bieten eine Schutzhülle. Wie lange? Was geschieht mit dem geschützten Inneren? Dem exponierten Außen?

Aufforderung zum Dialog

In der „Ehrung für Giacometti“, einer Serie, von der er in Wissen drei Arbeiten zeigt, taucht das Motiv der Schale wieder auf, als Schutzraum, in den man sich zurückziehen kann. Aber auch heraustreten, denn die beiden einander gegenübergestellten Plastiken animieren zum Dialog. Man steht sich gegenüber, um „den anderen“ wahrzunehmen und sich auszutauschen. Die Schutzräume gehören schließlich jeweils zu einer hohen menschenähnlichen Figur, die sich mit allen Schichtungen, Verletzungen (die Eingriffe in das Material sind dann wieder bildhauerisch begründet) und Unvollkommenheiten behauptet. Der in der Arbeit nachvollziehbare künstlerische Entstehungsprozess gleicht einer Aufforderung an den Betrachter.

Eisenwerke und Papierarbeiten ergänzen sich

Die Ausstellung zeigt auch im Dialog der Eisen- und Papierarbeiten, dass sie sich auch über die langen Jahre von Wortelkamps künstlerischer Tätigkeit ergänzen. Die erste Arbeit, die er nach seiner Rückkehr in den Westerwald geschaffen hat, ist einer der Blickfänge in der großen Halle: Ein mit vier Griffen transportabler „Flickenteppich“ aus aneinandergestückelten kleinen Blechen liegt auf dem Boden. „Bauerwartungsland“ heißt diese „transportable Landschaft“ von 1974. Das Stichwort Zersiedelung drängt sich auf. Dem Künstler, der auch bekannt war für seine sehr politischen Arbeiten und Aktionen, thematisiert immer wieder unseren Umgang mit der Umwelt und stellt ihn uns fragend vor.

Die Umwelt im Blick

Von 2021 stammen Papierarbeiten, in denen er einen Teppich von getrockneten Fichtennadeln mit kleinen blauen Flecken aufbricht: „Es hat geregnet“ nennt er die Serie. Daneben liegt ein „Windbruch“ von 1976, geborstenes Metall, das an den Wurzelteller einer Fichte erinnert … Kurz: Es gibt unendlich viele Bezüge zu entdecken in dieser Ausstellung. Immer bleibt die Grundsatzfrage: Sehen oder nicht sehen? So titelt auch eine der Diskussionsrunden im Begleitprogramm.
Erwin Wortelkamp: Eisenwerke. Bis 15. August. Kulturwerk, Walzwerkstraße 22, Wissen.
Vernissage: Samstag, 17. Juli, 19 Uhr. Anmeldung erforderlich: wisserland.de/ausstellung oder per Telefon (0 27 42) 91 16 64.
Auch die Besichtigung ist nur mit Anmeldung möglich wegen der Corona-Auflagen. Dabei können Termine abgesprochen werden.

Begleitprogramm:
Drei Künstlergespräche werden in der Ausstellung angeboten, jeweils 19 Uhr im Kulturwerk.
Samstag, 24. Juli: „sehen und nicht sehen“. Erwin Wortelkamp im Gespräch mit Abt Andreas Range (OCist., Marienstatt).
Samstag, 31. Juli: „hören und nicht hören“. Musikalische Führung mit dem Künstler und der Akkordeonistin Eva Zöllner. Free-Jazz-Konzert mit der Formation Kohrmann/Zöllner(Weiß.
Samstag, 7. August: „Schreiben und nicht schreiben“. Erwin Wortelkamp im Gespräch mit dem Autor Hanns-Josef Ortheil. – Anmeldung jeweils erforderlich!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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