50 Ordner für den normalen Bürohengst

Ein Papier wird nie divers, sagt Edith Stork / Autorin im Kampf gegen die Büro-Unordnung

goeb Wissen. »Man hält ein Papier so lange in der Hand, bis man weiß, wo es hingehört.« Das Statement stammt von einer rothaarigen Frau namens Edith Stork. Edith Stork ist seit zehn Jahren in Sachen Büro-Organisation missionarisch in der Republik und dem angrenzenden deutschsprachigen Ausland unterwegs. »Man kann mich auch verschenken«, scherzt sie vor den Schülern der Höheren Berufsfachschule Wirtschaft in Wissen.

Neue Perspektiven

Sie pflegt einen eigensinnigen Humor und eine mit hintersinnigem Witz gewürzte Sprache. Sie ist der Schreck für’s verlotterte Büro, privat oder in der Firma. Bei den meisten Menschen ist das Büro-Chaos ungewollt. Viele Menschen leiden sogar unter dem selbstgeschaffenen Durcheinander. Geht nichts mehr, wird Edith Stork gerufen. Sie trägt aber auch dazu bei, dass es gar nicht erst so weit kommt. Die gebürtige Frankfurterin versteht ihre Tätigkeit wohl als Hilfe zur Selbsthilfe. Völlig neue Lebensperspektiven sind mit ihrer Unterstützung schon entstanden.

Dass die Berufsfachschule an der BBS Wissen sie für einen Vormittag »buchen« konnte, ist ein Glücksfall für die Jugendlichen, denn die Autorin von Büchern wie »Logistik im Büro – Unordnung kostet Geld« oder »Tatort Büro – Gegen die Zurichtung des Menschen im Büro«, ihr neuestes Werk, ist vor allem in Unternehmen eine gefragte Referentin. Das kommt den Schülern sehr zupass, da sie später alle einmal mit Arbeit in Büros ihr Geld verdienen werden, sei es in der Privatwirtschaft oder in der kommunalen Verwaltung. Prävention ist die halbe Miete.

950 Akten sind Rekord

Als ehemalige Sekretärin kennt sie natürlich die Achillesfersen der Firmen. 50 Ordner kann ein normaler Bürohengst heute gut allein verwalten, meint sie. Für alles darüber hinaus braucht er einen Adjutanten. Auf ihren Inspektionsreisen durch tausende deutscher Büros hat sie schon viel erlebt. Ein Sachbearbeiter mit sage und schreibe 950 Akten unter seiner Kuratel hält den Rekord.

In »Tatort Büro« beschreibt sie eine kafkaeske Szene: »Ich hatte eine Begegnung der seltenen Art in einem Büro, da saßen und hingen in Sichttaschen und standen etwa 40 Elche im Raum und mittendrin regierte die Sachbearbeiterin, unbeirrbar und standfest wie eben ein Elch«. Die fehlende systematische Ablage und deren Wildwuchs bringt immer wieder eigenwillige Situationen hervor.

Wie einer sein Büro-Biotop organisiert, ist eine Typfrage. Recht verbreitet hierzulande sind immer noch »Volltischler« und »Bodengründler«. Ob jemand die Regentschaft über das Papier besitzt oder nicht, stellt Edith Stork rasch fest. Zuerst macht sie eine Chaos-Analyse, dann folgt der Nothilfeplan.

14 Handgriffe für ein Blatt

Ergonomisch sollen die Arbeitsabläufe sein, damit Zeit bleibt für Kreativität, denn kreative Mitarbeiter in einem geordneten System sind für Unternehmen bares Geld. Wussten Sie zum Beispiel, dass man 14 Handgriffe benötigt, um ein Blatt in einem Ordner unterzubringen. Man kann ausrechnen, was das kostet. 500 Blatt, erfahren die Schüler, fasst ein Ordner. »Somit kostet jeder Ordner empirisch schon mal 250 Euro in der Anlage.«

Der Mensch kommuniziert

Mit etwa 20 Prozent der Arbeitszeit gibt sie die Privatzeit an. Das scheint zum Leben dazu zu gehören, räumt sie ein. »Es ist nicht wegzuätzen, dass der Mensch kommuniziert.« Die meiste Zeit geht laut Frau Stork durch mehr oder weniger planloses Gesuche verloren. Im Laufe der Jahre hat Edith Stork ein Ablagesystem entwickelt und sich patentieren lassen. Es erlaubt schnelle Zugriffe auf Dokumente. Als sie die Grundzüge erklärt, spitzen die Schüler die Ohren. »Ich will nicht suchen«, schärft sie ihnen ein, »ich will auch nicht zufällig finden.« Für Aktensümpfe hat die Büro-Organisatorin nun einmal nichts übrig.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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