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Neue Vorschriften (mit Kommentar)
Aufzug in Grundschule Wissen wird deutlich teurer

Mit der Franziskus-Grundschule in Wissen ist auch der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigt. Derzeit geht es um den Aufzug.
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  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Wissen. Sollte es die Corona-Lage zulassen, trifft sich der Schulträgerausschuss der Verbandsgemeinde Wissen am 4. November in der Franziskus-Grundschule, um sich ein Bild von der Umbau-Situation zu machen. Mit deutlichen Mehrkosten muss bei der Herstellung des Aufzuges gerechnet werden: Darüber wurde in der Hauptausschuss-Sitzung des Verbandsgemeinderates am Montagabend gesprochen. Die Architekten Hassel & Kolb hatten die Verwaltung des Rathauses darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Vorschriften bei der Verglasung solcher Aufzüge einschließlich der Stege geändert hätten. Anders als früher dürfe man jetzt nur noch Sicherheitsverbundglas verwenden.
Und wie so oft in vergleichbaren Fällen, zieht das einen „Rattenschwanz“ an Änderungen nach sich.

goeb Wissen. Sollte es die Corona-Lage zulassen, trifft sich der Schulträgerausschuss der Verbandsgemeinde Wissen am 4. November in der Franziskus-Grundschule, um sich ein Bild von der Umbau-Situation zu machen. Mit deutlichen Mehrkosten muss bei der Herstellung des Aufzuges gerechnet werden: Darüber wurde in der Hauptausschuss-Sitzung des Verbandsgemeinderates am Montagabend gesprochen. Die Architekten Hassel & Kolb hatten die Verwaltung des Rathauses darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Vorschriften bei der Verglasung solcher Aufzüge einschließlich der Stege geändert hätten. Anders als früher dürfe man jetzt nur noch Sicherheitsverbundglas verwenden.
Und wie so oft in vergleichbaren Fällen, zieht das einen „Rattenschwanz“ an Änderungen nach sich.

Mehrkosten von rund 42 600 Euro

Die Unterkonstruktion des Schachtes, ruft das Büro in Erinnerung, sei in Modulbauweise geplant worden (aus statischen Gründen in Etagen unterteilt). Problem dabei: Die Modulbauweise lässt bei der Feuerverzinkung die Schweißnähte soweit aufquellen, dass das ursprüngliche Glashaltesystem nicht mehr verwendet werden kann. Ein neues Glashaltesystem müsse deshalb eingebaut werden – ein System aus Pfosten und Riegeln mit Bohrungen und Haltewinkeln. Auch dies wird erwartungsgemäß nicht billiger.
Immerhin, die Kosten der alten Konstruktion (ca. 70 000 Euro) entfielen, rechnete die Verwaltung vor. Die Fa. Metallbau Müller habe zwischenzeitlich ein neues Angebot vorgelegt, und zwar in Höhe von 112 400 Euro. Netto komme es also zu Mehrkosten in Höhe von rund 42 600 Euro.

Baubeginn noch vor dem Winter

Genügend Mittel dafür, hieß es, seien im aktuellen Haushalt eingestellt. Es zeichne sich zudem ab, dass nicht alles Geld, was man dafür vorgesehen habe, ausgegeben werden müsse, sodass dieser Posten an Mehrkosten abgedeckt sei.
Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte der Auftragsvergabe an die Fa. Metallbau Müller einstimmig zu. Nach Freigabe des Angebots könne der Baubeginn des Aufzugsschachts noch vor dem Winter erfolgen.

Kommentar: Die große Lähmung Einen Vorgeschmack auf die Nach-Coronazeit bekommt man, wenn man sich die neue Praxis der Zuschussgewährung in der Verbandsgemeinde Wissen anschaut. Überall werden jetzt die Geldströme gedrosselt – und das bei gleichzeitig großen Investitionsmaßnahmen, die Wissen vor der Brust hat. Die Verbandsgemeinde an der mittleren Sieg, die sogar über überdurchschnittlich hohe Steuereinnahmen verfügt, gleichwohl den Rang der am zweithöchsten verschuldeten Kommune unter allen Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz einnimmt, ist für die Zukunft schlecht gerüstet. Dafür kann der im Sommer angetretene Bürgermeister Berno Neuhoff nichts. Das ins Sieg-Schwemmland gepfählte Euro-Grab Regiobahnhof trägt ebenso dazu bei wie der vollzogene Strukturwandel beim ehemaligen Walzwerk sowie die ewigen Zuschussnehmer Stadtbad und Bauhof – Letzterer ist der womöglich teuerste im gesamten Kreisgebiet. Man könne deshalb nur noch auf Sicht fahren, diese Parole vernahm man mehrfach in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Diesen Ausschuss hat es eiskalt erwischt. Eigentlich wollte das Gremium am Montag den Anbauten an die beiden Kindertagesstätten in Schönstein und Birken-Honigsessen grünes Licht geben. Doch stattdessen wurden die beiden insgesamt mit 2,8 Millionen Euro projektierten Maßnahmen ausgebremst, weil die Kommunalaufsicht in Altenkirchen die Investitionen nicht mehr genehmigt hat. Dass die Aufsicht einen solchen Schritt allein aushandelt, also ohne Landesvorgaben, ist unwahrscheinlich. Mainz tritt mächtig auf die Bremse. Beispielsweise hatte das Wissener Rathaus mit 300 000 Euro Förderung im Falle Schönstein gerechnet, zugesagt wurden – ja, man rieb sich die Augen – gerade mal 187 000 Euro. Und so wird sich das fortsetzen. Im Effekt führt das dazu, dass nun an beiden Kitas Mietcontainer aufgestellt werden. Dass dies alles nicht deckungsgleich ist mit immer höheren Standards, die der Bund vorschreibt im Zukunftsgesetz der Kitas, wird bereits deutlich. Die zunehmende Betreuung von Kleinstkindern, die Übermittagsbetreuung der Kleinen mit Verköstigung sowie die Herstellung von ausreichend Schlafplätzen wird Millionen verschlingen, die Mehrkosten beim Personal kommen noch obendrauf. Das alles muss man im Dämmerlicht des Investitionsumfeldes betrachten. Soeben hat Wissen die Umbaupläne des ehemaligen Katasteramtes zum neuen Rathaus fallen lassen müssen, weil sich das nicht rechnet. Hier sind bereits große Summen in die Pläne und Gutachten geflossen. Auch der anstehende (energetische) Umbau der Franziskus-Grundschule, einer der größten Grundschulen weit und breit, geht fürchterlich in Geld. Neuhoff sprach angesichts dieser Herausforderungen bei gleichzeitiger finanzieller Lähmung von der Quadratur des Kreises. Alle – Ortsgemeinden, Stadt Wissen und Verbandsgemeinde – bildeten eine Schicksalsgemeinschaft. Das neue „Label“, das die Kommunalaufsicht der Verbandsgemeinde im Zuge der ausgebremsten Kita-Pläne gegeben hat, muss für die Ratsdamen und -herren beklemmend wirken. Wer schwarz auf weiß bescheinigt bekommt, er sei „dauerhaft leistungsunfähig“, der kann wirklich nur auf Sicht fahren.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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