Biotopoptimierung mit der Motorsense

Ökoprojekt im Einsatz für Schwarzstörche/Zusammenarbeit mit Arbeitsamt und RWE Net

dima Wissen. Leise plätschert die Wippe durch das schmale Wiesentälchen bei Wissen. Eine Erdkröte sitzt mitten in der frisch gemähten Wiese. Nebenan, im Staudendickicht am Wiesenrand, wohnen Kreuzspinne und Heupferd, eine Heuschreckenart. Natur pur im Wippetal; unterbrochen wird die Idylle nur vom Lärm der Motorsensen, die hier seit einigen Tagen im Einsatz sind. 17 Jugendliche aus dem Ökoprojekt des Betzdorfer Caritasverbandes kämpfen sich mit Muskelkraft und Maschinenhilfe und unter Anleitung von Projektchef Dr. Frank Wörner tapfer durch den mannshohen Brennnesseldschungel. Der soll einer artenreichen Wiesenvegetation weichen. Verhindern wollen die »Ökoaktivisten«, dass Büsche und Bäume das Wiesental zurückerobern. Was sie zweifellos tun würden, würde man sie nur lassen. Die natürliche Entwicklung zum Wald steht in diesem Fall und auf dieser Fläche allerdings dem erklärten Naturschutzziel im Wege. Der eigentliche Star des Wippetals, den es zu fördern gilt, hat nämlich Federn, einen langen, roten Schnabel, ebenso rote Beine und heißt Schwarzstorch. Die ornithologische Kostbarkeit, die in hohen Bäumen nistet, liebt Wiesen besonders dann, wenn mittendrin kleine Wassertümpel glänzen. Die sind erst einmal Lebensraum von Wasserinsekten, kleinen Fischen und Fröschen. Und die hat der dunkel gefiederte Bruder des Weißstorchs zum Fressen gern. Immer noch selten und gefährdet lässt sich der hochkarätige Rote-Liste-Vogel seit Anfang der 80er Jahre mit wachsender Begeisterung im Kreis Altenkirchen blicken. Zwar bekommt man den prächtigen, aber scheuen Vogel nur selten zu Gesicht - fliegende Exemplare werden außerdem häufig mit Graureihern verwechselt- trotzdem fühlt sich der Vogel hier so wohl, dass immer wieder Bruterfolge gemeldet werden. Damit das so bleibt, schwingen die Ökoprojektler der Caritas ihre Motorsensen. Das Mähgut wird anschließend mit Heugabeln zur Seite geschafft.

Ziel der »biotop-optimierenden Maßnahmen« ist der Erhalt des Wiesencharakters, erklärt Dr. Frank Wörner, der das Caritasprojekt als Biologe leitet. Der Schwarzstorch dient dem Projekt dabei als Indikator, der stellvertretend für zahlreiche andere Bewohner der feuchten und nassen Wiesen steht. Ziel des Ökoprojektes sei dagegen ein anderes, betont Wörner. Die hier beschäftigten Jugendlichen allesamt arbeitslos, teilweise ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung, dafür aber mit diversen persönlichen Problemen– sollen auf diesem Weg ihren ganz persönlichen Einstieg in ein Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis finden. Was dem Projekt, das unter Trägerschaft der Caritas als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vom Arbeitsamt Neuwied finanziert und durchgeführt wird, immer wieder in hervorragender Weise gelingt, wie Dr. Wörner mit Zahlen zu belegen weiß. Im vorletzten Geschäftsjahr der Caritas fanden 78 Prozent der Maßnahmen-Teilnehmer einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz, berichtet der Biologe stolz.

Mittlerweile kann der Caritasverband Rhein-Wied-Sieg in Betzdorf als Träger und die RWE Net in Siegen, die das Projekt als Sponsor im Rahmen des Öko- und Sozialsponsorings unterstützt, auf vier Jahre Arbeit für den Umweltschutz und gegen die Jugendarbeitslosigkeit zurückblicken. 7700 Euro steuert die RWE Net jährlich zur Aktion bei. Gerade wurde das Sponsoring um zwei weitere Jahre verlängert, wie Barbara Dierich, Leiterin der RWE Net Unternehmenskommunikation, gestern zur berichten wusste.

Während die Ökotruppe der Caritas im Wippetälchen »klar Schiff« macht, befindet sich der Schwarzstorch übrigens bereits auf dem Rückflug nach Afrika, erklärt Frank Wörner. Zumindest der Altenkirchener Nachwuchs hat sich schon zeitig auf die Reise begeben. Einen Altvogel konnten die Naturschützer noch vor knapp vierzehn Tagen auf einer der frisch gemähten Wiesen beobachten. Bis zum Oktober hat das Ökoprojekt noch alle Hände voll zu tun. Damit die Störche in der nächsten Brutsaison optimale Bedingungen im Wippetal und in den benachbarten Tälern vorfinden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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