Begegnung der seltsamen Art in den USA

„Ich und Du – Müllers Kuh”:

Reisegruppe lernte amerikanische Lehrerin kennen: Präsent für Kopernikus-Schule

Wissen. Es war eine Unterrichtsstunde der ungewöhnlichen Art für die Klasse 3f der Franziskus-Grundschule Wissen. Vor den Kindern lag ein Paket. Klassenlehrer Herbert Stangier bat einen der Schüler, den Absender herauszufinden. Dass dieser in den USA liegen musste, war schnell ermittelt. Doch wie kommt Post aus Amerika in eine Wissener Grundschulklasse?

Rückblende. Im Juli unternahm Stangier mit einer kleinen Reisegruppe einen dreiwöchigen Trip durch Nordamerika. Man besuchte zunächst die Hauptstadt Washington und fuhr dann an der Ostküste entlang hinauf nach Neuengland. Weiter ging es in Richtung Westen. Schließlich erreichten die Wissener Lancaster im Bundesstaat Ohio, wo die ganze Geschichte ihren Anfang nahm. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft fand man sich zunächst in einem Schnellrestaurant ein. Eine der Angestellten hörte vom Wunsch der Reisegruppe und nahm die Besucher freundlicherweise mit zu sich nach Hause.

Am nächsten Morgen ging es zurück in das besagte Restaurant. Ganz unvermittelt trat eine Frau an den Tisch der Wissener. „Ich und du – Müllers Kuh”, sprach sie und erklärte weiter auf englisch, dies seien ungefähr die einzigen ihr geläufigen deutschen Worte. Herbert Stangier konterte geistesgegenwärtig mit „Fischers Fritz fischt frische Fische”.

Man kam ins Gespräch und bald war klar, dass die Mutter der netten Dame aus Deutschland stammte. Carolyn Cook, so ihr Name, war eine Kollegin von Stangier und unterrichtete ebenfalls an einer Elementary School, was unserer Grund- beziehungsweise Hauptschule entspricht. In Lancaster hielt sie sich nur besuchsweise auf. Nach der ausgiebigen Unterhaltung tauschte man die Adressen aus. Carolyn Cook fügte noch an: „Sie hören von mir!”

Die Zufallsbegegnung war schon fast vergessen, da traf bei Herbert Stangier in der vergangenen Woche zu seiner größten Überraschung ein Paket ein. Es kam aus Topeka, der Hauptstadt des Bundesstaates Kansas und trug die Adresse von Carolyn Cook. In Topeka ist nämlich deren Schule zu finden.

Die Sendung wurde natürlich sofort geöffnet – und wieder verschlossen. Denn bestimmt war sie für die Schulklasse von Herbert Stangier. Groß war dann die Erwartung, als das Paket vor den Kindern lag. Nachdem klar war, dass es aus Amerika stammte, kannte die Neugier keine Grenzen mehr. Einige der Drittklässler durften das Paket aufmachen. Zum Vorschein kamen persönliche Schreiben von allen Schülern der Carolyn Cook an die Wissener Grundschüler. Sogar Fotos zur besseren Anschauung waren beigefügt. .In der dritten Klasse wird eine Stunde pro Woche Englisch unterrichtet, und so konnten die Wissener Kinder zumindest einige Worte verstehen. Beim Übersetzen half dann neben dem Klassenlehrer auch Lehramtsanwärterin Ilona Rickert.

In dem Paket befanden sich weiterhin Ansichtskarten von Topeka. Gezeigt werden unter anderem große Rinderherden und riesige Sonnenblumenfelder. Aus Sommenblumenkernen sind auch die beigefügten „Sunflower-Cookies”, einer offenbar in Kansas geschätzten süßen Köstlichkeit.

Die Wissener Kinder wollen sich natürlich für die Briefe bedanken und überlegen derzeit, wie dies am Besten geschehen kann. Auch Informationen über die Heimat sollen nach Topeka geschickt werden. Ob sich aus der Zufallsbegegnung eine Klassenpartnerschaft oder mehr entwickeln könnte, ist noch völlig offen. Schulleiter Werner Simon jedenfalls würde es begrüßen, wenn die Kontakte zwischen den Klassen von Carolyn Cook und Herbert Stangier so richtig in Gang kämen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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