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Bundestagswahl vor 30 Jahren – mit dem neuen Abgeordneten Ulrich Schmalz
Als Merkel keinen Eindruck hinterließ

Ulrich Schmalz 1990 bei seiner Kür zum Bundestagskandidaten. Seinerzeit setzte er sich u. a. gegen Mitbewerberin Doris Szwed durch, die auf diesem Foto irgendwie an Angela Merkel erinnert.
  • Ulrich Schmalz 1990 bei seiner Kür zum Bundestagskandidaten. Seinerzeit setzte er sich u. a. gegen Mitbewerberin Doris Szwed durch, die auf diesem Foto irgendwie an Angela Merkel erinnert.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

thor Wissen. Es ist an diesem Dezemberabend des Jahres 1990 mehr als eine einfache Weihnachtsfeier der Union in Bonn. Wenige Tage zuvor ist der erste gesamtdeutsche Bundestag gewählt worden – und zum ersten Mal kommt die neue Fraktion zusammen. Mit Abgeordneten vom Rhein, von der Oder und der Elbe, von Bayern bis Vorpommern. Mittendrin: Ulrich Schmalz aus Wissen. Nach 20 Jahren im rheinland-pfälzischen Landtag betritt der CDU-Mann aus dem AK-Land erstmals die große bundesdeutsche Polit-Bühne.
„Merken Sie sich die, aus der wird noch was“Schmalz sitzt an diesem Abend an einem der vielen Sechser-Tische, einer seiner Nachbarn ist Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR. Nach einer launigen Rede von Helmut Kohl kommt irgendwann eine junge Frau an den Tisch.

thor Wissen. Es ist an diesem Dezemberabend des Jahres 1990 mehr als eine einfache Weihnachtsfeier der Union in Bonn. Wenige Tage zuvor ist der erste gesamtdeutsche Bundestag gewählt worden – und zum ersten Mal kommt die neue Fraktion zusammen. Mit Abgeordneten vom Rhein, von der Oder und der Elbe, von Bayern bis Vorpommern. Mittendrin: Ulrich Schmalz aus Wissen. Nach 20 Jahren im rheinland-pfälzischen Landtag betritt der CDU-Mann aus dem AK-Land erstmals die große bundesdeutsche Polit-Bühne.

„Merken Sie sich die, aus der wird noch was“

Schmalz sitzt an diesem Abend an einem der vielen Sechser-Tische, einer seiner Nachbarn ist Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR. Nach einer launigen Rede von Helmut Kohl kommt irgendwann eine junge Frau an den Tisch. Zwar wird sie Schmalz von de Maizière persönlich vorgestellt, einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt sie nicht. Allerdings wird ihm ein Satz seines Parteifreundes in Erinnerung bleiben: „Merken Sie sich die, aus der wird noch was.“ In der Tat: AusDr. Angela Merkel sollte noch etwas werden, trotz dieser höchst unspektakulären ersten Begegnung mit Ulrich Schmalz.

Wahlkreis direkt gewonnen

An diesem Mittwoch vor genau 30 Jahren, am 2. Dezember 1990, waren die Menschen aus Ost und West aufgerufen worden, ein neues Parlament zu wählen. Und dem Wissener gelingt es für seine Partei, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Dabei hatte Schmalz eigentlich mit der Politik abgeschlossen. Nach den langen Jahren im Landtag (seit 1971) wollte er wieder unternehmerisch in seinem Reisebüro aktiv werden. 1988 aber rief ihn der Bundestagsabgeordnete Heinz Schwarz an und lud ihn nach Bonn ein. Es ging um die Nachfolge, und so vernahm Schmalz, dass er auserkoren worden war: „Du bist der richtige Kandidat.“ Er selbst zögerte zuerst – die Wiedervereinigung war noch nicht abzusehen –, doch letztlich riet ihm seine Frau, die neue Herausforderung anzunehmen. Gleichwohl gibt es Gegenkandidaten, doch Schmalz setzt sich durch. So wird er schließlich Teil der gesamtdeutschen Geschichte und der letzten Phase der Bonner Republik.

Am Anfang den Mund gehalten

Gerne würde der Christdemokrat, wie im Landtag, im Wirtschaftsausschuss arbeiten, doch als Neuling muss er sich erstmal hinten anstellen. Er kümmert sich fortan um Entwicklungshilfe und Tourismus – und trifft im dortigen Arbeitskreis auf einen jungen Aachener namens Armin Laschet. „Das Niveau war schon ein höllisch anderes. Wobei ich am Anfang darauf geachtet habe, den Mund zu halten“, blickt Schmalz auf seine ersten Erfahrungen im Bundestag zurück. Angela Merkel läuft ihm in seiner ersten Wahlperiode öfters über den Weg. Mehr als ihr politischer Instinkt fällt dem Wissener ihr hintergründiger Humor auf.
Es ist auch jene Zeit, in der sich die eigenen Parteifreunde aus den neuen Bundesländern in mehrfacher Hinsicht zurechtfinden müssen. Rücksicht und Einfühlungsvermögen sind gefragt und werden auch von Fraktionschef Alfred Dregger eingefordert. Auch Schmalz tut alles, um nicht als „Besser-Wessi“ in Verruf zu geraten. „Es gab Kollegen, die sich ruckzuck integriert haben, allen voran die Sachsen.“ Aber natürlich ist manches Verhältnis auch schwierig, haben etliche Abgeordnete doch einst in der DDR-CDU begonnen. Viele hören dann auch nach der ersten Wahlperiode auf.

In Riad vom König empfangen

1994 wird Schmalz wieder direkt gewählt, er ist zwar noch kein alter Hase, dennoch ist das Selbstbewusstsein gestiegen. Er will in den Auswärtigen Ausschuss, wo es ansonsten von Prominenz nur so wimmelt – und schafft es tatsächlich. Die Filetstücke wie die USA und Russland bei den Zuständigkeiten sind zwar schon vergeben, mit den Staaten auf der arabischen Halbinsel ist Schmalz aber mehr als zufrieden. „Während andere nur den Unterstaatssekretär getroffen haben, wurde ich in Riad vom König empfangen.“ Die Jahre ab 1994 sind auch die, in denen er Merkel, jetzt Umweltministerin, besser einschätzen lernt. Vor allem ab dann, als sie einen etablierten Staatssekretär absägt. Als Thronfolger von Kohl gilt aber auch für Schmalz in dieser Zeit Wolfgang Schäuble.
Kleine Randnotiz: Der Wissener gehört zu den klaren Fans von Bonn, als es um die Entscheidung über den künftigen Regierungssitz geht. Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert. Lokalpatriotismus, so beteuert der mittlerweile 81-Jährige, habe dabei keine Rolle gespielt. Sondern: „Ich wollte eine Hauptstadt mit einem toleranten Umfeld. Gerade in schwierigen Zeiten. Und ich wollte nicht in die Hohenzollern-Zeit zurück.“ Schmalz erinnert daran, dass es bei CDU/CSU und SPD sogar eine Mehrheit für Bonn gegeben habe. Auch als Reaktion auf den kommenden Abzug des Parlaments und der Regierung gründet Schmalz zusammen mit Botschafter a. D. Dr. Hans Alfred Steger das Forum Pro AK, um den Kreis Altenkirchen auch weiterhin mit politisch-kulturellen Denkanstößen zu versorgen.

Auf einen Kaffee mit Friedrich Merz

1994 taucht erstmals ein junger Christdemokrat aus dem Sauerland im Bundestag auf: Friedrich Merz und Ulrich Schmalz lernen sich im Rotary Club des Parlaments näher kennen. Acht Jahre später, der Wissener ist längst im politischen Ruhestand, laufen sich beide zufällig in Berlin über den Weg. Es geht auf einen gemeinsamen Kaffee in ein Lokal. Merz beschwert sich dabei über Merkel, die sich an keine Absprachen halte, und kündigt an, dass er den Bundestag verlassen werde. Schmalz warnt ihn vor einem Schnellschuss: „Wenn du raus bist, bist du raus.“ Kommentar Merz: „Du redest wie meine Frau.“ Der Rest ist Geschichte: Die Sturheit des Sauerländers siegt über die Empfehlung des Westerwälders.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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