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Vermieter berichten von "Feuerball"
Brandstifter-Prozess: Günter N. schwer belastet

Von dem Dreifamilienhaus in Wissen blieb nicht viel mehr als Klump und Asche übrig. Günter N. (Name geändert) muss sich für den Brand vor dem Koblenzer Landgericht verantworten.
  • Von dem Dreifamilienhaus in Wissen blieb nicht viel mehr als Klump und Asche übrig. Günter N. (Name geändert) muss sich für den Brand vor dem Koblenzer Landgericht verantworten.
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dach Koblenz/Wissen. Es ist eine völlig andere Erzählung der Geschehnisse: Was sich in der Version von Günter N. beim Verfahrensauftakt noch wie ein Versehen angehört hatte, klang nun aus dem Munde von dessen damaligem Vermieter nach einer mutwilligen Aktion. Rückblende: In der Nacht zum 1. November war in Wissen ein Dreifamilienhaus niedergebrannt. Günter N. (56, Name geändert), einer von zwei Mietern, soll dafür verantwortlich sein. Deshalb sitzt er auf der Anklagebank im Landgericht Koblenz.

Vermieter schildert neue Details
Er selbst hatte zunächst von einem schwierigen Verhältnis zu den Vermietern berichtet, die im Untergeschoss lebten.

dach Koblenz/Wissen. Es ist eine völlig andere Erzählung der Geschehnisse: Was sich in der Version von Günter N. beim Verfahrensauftakt noch wie ein Versehen angehört hatte, klang nun aus dem Munde von dessen damaligem Vermieter nach einer mutwilligen Aktion. Rückblende: In der Nacht zum 1. November war in Wissen ein Dreifamilienhaus niedergebrannt. Günter N. (56, Name geändert), einer von zwei Mietern, soll dafür verantwortlich sein. Deshalb sitzt er auf der Anklagebank im Landgericht Koblenz.

Vermieter schildert neue Details

Er selbst hatte zunächst von einem schwierigen Verhältnis zu den Vermietern berichtet, die im Untergeschoss lebten. Als die Kündigung des Mietverhältnisses im Briefkasten lag, habe er sich lautstark aufgeregt, schließlich aus Wut einen kleinen Karton angezündet und sei weggefahren. Der Karton, so habe er gedacht, werde von allein wieder ausgehen.

Der Vermieter aber erzählte das Geschehen beim zweiten Prozesstag in entscheidenden Details völlig anders. An besagtem Abend habe Günter P., als er in seine Wohnung gekommen sei, lautstark herumgebrüllt. Und: „Ich habe sehr deutlich gehört, dass er da oben alles kurz und klein haut“, so der Vermieter – dessen Ehefrau will auch etwas plätschern gehört haben. Der Vermieter weiter: „Als er das Haus verlassen hat, ging auch schon der Brandmelder.“ Beide seien dann hochgelaufen, hatten zuvor bereits die Polizei verständigt.

Haus nach Brand nicht mehr zu retten

„Es waren alle Fenster und Türen auf“, so die Vermieterin. Und beide berichteten unisono von einem Feuerball, der ihnen entgegenschlug. „So hoch“, sagte der Vermieter und hielt die flache Hand auf Schulterhöhe, habe dort Holz gelegen, das in Flammen stand. Diese wiederum hätten bis zur Zimmerdecke geschlagen. Und auch von den Fliesen aus hätten sich Flammen entwickelt, und zwar bläulich schimmernde. „Das hat gerochen wie Terpentin“, sagte der Vermieter.

Der Schaden, der in dieser Nacht durch das Feuer entstanden ist, ist erheblich. Alleine der Hausrat der Vermieter sei auf 120.000 Euro taxiert worden. Wobei der Vermieter meinte: „Das reicht nicht.“ Sie hätten viele Kunstgegenstände in der Wohnung gehabt, außerdem eine Sammlung an Armbanduhren – nichts davon separat versichert. Darüber hinaus sei ein Büro zerstört worden und damit alle seine Kundendaten, extrem teure Software. Mit dem Brand sei auch seine Firma quasi ausgelöscht worden. Das Haus selbst war ebenfalls nicht mehr zu retten. 1,4 Millionen Euro werde es kosten, das Gebäude wieder neu aufzubauen, laute die Schätzung der Versicherung.

Szenen „wie bei Cobra 11“

Doch zurück zum Abend des Feuers: Die verbalen Ausraster hatte Günter N. offenbar mit einem vielsagenden Satz beendet. Laut Vermieter-Aussage folgender: „Dann hab‘ ich halt kein Zuhause mehr.“ Das Vermieter-Ehepaar berichtete, dass die Fensterscheiben in Windeseile geborsten seien und dass sie, als sie den 16-jährigen Sohn, die vier Hunde und die Autoschlüssel in Sicherheit gebracht haben, von oben brennendes Material auf ihre Terrasse haben fallen sehen. Beide sprachen von Szenen „wie bei Cobra 11“, wohlgemerkt unabhängig voneinander. Das wiederum ließ die beiden Verteidiger Volker Fritze und Michael Hürth aufhorchen, schließlich lässt das zumindest den Schluss zu, das Vermieter-Paar könnte sich in ihren Aussagen abgesprochen haben.

Brandstifter-Prozess nach verheerendem Feuer

Sie jedenfalls berichtete darüber hinaus von einem sehr schwierigen Verhältnis zu Günter N., dass sie sich „extrem belästigt“ gefühlt habe. In einer Nacht habe er ihr 23 Nachrichten aufs Handy geschickt, die meisten eher unfreundlicher Natur. „Er strebt nach Bewunderung“, so die Vermieterin, und: „Er war herrschsüchtig.“ Der Angeklagte saß derweil zwischen seinen beiden Verteidigern, oftmals mit verschränkten Armen, manchmal schwer unter seiner Schutzmaske atmend, meist leicht kopfschüttelnd.

Prozess wird fortgesetzt

Auch der Alkoholkonsum von Günter N. kam zur Sprache. „Er hat ständig getrunken“, sagte der Vermieter, „ich habe ihn nie betrunken gesehen“, hingegen die Lebensgefährtin von Günter N. In der Nacht des Feuers bzw. am nächsten Morgen wandte sich der Beschuldigte allerdings an seine Ex-Freundin, in dessen Wohnung er auch später festgenommen wurde. Gemeinsam fuhren die beiden zunächst zum Haus in Wissen. Beim Anblick eines Feuerwehrautos und eines Baggers aber drehten sie mit dem Auto ab. Die Ex-Freundin im Zeugenstand: „Er hatte wohl gar nicht kapiert, was da passiert war.“

Der Prozess unter der Leitung des Vorsitzenden Richters Rupert Stehlin wird fortgesetzt.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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