SZ-Plus

Neubaugebiet "Auf den Sieghöhen" in Wissen
BUND kündigt Widerspruch an

90 Bauplätze, darunter auch einige für Reihenhäuser, sollen in Wissen entstehen. Mit der geplanten Nahwärmeversorgung wollen die Stadtwerke neue Wege gehen.
  • 90 Bauplätze, darunter auch einige für Reihenhäuser, sollen in Wissen entstehen. Mit der geplanten Nahwärmeversorgung wollen die Stadtwerke neue Wege gehen.
  • Foto: Rathaus Wissen
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Wissen. Auf der einen Seite steht eine Stadt, die keine Bauplätze mehr hat, aber Dutzende Nachfragen – und auf der anderen Seite steht der BUND, der den drohenden Flächenfraß anprangert: Lange vor dem ersten Spatenstich gerät das geplante Neubaugebiet „Auf den Sieghöhen“ in die Diskussion. Grund genug, das außergewöhnliche Projekt einmal genauer zu betrachten.
Denn außergewöhnlich sind die Pläne der Stadt Wissen in zweierlei Hinsicht: zum einen wegen der schieren Größe des Gebiets, zum anderen aber auch, weil die Stadt in Sachen ökologisches Bauen ein Pilotprojekt für den AK-Kreis auf den Weg bringen will.
Großer Bedarf an MietwohnungenDas Baugebiet trägt den hübschen Namen „Auf den Sieghöhen“, und tatsächlich ist der Name Programm.

damo Wissen. Auf der einen Seite steht eine Stadt, die keine Bauplätze mehr hat, aber Dutzende Nachfragen – und auf der anderen Seite steht der BUND, der den drohenden Flächenfraß anprangert: Lange vor dem ersten Spatenstich gerät das geplante Neubaugebiet „Auf den Sieghöhen“ in die Diskussion. Grund genug, das außergewöhnliche Projekt einmal genauer zu betrachten.
Denn außergewöhnlich sind die Pläne der Stadt Wissen in zweierlei Hinsicht: zum einen wegen der schieren Größe des Gebiets, zum anderen aber auch, weil die Stadt in Sachen ökologisches Bauen ein Pilotprojekt für den AK-Kreis auf den Weg bringen will.

Großer Bedarf an Mietwohnungen

Das Baugebiet trägt den hübschen Namen „Auf den Sieghöhen“, und tatsächlich ist der Name Programm. Die rund zehn Hektar große Fläche liegt auf dem Weg in Richtung Birken-Honigsessen; mit dem Fahrrad sind es fünf Minuten zum Bahnhof. Hier könnten 90 Bauplätze entstehen: 75 für Einfamilien- und Doppelhäuser, weitere 13 für Reihen- und Mehrfamilienhäuser, da auch der Bedarf an Mietwohnungen groß ist.

Nur bedingt für Gewerbegebiet geeignet

90 Prozent des Areals, das derzeit als Weide genutzt wird, ist bereits im Besitz der Stadt. Ursprünglich war mal vorgesehen, dort ein Gewerbegebiet zu errichten. Aber dazu eignet sich die Fläche nur bedingt: Die Verkehrsanbindung ist für produzierende Betriebe nicht optimal, und die leichte Hanglage erschwert die Errichtung größerer Hallen. Also blieb die Nachfrage im Keller, und die Stadt schwenkte um.
Ganz offensichtlich war das aus städteplanerischer Sicht die richtige Entscheidung. „Ohne dass wir das Gebiet beworben hätten, liegen uns schon 34 Anfragen vor“, sagt Bauamtsleiterin Kerstin Roßbach im Gespräch mit der SZ. Sie erklärt das nicht nur mit der reizvollen Lage (Südhang mit Blick ins Siegtal), sondern auch mit der Stadtentwicklung der vergangenen Jahrzehnte. „Es hat gutgetan, dass wir in der Stadt ein paar Jahre nichts getan haben“, sagt sie mit Verweis auf die Tatsache, dass schon lange keine Baugebiete mehr ausgewiesen worden sind. So sei der Druck auf Baulücken größer geworden. Und auch ein Förderprogramm zur Reaktivierung des Stadtkerns habe sich positiv ausgewirkt. „Wir haben viele Baulücken schließen können“, sagt Stadtbürgermeister Berno Neuhoff. 
Allerdings: Jetzt sei der Punkt erreicht, an dem diese Strategie an ihre Grenzen gerate. „Natürlich gilt der Grundsatz, dass die Innenentwicklung Vorrang vor der Außenentwicklung hat. Aber jetzt, nach 20 Jahren, passiert da nicht mehr viel. Nicht alle Baulücken werden vermarktet, und das können wir nicht ändern.“ Also sei es Zeit, neues Bauland zu schaffen. 

Neubaugebiet mit Nahwärme versorgen

Dabei soll ein „grünes Vorzeigeobjekt“ entstehen, wie es Dirk Baier, der Geschäftsführer der Stadtwerke, formuliert. Sein Unternehmen spielt dabei eine maßgebliche Rolle: So ist vorgesehen, das Neubaugebiet mit Nahwärme zu versorgen. Damit würde die Stadt Wissen im weiten Umfeld Neuland betreten: „Das hat für die Region Pilotcharakter“, sagt Neuhoff.
Noch ist offen, ob ein Blockheizkraftwerk die Wärme liefern soll oder ein zentrales Netz mit Erdwärme gespeist wird. Eine entsprechende Untersuchung soll die Technologietransferstelle Bingen liefern. Welche Variante auch immer zum Tragen kommt: Neuhoff ist davon überzeugt, dass die Stadt hier im Sinne des Klimaschutzes handeln wird: „Wir wollen mit diesem Gebiet einen Beitrag zur Energiewende leisten.“
Der Gedanke, möglichst ressourcenschonend zu planen, schlägt sich laut Neuhoff auch im Zuschnitt der Grundstücke nieder. Manche davon werden bewusst klein gehalten, um auch ältere Menschen, die z. B. einen Bungalow mit kleinem Garten haben wollen, bedienen zu können. Und auch die geplanten Reihenhäuser hätten ökologische Vorteile, ergänzt Kerstin Roßbach.

Erst Häuser könnten 2023 gebaut werden

Bis tatsächlich die ersten Bauherrn loslegen können, wird aber noch einige Zeit vergehen: Noch stecken die Planungen in den Kinderschuhen. Wenn’s glatt läuft, könnten 2022 die Baustraßen geschaffen werden, und ein Jahr später könnten die ersten Häuser entstehen. Aber davor steht noch das gesamte Bebauungsplanverfahren – und in dem können sich nicht nur Bürger, sondern auch Behörden und Verbände kritisch zu Wort melden. Und zumindest der BUND wird das auch tun.

BUND kündigt frühzeitig Widerspruch an Der BUND stellt sich entschieden gegen die Pläne der Stadt Wissen. „Unsere Kindeskinder werden uns später fragen: Warum habt ihr über so ein Gelände nicht schützend die Hand gehalten?“, sagt Wolfgang Stock. Der Flächenfraß sei schlichtweg nicht akzeptabel, und im Falle der Sieghöhen werde zudem eine wertvolle Naturfläche angetastet. Deshalb hat der Naturschutzverband schon jetzt Widerspruch gegen das Baugebiet eingelegt. Diesen begründet der BUND unter anderem mit folgenden Argumenten: Die Fläche liege mitten in einem Landschaftssschutzgebiet. Es sei daher schlichtweg unzulässig, die Natur zu schädigen und das Landschaftsbild zu beeinträchtigen. Beides sei aber zu befürchten. „Das geplante Neubaugebiet liegt auf einem Plateau, das weithin sichtbar ist“, argumentiert der BUND. Das Gebiet sei zudem von geschlossenen Laubholzbeständen umgeben; dort hätten sich viele schützenwerte Arten angesiedelt. Unter anderem nennt Stock den Uhu, der dort in den Felskuppen brüte, und die Wildkatze, deren Vorkommen per Totfund dokumentiert sei. Auch Waldkauz, Schwarzstorch und Feldlerche könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Areal werde landwirtschaftlich genutzt und unterliege daher dem Grünlanderhaltungsgebot. Zudem liege das Neubaugebiet zu weit vom eigentlichen Stadtzentrum entfernt: Dort entstehe ein „abgehängter Ortsteil“, und das ziehe zum Beispiel einen steigenden Individualverkehr nach sich. Offenbar sorgt sich der BUND auch um die Wissener Stadtkasse: „Die Erschließungskosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.“ Und angesichts der angespannten Haushaltslage müsse die Stadt mit entsprechenden Konsequenzen der Kommunalaufsicht rechnen. Ferner stelle sich die Frage, ob für einen derart großen Eingriff (Stichwort: Versiegelung) überhaupt geeignete Ausgleichsmaßnahmen gefunden und realisiert werden könnten. Für den BUND steht also schon jetzt fest, dass die Pläne der Stadt eine „unverantwortliche Nutzung schützenswerter Natur“ bedeuten – und mit Blick auf den viel diskutierten Flächenfraß sei das nicht hinnehmbar. „Ich verstehe nicht, warum all diese Punkte nicht auch im Stadtrat diskutiert werden“, moniert Wolfgang Stock. Seine Bedenken hat der BUND in schriftlicher Form bereits an die Kreisverwaltung geschickt – versehen mit der Überschrift „Widerspruch“.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen