47-Jähriger sitzt zwei Tage auf einer Insel fest
Autist von Kanufahrerin gerettet

Auf dieser kleinen Insel in der Sieg bei Wissen hat der 47-Jährige zwei Tage verbracht. Die Stelle ist durch die fast undurchdringliche Ufervegetation nur vom Wasser aus einsehbar und auch erreichbar.
  • Auf dieser kleinen Insel in der Sieg bei Wissen hat der 47-Jährige zwei Tage verbracht. Die Stelle ist durch die fast undurchdringliche Ufervegetation nur vom Wasser aus einsehbar und auch erreichbar.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Marc Thomas

sz/thor Wissen. Es waren Stunden des Bangens, Wartens und Betens – und sicherlich auch der Verzweiflung. Zwei Tage lang fehlte von einem 47-jährigen Autisten jede Spur. Zwei Tage waren seine Eltern und Geschwister in großer Sorge. Und als die Polizei ihre Suche schon beendet hatte, kam doch noch die erlösende Nachricht. Der Mann aus der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf war von Kanufahrern auf einer kleinen Insel in der Sieg bei Wissen entdeckt worden, wo er ausgeharrt hatte. Wenig später konnte er wohlbehalten seinen Angehörigen übergeben werden.

Und das ist die Geschichte: Der 47-Jährige lebt seit vielen Jahren in einer Wohngruppe der „Lebenshilfe“, wo man sich nach Angaben seines Vaters fürsorglich um ihn kümmert. Am vergangenen Donnerstag, bei schon hochsommerlichen Temperaturen, fuhr sein Betreuer mit ihm zum Siegtal-Freibad nach Wissen. Zur Ankunftszeit war dies wegen Corona-Desinfektionsarbeiten kurzzeitig geschlossen, was aber so nicht zu erkennen war. Vor dem Bad stand ein weiteres Fahrzeug der „Lebenshilfe“. Mit diesem sollte der 47-Jährige später zurückkehren. Und so setzte der Betreuer seine Tour fort. Der Vater des Autisten spricht gegenüber der SZ von einer Verkettung unglücklicher Umstände, dem Mitarbeiter der „Lebenshilfe“ könne man keinen Vorwurf machen.

"Wir können der Frau
gar nicht dankbar genug sein."

Vater des Geretteten
über die Kanufahrerin

Da der 47-Jährige aber nun vor verschlossenen Toren stand, suchte er Abkühlung in der nahen Sieg – und geriet in eine hilflose Situation. Eine Vermisstenanzeige bei der Betzdorfer Polizei am gleichen Tag führte nicht zum erhofften Erfolg. Der Vater machte sich schließlich selbst auf die Suche, sogar mit Unterstützung seines extra angereisten Enkels.

Kanufahrerin und Begleiter entdecken Autisten

Und dann kam der Samstag: Am Nachmittag waren eine Kanufahrerin und ihr Begleiter auf der Heimfahrt von Wissen nach Windeck-Rosbach. In der Nähe von Pirzenthal, hinter der Fa. Weberit, wurden sie auf einer kleinen steinigen Insel in der Sieg auf den 47-Jährigen aufmerksam. Sie waren eigentlich schon an ihm vorbei gepaddelt, als die Frau Verdacht schöpfte. Vielleicht, so der Vater, hat es dafür weibliche Instinkte benötigt. Offenbar hatten schon zuvor Kanufahrer die Stelle passiert, die Situation aber nicht richtig eingeschätzt.

Da der Vermisste als Autist über ein ausgeprägtes Zahlengedächtnis verfügt, konnte er den Helfern gleich mehrere Telefonnummern nennen, darunter auch die der Eltern. Währenddessen näherten sich auch einige junge Männer aus Wissen, die mit Kanu und Schlauchboot auf der Sieg unterwegs waren. Mit ihrer Unterstützung konnte der 47-Jährige von der Insel geborgen, in ein Schlauchboot gesetzt und ans sichere Ufer gebracht werden. Zwei Tage lang hatte er nichts gegessen und seinen Durst nur mit Siegwasser gelöscht.

Hitzestrapazen ohne erkennbaren Schaden verkraftet

Die Retter brachten ihn zu einer Straße, wo er von seinem Vater in Empfang genommen und in ein Krankenhaus zur Untersuchung gebracht wurde. Nach ersten Ergebnissen hatte er die Strapazen trotz der Hitze ohne erkennbaren gesundheitlichen Schaden überstanden. Die Rettung kam gerade noch rechtzeitig, denn nach den schweren Unwettern am Wochenende führt die Sieg nun wieder deutlich mehr Wasser.

Die Eltern empfanden die Entdeckung ihres Sohnes und seine Rettung als eine Erhörung ihrer Gebete, in denen sie auf einen von Gott gesandten Engel in Menschengestalt gehofft hatten. Dass es eine junge Kanu-Fahrerin sein würde, konnten sie dabei nicht ahnen. „Wir können der Frau gar nicht dankbar genug sein“, betont der Vater. Und wie es der Zufall oder eben mehr als dieser wollte, heißt die Retterin Dorothee. Und ja, sagte sie in einem Telefongespräch mit ihm, sie wisse, was dieser Name bedeute: Gottesgeschenk.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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