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Hanns-Josef Ortheils Abendmusik Nr. 6 im Livestream
Gäste genießen "Italienische Momente"

Hanns-Josef Ortheil entführte per Livestream aus dem Kulturwerk Wissen in die Vielfalt Italiens.
  • Hanns-Josef Ortheil entführte per Livestream aus dem Kulturwerk Wissen in die Vielfalt Italiens.
  • Foto: Timo Fiebach/Kulturwerk
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

gum Wissen. Es war ein unterhaltsamer, lyrischer und musikalischer Sonntagabend, der, gerade in dieser besonderen Zeit, die Lust auf Reisen weckte. Der Schriftsteller und Literaturprofessor Hanns-Josef Ortheil stellte im Kulturwerk in Wissen in einem Livestream seine 6. Abendmusik, „Italienische Momente“, vor. Ganz sicher genossen die Zuschauer (101 verkaufte Online-Tickets) auch zu Hause an den Bildschirmen die interessanten Passagen, die Ortheil aus seinem erst kürzlich erschienenen Buch vortrug. Trotzdem fehlte etwas: die besondere Atmosphäre des Kulturwerks, der Austausch mit anderen Kunstinteressierten und vor allem das kurze Gespräch mit dem Autor beim Signieren seiner Bücher.

gum Wissen. Es war ein unterhaltsamer, lyrischer und musikalischer Sonntagabend, der, gerade in dieser besonderen Zeit, die Lust auf Reisen weckte. Der Schriftsteller und Literaturprofessor Hanns-Josef Ortheil stellte im Kulturwerk in Wissen in einem Livestream seine 6. Abendmusik, „Italienische Momente“, vor. Ganz sicher genossen die Zuschauer (101 verkaufte Online-Tickets) auch zu Hause an den Bildschirmen die interessanten Passagen, die Ortheil aus seinem erst kürzlich erschienenen Buch vortrug. Trotzdem fehlte etwas: die besondere Atmosphäre des Kulturwerks, der Austausch mit anderen Kunstinteressierten und vor allem das kurze Gespräch mit dem Autor beim Signieren seiner Bücher.

Immer wieder Italien - fast 50 Jahre lang

Anlass zu diesem Buch waren die Erfahrungen und Erlebnisse, die der Autor auf seinen Reisen nach Italien gesammelt hat – ein Ziel seit fast einem halben Jahrhundert. Eine Vielzahl an Romanen, Monographien und essayistischen Texten zeugt davon, welch dominantes Thema Italien für Ortheil ist. Der Autor nahm seine virtuellen Gäste mit auf eine ausgedehnte Reise. Er streifte mit ihnen durch die Gassen von Rom und Venedig, zeigte ihnen sein Sizilien und die Schönheit der adriatischen Meeresküste. Gleich nach dem Abitur führte ihn seine erste Reise nach Rom. In den Jahren darauf bereiste er fast alle italienischen Landschaften, mit dem Auto, mit dem Fahrrad, aber auch lange Strecken zu Fuß. Er erzählte oder las, wie er die jeweiligen Räume der Städte oder Regionen nicht nur kennengelernt, sondern erlebt hat und wie aus dem physischen Eindruck dieser Städte und Landschaften ein psychisches Erlebnis geworden ist.

Als junger Pianist in Rom

Typisch italienische Szenen und Rituale, die ihm während dieser Jahre auffielen, hat er festgehalten. In seiner Lesung stellte er einen engen Bezug zwischen den verschiedenen musikalischen Traditionen Italiens und den vier vorgestellten Zentren vor, indem er Musik einspielte, die sich auf die jeweilige Region bezog. Als junger Pianist kam Ortheil 1969/70 nach Rom, um ein Stipendium zu erwerben. Er verdiente sein Geld als Organist in der Frühmesse, abends in Konzerten im römischen Stadtteil Trastevere und beschäftigte sich mit großen klassischen Kompositionen, aber auch mit Volksliedern, den Canzoni.

Stipendiat in der Villa Massimo

Anfang der 90er-Jahre war er Stipendiat in der Villa Massimo und schrieb bei seinem zweiten Aufenthalt dort den Essay „Beobachtungen in Rom“, aus dem er unter anderem vorlas. Passend dazu erklang anschließend die wunderbare Canzone „Gli amanti di Roma“ von Gianmaria Testa. Weiter ging die Reise nach Venedig, der Stadt, die ästhetisch überwältigt mit einer Umgebung, die mit nichts Bekanntem in Beziehung gesetzt werden kann. Eine Stadt, die den Fremden auf magische, verführerische Weise ganz an sich bindet. Die Panoramen der Stadt werden durch die Gondeln entscheidend geprägt. Sie sind gewissermaßen die Verursacher einer literarischen und musikalischen Tradition von „Gondelliedern“. Passend erklangen ein Gondellied aus dem 18. Jahrhundert, gesungen von Vincenzo Capezzuto, sowie das Gondellied Opus 30 Nr. 6 von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Mit Literatur und Musik nach Sizilien

Die ganz eigene historische und kulturelle Welt Siziliens lernten die Gäste ebenfalls kennen – die Besonderheit der Familiengeheimnisse, die niemals nach draußen dringen dürfen, und die Rauheit des Landstrichs, musikalisch vorgetragen von der 1990 verstorbenen berühmten Liedermacherin Rosa Balistreri. Bewegend die Einspielung des „Sicilia mia“, gesungen von der Sizilianerin Etta Scollo, deren Musik sizilianische Tradition, Pop-Avantgarde und Jazz-Einflüsse vereint. Mit La Mamma, Lo und Lu (Figuren aus Ortheils autobiografisch fundiertem „Roman eines Vaters“) ging es ans Meer. „Azzurro“, der durch Adriano Celentano bekannt gewordene Popsong von Paolo Conte, und Angelo Branduardis „La pulce d’acqua“, fantastisch auf der Violine gespielt, brachten zum Abschluss eines fesselnden Abends temperamentvolle italienische Stimmung in die Wohnzimmer.

Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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