SZ

Wohnhaus komplett zerstört
Brandstifter-Prozess nach verheerendem Feuer

Hier, an der Mozartstraße in Wissen, hat einmal ein Drei-Parteien-Haus gestanden - bis ein Feuer es am Abend des 31. Oktober vernichtete.
  • Hier, an der Mozartstraße in Wissen, hat einmal ein Drei-Parteien-Haus gestanden - bis ein Feuer es am Abend des 31. Oktober vernichtete.
  • Foto: Rainer Schmitt
  • hochgeladen von Michael Sauer

dach Koblenz/Wissen. „Feuer verwüstet Wohnhaus in Wissen“: So titelte die SZ nach einem Brand am 31. Oktober an der Mozartstraße. Und es hätte nicht treffender formuliert sein können. Denn von dem Drei-Parteien-Haus blieb nicht viel mehr als Klump und Asche. Dafür muss sich seit Montag Günter N. (Name geändert) vor dem Koblenzer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm Brandstiftung zur Last. Auch ein versuchter Totschlag steht im Raum.

Beim Prozessauftakt stellte sich der 56-jährige Angeklagte den Fragen des Vorsitzenden Richters Rupert Stehlin – und legte ausführlich seine Sicht der Dinge dar. Dass der Brand wohl auf seine Kappe geht, stellte Günter N. dabei gar nicht in Abrede.

dach Koblenz/Wissen. „Feuer verwüstet Wohnhaus in Wissen“: So titelte die SZ nach einem Brand am 31. Oktober an der Mozartstraße. Und es hätte nicht treffender formuliert sein können. Denn von dem Drei-Parteien-Haus blieb nicht viel mehr als Klump und Asche. Dafür muss sich seit Montag Günter N. (Name geändert) vor dem Koblenzer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm Brandstiftung zur Last. Auch ein versuchter Totschlag steht im Raum.

Beim Prozessauftakt stellte sich der 56-jährige Angeklagte den Fragen des Vorsitzenden Richters Rupert Stehlin – und legte ausführlich seine Sicht der Dinge dar. Dass der Brand wohl auf seine Kappe geht, stellte Günter N. dabei gar nicht in Abrede. Dass er aber in seiner Wohnung eigens Möbel zertrümmert und dann einen Brandbeschleuniger benutzt habe, wie es Staatsanwältin Julia Rheinbay vortrug, verneinte er vehement. Er habe lediglich einen kleinen Karton angezündet und habe dann seine Wohnung verlassen – im festen Glauben, die Flammen würden von selbst wieder ausgehen. „Ich wollte nicht, dass ein großer Brand entsteht“, ließ er unter anderem über seinen Verteidiger Volker Fritze mitteilen. Und: „Ich habe große Schuld auf mich geladen.“

Probleme mit den Vermietern

In dem Verfahren vor der 14. Strafkammer, bei dem Günter N. mit Michael Hürth einem weiteren Verteidiger an seiner Seite weiß, wird die geistige Konstitution des Angeklagten eine wichtige Rolle spielen. Vielmehr: Das tat sie bereits beim Prozessauftakt. Günter N., der erst wenige Wochen zuvor in das Haus in Wissen eingezogen war, berichtete von einem vergifteten Verhältnis zu seinen Vermietern, die eine Etage tiefer lebten. „In 55 Jahren habe ich solche Menschen noch nie kennengelernt“, sagte er: „Mein Vermieter hat gelogen, mich als Narzissten beschimpft.“ Sein Briefkasten sei ständig geöffnet gewesen, der Hauseingang und seine Terrasse mit Kameras überwacht. Einmal habe sich sein Vermieter, der früher wohl geboxt habe, vor ihm aufgebaut und sich die Ärmel hochgekrempelt. „Hier konnte man keinen Frieden haben“, so der Angeklagte.

Am Tag des verheerenden Feuers hatte Günter N. die Kündigung des Mietverhältnisses auf den Tisch bekommen. Darüber hat er sich offenbar sehr aufgeregt, vor allem über die angegebene Frist von 14 Tagen. Er habe Krach geschlagen – in der Hoffnung, der Vermieter tauche bei ihm auf, um ihn zur Rede zu stellen. Doch das geschah nicht. Er sei verzweifelt gewesen, so Günter N., der aber auch betont, dass er den Karton in seiner Wohnung weder aus Wut noch aus Rache angezündet habe.

Angeklagter derzeit in forensischer Psychatrie

Auf Nachfrage von Richter Stehlin, was er denn sonst damit habe erreichen wollen, konnte der Angeklagte keine klare Antwort geben. Aber so viel: „Am nächsten Tag konnte ich nicht glauben, dass das das Ergebnis von dem war, was ich gemacht hatte.“ Zu behaupten, dass von dem Haus nur noch die Grundmauern übrig geblieben seien, wäre noch geprahlt. Ernsthaft verletzt wurde aber niemand. Die Frau, die in der Wohnung über Günter N. wohnte, war an besagtem Wochenende nicht zu Hause. Der Angeklagte selbst hatte die Nacht auf den 1. November in seinem Ferienhäuschen auf einem Campingplatz im Westerwald verbracht.

Sein Fazit über seine Episode an der Wissener Mozartstraße: „Bevor ich in dieses Haus gezogen bin, war mein Leben in Ordnung.“ Das dürfte allerdings nur ein Teil der Wahrheit sein. Denn nach seiner Festnahme landete Günter N. zunächst in Untersuchungshaft, kurze Zeit später allerdings in einer forensischen Psychiatrie, wo er sich derzeit noch immer aufhält. Denn der 56-Jährige bringt eine gewisse Vorgeschichte mit, was psychische Auffälligkeiten angeht. Das alles begann offenbar mit der Trennung von seiner damaligen Gattin im Jahr 2009. Ab diesem Zeitpunkt konnte der Chefarzt der Psychomedizinischen Abteilung der Forensik anhand von diversen Arztbriefen und -berichten eine gewisse Leidensgeschichte rekonstruieren, die auch mehr als einen stationären Aufenthalt in psychischen Kliniken beinhaltet. Der gelernte Schlosser selbst spricht von „einer schweren Krise“ in den Jahren 2010 und 2011, in deren Nachgang er verrentet worden sei.

Wahnhafte Störung ausgemacht

In der Klinik, in der er sich nun aufhält, gibt sich Günter N. „auffällig unauffällig“, so der Chefarzt, der eine anhaltende wahnhafte Störung im Verhältnis zu dessen ehemaligem Vermieter ausgemacht hat. Kritisch sieht der Experte beim Angeklagten zudem „das Maß der subjektiven Überzeugung“ seiner eigenen Darstellungen. In der Einrichtung steht Günter N. jedenfalls unter Medikamenten, wenn auch nicht gerade in hohen Dosen. Trotzdem veranlasste die Gesamtgemengelage Dr. Gerhard Buchholz, den das Gericht als Psychiatrischen Sachverständigen eingesetzt hat, zu einer Nachfrage beim Angeklagten: Ob er die Situation rund um die Wohnungskündigung und den brennenden Karton wohl anders wahrgenommen hätte, wenn er schon damals die richtigen Tabletten genommen hätte. „Nein“, meinte Günter N. Der Prozess wird fortgesetzt.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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