80 Meter tief in die Vergangenheit

SGV hat Stollen in Birken wieder begehbar gemacht / Führungen am 10. September

damo Birken. Dass es in Mudersbach eine Flur gibt, die den Namen »Schieferwald« trägt, ist kein Zufall – und ebenso wenig ist damit gemeint, dass die Bäume dort alle im 45-Grad-Winkel wachsen. Der Name »Schieferwald« leitet sich vielmehr von einem Reichtum ab, der unter der Erde zu finden war: Der Mudersbacher Schiefer hatte vor Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf, denn er ließ sich in dünnste Platten spalten, die für den Dach- und Wandbeschlag optimal gewesen sein sollen. Folgerichtig kam ein findiger Dachdecker in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Idee, sich die Materialien für die Dacheindeckungen selbst zu fördern: 1856 wurde der Stollen der Grube »Härdtchen« in den Berg getrieben, berichtet Klaus Keil. Und dass der Vorsitzende der SGV-Abteilung Siegtal darüber so gut informiert ist, ist das Ergebnis einer anderen cleveren Idee: Der SGV hat das Stollenportal und den Stollen wieder in einen vorzeigbaren Zustand gebracht.

Mudersbacher Schiefer verwendet

Gestern präsentierten Klaus Keil, Maurer Bernhard Weber und Mudersbachs Ortsbürgermeister Maik Köhler das Ergebnis von unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit – denn mittlerweile sind die Arbeiten am und im Stollen so gut wie abgeschlossen. Vor dem Stollen ist ein kleiner Platz entstanden, der mit Bänken und Infotafeln zum Verweilen einlädt: Von dort können Wanderer den Blick über die nahe gelegene Sieg schweifen lassen. Das Stollenportal selbst, das vor einigen Jahren nicht mehr als ein dunkles Loch war, ist heute mit einer neuen Tür versehen und mit einer Mauer eingefasst. »Diese Mauer besteht aus Schiefer, und teilweise kommt der Schiefer aus dem Stollen«, berichtet Bernhard Weber aus Mudersbach, der die Mauer angefertigt hat. Nur noch eine kleine Ecke fehlt noch, dann ist Webers Arbeit vollendet. »Das dauert noch eine Woche«, sagt er, »aber erst muss das Wetter gut werden.« Denn nach dem Spalten in feine Platten kann der Schiefer nur in trockenem Zustand verarbeitet werden – und so machte der Regen dem SGV in den vergangenen Wochen einen Strich durch die Rechnung.

Insgesamt haben neun Männer in ihrer Freizeit dafür gesorgt, dass der alte Stollen wieder begehbar ist. So wurden unter anderem Gänge und Abbauhallen aufgeräumt, der Eingangsbereich mit Beton verstärkt, sechs Tonnen Kies verteilt, Stromkabel verlegt und Grubenwagen aufgestellt.

Weil das Gebirge stabil ist und so eine Stollenbegehung keine Risiken birgt, hat das Bergamt den Männern um Klaus Keil grünes Licht gegeben, den Stollen für Vereinszwecke des SGV nutzen zu dürfen. Und weil der rund 80 Meter lange Stollen mit seinen zwei Abbauhallen einen guten Blick in das harte Handwerk des Schieferbergbaus vermittelt, haben sich schon viele Gruppen zu Führungen angemeldet. Klaus Keil hat rund 300 Menschen durch den Berg geführt, darunter auch Schulklassen aus Brachbach.

Bei den Führungen geht Keil immer auch auf die wechselvolle Geschichte des Stollens ein: Kurz nach der Jahrhundertwende wurde der Stollen laut Keil geschlossen – und das, obwohl in den Abbauhallen immer noch der Schiefer an der Decke steht. Danach war es lange Zeit still in dem alten Bergwerk, bis es den Birkenern im Krieg als Luftschutzstollen diente. Später schließlich nutzte die Firma Gebrüder Becher den Stollen als Sprengstofflager – natürlich unter strenger Kontrolle.

Zuschüsse aus der Gemeindekasse

Dass der Stollen mittlerweile wieder begehbar ist, freut auch Maik Köhler: Der Mudersbacher Ortsbürgermeister machte sich gestern selbst ein Bild von den Arbeiten rund um das alte Bergwerk. »Hier wurde eine vernünftige Idee wunderbar umgesetzt«, lobte Köhler. Die Umsetzung ist nicht nur der Ortsgemeinde zu verdanken, die das Projekt finanziell gefördert hat – auch einige heimische Firmen und der Bürgerverein Mudersbach haben dem SGV bei seinem Projekt unterstützt.

Wer selbst den 80 Meter langen Stollen erkunden möchte, ist dazu herzlich eingeladen: »Wer Interesse an einer Führung hat, kann sich gerne bei mir melden«, sagt Keil – oder am 10. September an dem Stollen, der zwischen Birken und Brachbach knapp oberhalb der Sieg liegt, erscheinen. Denn an diesem Sonntag will der SGV anlässlich des »Tags des offenen Denkmals« Führungen anbieten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.