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Übersetzerin Ursel Allenstein bei den Westerwälder Literaturtagen
Tove Ditlevsen - eine "Kindheit" in Kopenhagen

Treffen sich zwei Literaturübersetzer: Bernhard Robben moderierte den Abend für Tove Ditlevsen im Kulturwerk Wissen. Ihre Übersetzerin Ursel Allenstein stellte den Roman „Kindheit“ vor und sprach von ihrer eigenen Arbeit.
  • Treffen sich zwei Literaturübersetzer: Bernhard Robben moderierte den Abend für Tove Ditlevsen im Kulturwerk Wissen. Ihre Übersetzerin Ursel Allenstein stellte den Roman „Kindheit“ vor und sprach von ihrer eigenen Arbeit.
  • Foto: Kulturwerk/Michael Stahl
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ba Wissen. Mit „Kindheit“ präsentierte das Kulturwerk Wissen am Samstagabend im Rahmen der 20. Westerwälder Literaturtage ein einzigartiges literarisches Werk von Tove Ditlevsen. Per Livestream hatten Interessierte die Möglichkeit, nahezu aus erster Hand Einblicke in das Werk der dänischen Autorin zu erhalten. Denn zur Gesprächsrunde eingeladen war Ursel Allenstein, die mit ihrer literarischen Übersetzung quasi zur Stimme Ditlevsens geworden ist und die eindringlichen Worte der Schriftstellerin mit Finesse und sprachlichem Einfühlungsvermögen ins Deutsche übertragen hat.

ba Wissen. Mit „Kindheit“ präsentierte das Kulturwerk Wissen am Samstagabend im Rahmen der 20. Westerwälder Literaturtage ein einzigartiges literarisches Werk von Tove Ditlevsen. Per Livestream hatten Interessierte die Möglichkeit, nahezu aus erster Hand Einblicke in das Werk der dänischen Autorin zu erhalten. Denn zur Gesprächsrunde eingeladen war Ursel Allenstein, die mit ihrer literarischen Übersetzung quasi zur Stimme Ditlevsens geworden ist und die eindringlichen Worte der Schriftstellerin mit Finesse und sprachlichem Einfühlungsvermögen ins Deutsche übertragen hat.

Kollege Bernhard Robben als Moderator

Moderiert wurde der Abend vom ebenfalls preisgekrönten Literaturübersetzer Bernhard Robben, der im Gespräch mit Ursel Allenstein den Worten und dem Wesen der Autorin auf den Grund gehen wollte. Denn persönlich kennenlernen konnte Allenstein Tove Ditlevsen, die bereits 1976 mit 58 Jahren Selbstmord beging, leider nie. Überhaupt ist die Schriftstellerin zumindest in Deutschland vielen Menschen eher unbekannt, was vor allem daran liegen mag, dass viele ihrer Bücher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Dabei ist das literarische Werk durchaus umfassend.

Deutschland im "Tove-Fieber"

Ihr 1962 in Deutschland erschienener Roman „Straße der Kindheit“ brachte ihr jedoch noch nicht die verdiente Anerkennung. Erst „Kindheit“, der erste Roman ihrer autofiktionalen „Kopenhagen-Trilogie“, die mit „Jugend“ und „Abhängigkeit“ komplettiert wurde, entfachte hierzulande das „Tove-Fieber“ und brachte ihr die Anerkennung, die ihr gebührt. Dabei ist die Dänin in ihrem Heimatland längst eine berühmte Autorin.

Eine Kindheit, lang und schmal wie ein Sarg...

Ein Ziel, das sie ohne Wenn und Aber verfolgte, obwohl ihre Voraussetzungen alles andere als gut waren. Denn Ditlevsen stammt aus ärmlichen Verhältnissen und wuchs im Arbeiterviertel Kopenhagens auf. Ihr Vater war ein einfacher Heizer, ihre Mutter eine hartherzige Frau. Die Kindheit ist ihren Worten nach „lang und schmal wie ein Sarg, aus dem man sich nicht allein befreien kann“. Und doch hat sie das scheinbar Unmögliche versucht, indem sie sich mit Worten in eine literarische Parallelwelt katapultiert hat – obwohl ihr Vater ihr unmissverständlich zu verstehen gab, dass ein Mädchen nicht in der Lage sein könne, Schriftstellerin zu werden.

Frauen-Generationen lesen Ditlevsen

Ditlevsen hat diese Behauptung mehr als eindrucksvoll widerlegt, denn laut Ursel Allenstein wurde ihre Literatur in Dänemark „von Generation an Generation an Frauen weitergegeben“. Mit ihren gradlinigen Worten legte die Autorin den Finger in viele Wunden und thematisierte neben vier gescheiterten Ehen, in denen sie nicht davor zurückschreckte, die Männer zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren, auch einen Schwangerschaftsabbruch, Suchtprobleme und ihren Aufenthalt in der Psychiatrie. Eine Zeit, in der sie sich offenbar glücklich fühlte und endlich ungestört Zeit zum Schreiben fand.

„Man ist in diesen Bildern sofort drin"

Doch „ist die Tove Ditlevsen, die in diesem Roman auftaucht, tatsächlich identisch mit der Autorin?“, fragt Bernhard Robben. Die Tatsache, dass sie ihren Geburtstag im Roman um genau ein Jahr nach hinten verschoben hat, mag darauf hindeuten, dass der Leser achtsam sein und sie nicht mit ihrer Romanfigur gleichsetzen soll. Doch zweifelsohne hat die Autorin bei ihrer autobiografischen Inspiration aus den Bildern geschöpft, die sie im Kopf hatte. „Je genauer man sie liest, desto mehr merkt man, wie das durchkomponiert ist“, erklärt Allenstein. „Man ist in diesen Bildern sofort drin. Wie in einem Guckkasten. Man wird direkt reingezogen“, beschreibt sie das Gefühl beim Lesen.

Übersetzen in einer Art Flow

Eine adäquate Übersetzung zu liefern, ist eine große Herausforderung. „Der Anfang ist immer am schwierigsten“, erklärt Ursel Allenstein. „Man tritt in Dialog mit dem Text.“ Schließlich entstehe eine Art Flow, sodass Wörter ihr oft zufliegen und falsche Wörter beim Korrekturlesen ihr quasi entgegenspringen. Drei Bücher von 30, die Tove Ditlefsen geschrieben hat, hat Ursel Allenstein mittlerweile übersetzt, und es gibt Pläne, die erfolgreiche Arbeit mit dem 1968 erschienenen Roman „Ansigterne“ weiterzuführen. Fans der dänischen Autorin dürfen sich auf das Ergebnis freuen, denn Bernhard Robben bringt auf den Punkt, was den Leser erwarten wird: „Das ist großartig, das ist Weltliteratur, das wird ein Erlebnis sein!“
Wer den inspirierenden Literaturabend verpasst und nun Lust bekommen hat, sich zu informieren, kann auch im Nachgang der Online-Veranstaltung per E-Mail an mail@kulturwerk-wissen.de einen Link zur Aufzeichnung bestellen.

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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