SZ

Westerwälder Autorin Annegret Held erzählt „Eine Räuberballade“
Wilde Wäller Wätze

Am Wiesensee aufgewachsen, nach vielen Jahren in Frankfurt nun wieder in Pottum zu Hause: die Autorin Annegret Held, die gerade ihren dritten
Westerwald-Roman herausgebracht hat.
  • Am Wiesensee aufgewachsen, nach vielen Jahren in Frankfurt nun wieder in Pottum zu Hause: die Autorin Annegret Held, die gerade ihren dritten
    Westerwald-Roman herausgebracht hat.
  • Foto: Elisa Held
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ciu Pottum/Wissen. Himmelhain, Seligenstadt, Finkenhahn, Windhausen. Namen wie ein Versprechen. Bezeichnungen verwunschener, verschwundener Orte. Geblieben sind ein paar schwere Steine – sichtbare Zeugnisse einer gewesenen Welt, Fingerzeige auf längst verblasste Geschichten, die neu erzählt werden wollen. Farbig, triefend vor Lebenslust und Liebesleid. Und ausgestattet mit starken Charakteren, die der Drang nach Freiheit hinaus in die Welt treibt und die Sehnsucht am Ende wieder zurück auf vertrautes Terrain; die verändert heimkehren, geläutert, gewachsen, mit sich im Reinen.

ciu Pottum/Wissen. Himmelhain, Seligenstadt, Finkenhahn, Windhausen. Namen wie ein Versprechen. Bezeichnungen verwunschener, verschwundener Orte. Geblieben sind ein paar schwere Steine – sichtbare Zeugnisse einer gewesenen Welt, Fingerzeige auf längst verblasste Geschichten, die neu erzählt werden wollen. Farbig, triefend vor Lebenslust und Liebesleid. Und ausgestattet mit starken Charakteren, die der Drang nach Freiheit hinaus in die Welt treibt und die Sehnsucht am Ende wieder zurück auf vertrautes Terrain; die verändert heimkehren, geläutert, gewachsen, mit sich im Reinen.

Es gibt schon zwei Westerwald-Romane

Annegret Held kann solche Geschichten erzählen, kann von einer verschüttgegangenen Wüstung aus einen Kosmos entwickeln, der innere und äußere Landschaften durchmisst und Jahrhunderte Altes nahbar macht. Mit ihrer „Räuberballade“ knüpft sie an ihre beiden Westerwald-Romane „Apollonia“ und „Armut ist ein brennend Hemd“ an – und geht noch weiter zurück in die Vergangenheit: in das 18. Jahrhundert. Revolutionäre Umbrüche und aufklärerisches Denken, das selbst die Dörfler über den Tellerrand (die Hecke …) schauen lässt, bringen Althergebrachtes ins Wanken. Und da die Köln-Leipziger-Straße auch mitten durch den Westerwald verläuft, führt sie Menschen – arme, reiche, gute, böse, von Adel oder Geistlichkeit, Händler, Bauern und Regenten – zusammen. Was auch Begehrlichkeiten weckt: Die Räuberei treibt wüste Blüten, und dorthin treibt es den Hannes. Der ist ein Scholmerbacher Taugenichts, ein Tunichtgut, ein „Oodocht“, der den frommen Vater zur Weißglut bringt. Halbtot schlägt der den Sohn eines Tages; sämtlichen Frust lässt der sonst so sanfte Wilhelm an seinem Jungen aus. Und der macht sich davon. Träumt vom lustigen Räuberleben, kommt mit seinem großen Mundwerk aber nicht allzu weit, trägt manche Blessur davon, schafft es aber doch nach manch Irrung und Wirrung immerhin zum 1799 historisch verbürgten Räuberkongress in Schupbach an der Lahn.

Marienthals "Wunderbüchlein" ist nicht weit

Dass dort auch die lebensfrohe Gertraud einen Auftritt wie ein wilder Watz hat und halb Scholmerbach dazu, lässt die Erzählung zunächst furios, später fast märchenhaft enden. Es ist ein vielschichtiger Entwicklungsroman, den Annegret Held geschrieben hat. Wieder in der ihr eigenen kräftigen Sprache, durch die der raue Wäller Wind rauscht und braust, gelegentlich aber auch zärtlich streift. Es ist die Sprache, „der O-Ton“, ihrer Kindheit und Jugend. Dieses „kein Nix und kein Naut“, das „Haareminsch“, das „Schinnost“ und der „Gockelhahn“ umreißen ihre Pottumer Welt, in der die Großmutter das Sagen hatte und die Zimmerleute oft genug zu viel „Durscht“, in der es einen wie den Hannes gab und eine wie die himmelfahrtsnasige Gertraud, wo sich Spuren aufgelassener Mühlen finden und Berichte über Heilungen (Marienthal mit seinem „Wunderbüchlein“ ist nicht weit) und über Räubersleute auch. Die Räuber der Annegret Held sind schon arge Gesellen, doch mit liebevollem Blick betrachtet. Sie haben was von Robin Hood und etwas vom Hotzenplotz, auch weil von den wirklichen Größen (dem Schinderhannes, dem Picard …) in diesem Metier hier nur vom Hörensagen zu lesen ist.

Polizistin zurück am Wiesensee

„Echten Räubern“ ist Annegret Held durchaus begegnet: „Ich war ja Polizeibeamtin …“ Nach vielen Jahren in Frankfurt am Main, wo nach und nach ihr Kreis aus Freundinnen und Freunden aus zum Teil tragischen Gründen zerbrach, ist sie zurückgekehrt in den Westerwald, in „mein Dorf“, wie sie sagt und wo es ihr, der bundesweit geachteten Autorin, leicht gemacht wird, wieder anzukommen. Die Menschen begegneten ihr einfach so. „Sie machen keinen Zirkus.“ Das sei „unglaublich angenehm“. Ob die Gegend um den Wiesensee ihre Phantasie erneut beflügeln wird? Wer weiß. Der Verlag, Eichborn, wünschte es sich schon. Ihre Leserinnen und Leser vermutlich auch. Doch erst einmal, so Annegret Held, habe es sie erschöpft: „Ein Buch ist wie eine Geburt.“

Lesung bei Westerwälder Literaturtagen

Nun darf das Neue laufen lernen – auf einer Lesereise, die auch zu den Westerwälder Literaturtagen führt: am Samstag, 24. Oktober, 19.30 Uhr, ins Kulturwerk Wissen (www.ww-lit.de).

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen