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Eva Mattes mit Lindgren-Abend im Kulturwerk Wissen
Literaturtage enden mit Worten und Musik

Darius Swinoga und Eva Mattes begeisterten am Mittwoch im Kulturwerk Wissen mit einer intensiven, eindringlichen Konzert-Lesung zum Abschluss der 19. Westerwälder Literaturtage.
  • Darius Swinoga und Eva Mattes begeisterten am Mittwoch im Kulturwerk Wissen mit einer intensiven, eindringlichen Konzert-Lesung zum Abschluss der 19. Westerwälder Literaturtage.
  • Foto: Gaby Wertebach
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

gum Wissen. Die Stimmung war ein wenig getrübt wegen der neuen Corona-Beschränkungen, die in diesem Jahr das Ende der Lesungen im Kulturwerk bedeuten. Trotzdem war Maria Bastian-Erll, die Organisatorin der 19. Westerwälder Literaturtage, stolz, und das zu Recht. Als ganz besonderen Schlusspunkt konnte sie die Schauspielerin und Sängerin Eva Mattes, vielfach ausgezeichnet für ihre Film- und Bühnenrollen, die als „Tatort“-Kommissarin Klara Blum ein Millionenpublikum erreichte, am Mittwochabend im Kulturwerk in Wissen begrüßen. Für die musikalisch-szenische Lesung aus den Tagebüchern von Astrid Lindgren unter dem Motto „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ wurde sie in Wissen mit stehenden Ovationen gefeiert!

gum Wissen. Die Stimmung war ein wenig getrübt wegen der neuen Corona-Beschränkungen, die in diesem Jahr das Ende der Lesungen im Kulturwerk bedeuten. Trotzdem war Maria Bastian-Erll, die Organisatorin der 19. Westerwälder Literaturtage, stolz, und das zu Recht. Als ganz besonderen Schlusspunkt konnte sie die Schauspielerin und Sängerin Eva Mattes, vielfach ausgezeichnet für ihre Film- und Bühnenrollen, die als „Tatort“-Kommissarin Klara Blum ein Millionenpublikum erreichte, am Mittwochabend im Kulturwerk in Wissen begrüßen. Für die musikalisch-szenische Lesung aus den Tagebüchern von Astrid Lindgren unter dem Motto „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ wurde sie in Wissen mit stehenden Ovationen gefeiert!

Darius Swinoga am Akkordeon

Mit warmer, wandlungsfähiger Stimme, ohne Pathos und emotionale Übertreibung las Eva Mattes aus Lindgrens Tagebüchern von 1939 bis 1945 und stellte dabei den Zuhörern eine ungewöhnliche Sichtweise auf den Zweiten Weltkrieg vor. Begleitet wurde sie von dem Akkordeon-Virtuosen und Pianisten Darius Swinoga.

"Die Menschheit hat den Verstand verloren"

Eines der populärsten Volkslieder in schwedischer Sprache, „Vem Kann Sagla“, war der wunderbare Einstieg in einen emotionalen Abend. Jahre bevor Astrid Lindgrens Kinderbücher entstanden, schrieb sie ihre Gedanken über das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts in ihren Tagebüchern nieder. Ihre Beobachtungen werden anschaulich mit „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ zusammengefasst. Sie zeugen von Mut, Hoffnung, Liebe und Widerstand. Astrid Lindgren hat mit ihren Geschichten den Blick auf die Welt verändert und die Kindheit von Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Ihre Aufzeichnungen zum Verlauf des Krieges, den wechselnden Fronten und zum Leid, das er bei so vielen Menschen brachte, geben ihre persönlichen Einschätzungen wieder, die in der Lesung mit den Zuhörern geteilt werden.

Der Krieg kommt Schweden sehr nahe

Die 32-Jährige ist Mutter eines Sohnes im Teenageralter und der fünfjährigen Tochter Karin, mit deren Vater, Sture, Lindgren verheiratet ist. Die Familie lebt in Stockholm.Das neutrale Schweden bleibt vor der brutalen Gewalt des Krieges bewahrt. Allerdings erreicht der Krieg Finnland und Dänemark und kommt damit Lindgrens Heimat sehr nahe, was die Versorgung der Schweden mit lebensnotwendigen Gütern einbrechen lässt. Lindgren arbeitet als Büroangestellte und ab Herbst 1940 in der Postkontrollanstalt, der Briefzensur des schwedischen Geheimdienstes.
Diese Tätigkeit vermittelt ihr persönliche Eindrücke von den Auswirkungen des Krieges auf die von den Deutschen besetzten Länder. Sie liest die Abschiedsbriefe, schreibt sie heimlich ab und fügt sie in ihr Tagebuch ein. Sie schreibt, um sich zuverlässig erinnern zu können, auch an die Judenverfolgungen, Deportationen und Ghettos im besetzten Polen.

"Lili Marleen" in vier Sprachen

Die Texte aus den Kriegstagebüchern wechselten sich ab mit Liedern vom Widerstand in den besetzten Ländern, Wiegenliedern und Liedern, die an das Leid der jüdischen Bevölkerung erinnern. „Lili Marleen“, das Lied, das untrennbar mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden ist, sang Eva Mattes in vier Sprachen, einfühlsam begleitet von Darius Swinoga mal als Pia-, mal als Akkordeonist.

Titellied zu "Pippi Langstrumpf" gesungen

Als Gegenpol zu den düsteren Aspekten gab es einen heiteren Gastauftritt von Pippi Langstrumpf. Mattes las aus „Pippi geht zur Schule“. Als 14-Jährige nahm Eva Mattes den Titelsong der deutsch-schwedischen Fernsehserie „Pippi Langstrumpf“ auf. Der wurde Mittwochabend im Kulturwerk abgespielt, und die Schauspielerin sang temperamentvoll mit. Zum Abschluss sang Eva Mattes noch „Thula, Thula“, ein Wiegenlied aus Südafrika, gewidmet den Kindern unter den 65 Millionen Emigranten, die heute weltweit auf der Flucht sind, bevor ein emotionaler, unter die Haut gehender Abend seinen Abschluss fand. Er endete mit Lindgrens Tagebuch-Eintrag am 7. Mai 1945: „Der Krieg ist aus, der Krieg ist aus, der Krieg ist aus. Man kann nicht alle Deutschen hassen, man kann sie nur bedauern.“

„Und über uns der Himmel“

Mit dem Titelsong des gleichnamigen Films mit Hans Albers „Und über uns der Himmel“, der als erster deutscher Nachkriegsfilm in der amerikanischen Besatzungszone gedreht wurde und 1947 durch die Militärzensur der Alliierten freigegeben wurde, verabschiedeten sich Eva Mattes und Darius Swinoga von ihren begeisterten Zuhörern.

Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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