Vermutung: Baby zweimal heftig geschüttelt
28-Jähriger soll Tochter getötet haben

Vor dem Landgericht in Koblenz muss sich ein 28-Jähriger verantworten, der seine Tochter getötet haben soll.
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damo Wissen. Noch hat Sebastian T. (Namen geändert) nicht versucht, das Unerklärliche zu erklären: Erst an einem der nächsten Prozesstage will der 28-jährige Angeklagte aussagen. Damit steht bislang, schwer wie Blei, nur die Version der Staatsanwaltschaft im Raum. Sie wirft dem jungen Mann aus Wissen vor, seine eigene Tochter getötet zu haben.

Hannahs Leben war zu Ende, bevor es wirklich begonnen hat: Anfang November ist die Kleine auf die Welt gekommen, am 15. Januar ist sie in der Siegener Kinderklinik gestorben. „Hannah war ein fröhliches Kind“, berichtete Staatsanwältin Katharina Teicher, und vor allem sei sie gesund gewesen. Die Ärzte hätten bei der Geburt einzig eine Hüftdysplasie festgestellt, die man erfolgreich hätte therapieren können. Aber dazu ist es nicht gekommen.

Totschlag statt Mord

Und das, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft, ist die Schuld des Angeklagten. Die klassischen Mordmerkmale des Paragrafen 211 haben die Ermittlungsbehörden nicht ausmachen können; angeklagt ist ein Totschlag. Und zwar an einem Menschen, der im höchsten Maße davon abhängig war, dass sein Umfeld sich liebevoll um ihn kümmert.

Zweimal soll Sebastian T. seine Tochter heftig geschüttelt haben. „Er fühlte sich zunehmend gestört, wenn das Kind weinte. Er reagierte empfindlich, distanzierte sich von ihr“, schickte die Staatsanwältin voraus. Dann kam sie auf den 3. Dezember zu sprechen. Hannah war kurze Zeit mit ihrem Vater allein. „Sie begann zu weinen, und er wollte sie zum Schweigen bringen. Erst hielt er ihr Mund und Nase zu, dann schüttelte er sie so stark, dass sie sich erbrach.“ Schon dieser erste Übergriff blieb nicht ohne körperliche Folgen bei Hannah: Wenige Tage später trat ein Krampfanfall auf.

Etliche Suchanfragen bei Google rekonstruieren

Auch an Sebastian T. ging das Erlebte nicht spurlos vorbei – es hallte nach. Und spätestens seit diesem Tag muss er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gewusst haben, dass es mit nichts zu entschuldigen ist, einen Säugling zu schütteln. Denn die Ermittler haben seinen Computer untersucht, und sie konnten etliche Suchanfragen bei Google rekonstruieren: Nach dem 3. Dezember fanden sie in der Browser-Historie des Angeklagten wiederholt Webseiten, die sich mit Schütteltraumata bei Säuglingen befassen.

Und doch gab es ein zweites Mal – mit letalen Folgen. Am 18. Dezember hatten sich Sebastian T. und seine Lebensgefährtin gestritten, die Stimmung war angespannt. Wieder war er kurz mit Hannah allein, wieder begann sie auf seinem Arm zu weinen. „Er schüttelte sie erneut mehrfach heftig und schnell“, heißt es in der Anklageschrift, „der Kopf schlug unkontrolliert hin und her“.

"Er wollte sie
zum Schweigen bringen."

Katharina Teicher
Staatsanwältin

Hannahs kleiner Körper kapitulierte unter der Gewaltanwendung: „Sie atmete schnappend, reagierte nicht mehr“, warf die Staatsanwältin dem Angeklagten vor. Als Hannahs Mutter ins Wohnzimmer zurückkehrte, griff sie zum Telefon und setzte einen Notruf ab. Wenige Minuten später kam der Notarzt an – aber ihm wurden wichtige Informationen vorenthalten: „Der Angeklagte verneinte das Unfallgeschehen.“

Warten auf Gutachten von Gerichtsmediziner

Ob Hannahs Leben zu diesem Zeitpunkt noch zu retten gewesen wäre, wird wohl erst erhellt werden, wenn der Gerichtmediziner sein Gutachten vorgetragen hat. Fakt ist: Weil das Baby zu diesem Zeitpunkt keine klaren Symptome aufwies, blieb es in der Wohnung zurück.

Ein 28-Jähriger soll seine Tochter getötet haben.
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Aber die vermeintliche Stabilisierung war nicht von langer Dauer: Die Symptome kamen schnell wieder – schlimmer als zuvor. Mit dem Auto brachten die jungen Eltern ihr Kind ins Kirchener Krankenhaus. Als sie dort ankamen, war Hannah schon ins Koma gefallen. Die Ärzte haben sie reanimiert, intubiert und beatmet.

Gehirn durch Gewalteinwirkung geschädigt

Aber ohne Erfolg – das Gehirn des Säuglings war durch die Gewalteinwirkung zu sehr geschädigt worden. „Hannah ist am 15. Januar im DRK-Klinikum Siegen als Folge des Schüttelns vom 18. Dezember verstorben“, schloss die Staatsanwältin ihre Ausführungen.

Sebastian T., ein eher schmächtiger junger Mann, der sich beim Betreten des Gerichtssaals mit einem Aktenordner vor den Fernsehkameras versteckt hatte, hörte sich all das stumm an, den Blick auf den Boden gerichtet. „Für ihn geht es um alles“, sagte seine Verteidigerin. Aber man möchte der Juristin widersprechen: Für ihn geht es um viel, aber nicht um alles. Um alles ist es für Hannah gegangen. Und sie hat verloren.

Vor dem Landgericht in Koblenz muss sich ein 28-Jähriger verantworten, der seine Tochter getötet haben soll.
Ein 28-Jähriger soll seine Tochter getötet haben.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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