»Abrahamisches Forum« lockte viele Zuhörer

Infoabend im Wissener Gemeindehaus: Dialog zwischen Christentum und Islam fortsetzen

sz Wissen. Statt des Trios kam nur ein Duett, aber auch dieser Effekt hatte es in sich: Denn statt in die Breite ging es halt in die Tiefe. Beim Abrahamischen Forum, einem Informations- und Diskussionsabend, im Wissener Gemeindehaus wurde nach Gemeinsamkeiten gesucht, Trennendes ausgemacht und viel voneinander gelernt.

Der Erwachsenenbildungsausschuss des Evangelischen Kirchenkreises hat sich auf die Fahnen geschrieben, den bei der Kreissynode in Herdorf begonnenen »Dialog Christentum-Islam« fortzusetzen. Dazu sollte auch der Gesprächs- und Informationsabend des »Abrahamischen Forums« jetzt dienen. Da sich die drei Religionen Christentum, Islam und Judentum auf ihre abrahamischen Wurzeln berufen, können hier die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede gut nachvollzogen werden.

Zahlreiche Interessierte aus dem gesamten Kirchenkreis hatten die Gelegenheit zum Zuhören und Diskutieren genutzt und waren nach Wissen gekommen. »Leider«, so Volker Hergenhan vom Erwachsenenbildungsausschuss, »musste der islamische Theologe Amir Zaidan seine Teilnahme kurzfristig absagen«. Doch die beiden anderen aus dem »Abrahamischen Team«, die jüdische Schriftstellerin Petra Kunik aus Frankfurt und der Siegener Theologe Ralph van Doorn, hatten genug Gesprächsstoff anzubieten, und so wurde die Diskussionsrunde unter Leitung von Pfarrer Thomas Roessler-Schaake, (Flammersfeld), Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog, trotzdem ausgesprochen munter und bot allerlei Nachdenkliches.

Die temperamentvolle Schriftstellerin und Schauspielerin Petra Kunik (Jahrgang 1945) ist aktiv in der jüdischen Gemeinde in Frankfurt und Vorsitzende der »Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit« in Frankfurt. Ihr ist es wichtig, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, ohne dies jedoch aus den Augen zu verlieren.

Sprachprobleme hemmen Dialog

Beide, Kunik und van Doorn, konnten sich an einem sachkundigen Publikum erfreuen, so dass die Diskussion schnell an »spannende Punkte« geriet. Aber auch Aktuelles blieb natürlich nicht außen vor. Ebenso wurde an dem Tag in Wissen schnell deutlich, dass »Sprachprobleme« den Dialog immer wieder zum Stocken bringen können. Nur zu schnell werden die Verbindungen »deutsch = christlich« und »jüdisch = israelisch« im Wortgefecht gebraucht und führen zu Missverständnissen.

Von Interesse für das Wissener Publikum war natürlich auch das Leben der heutigen jüdischen Gemeinde. Petra Kunik, die mit ihrer Gabe zu erzählen auch allein einen höchst kurzweiligen und informativen Abend hätte bestreiten können, berichtete über die Veränderungen in ihrer Frankfurter Gemeinde, die sich vor allem auch durch den Zuzug aus den ehemaligen GUS-Staaten ergeben haben. So stehe die Sprachförderung und die Integrationsarbeit viel stärker im Vordergrund als zu früheren Zeiten. Um Jugendliche kümmere man sich intensiv und sorge hier für entsprechenden Angebote. Nicht immer einfach sei es, das unterschiedliche Verständnis von »jüdisch« im Alltag zu leben. So verstehen die Alteingesessen »jüdisch-sein« schlichtweg als Religionszugehörigkeit, während die neuen Gemeindeglieder aus den GUS-Staaten auf Grund ihrer Erfahrungen dort es eher als Volkszugehörigkeit definieren.

»Interessante Einblicke, viel Gesprächsstoff«, für Volker Hergenhan und das Wissener Publikum war es ein wichtiger Baustein im Dialog der Religionen, wenn auch die ursprüngliche Fragestellung des christlich-islamischen Dialogs zu einem späteren Zeitpunkt erst vertieft werden kann.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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