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Im Vergleich dazu ist der Kreiselmäher der "Sensenmann"
„Comeback“ des Balkenmähers

Auch die Entwicklung des Balkenmähers geht weiter. Peter Merzhäuser (M.) demonstrierte Interessierten die vielen Vorteile des landwirtschaftlichen Geräts.  Foto: damo
  • Auch die Entwicklung des Balkenmähers geht weiter. Peter Merzhäuser (M.) demonstrierte Interessierten die vielen Vorteile des landwirtschaftlichen Geräts. Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Katzwinkel. Peter Merzhäuser erinnert sich noch gut an die Fressorgien der Greifvögel: „Die Rotmilane und Bussarde sind zwei Wochen auf den Wiesen geblieben. Sie sind gar nicht mehr aufgeflogen, sondern einfach über die Flächen geschritten.“ Zu beobachten war das immer nach dem Mähen, und man muss nicht in gerade Linie von Sherlock Holmes abstammen, um den Grund dafür zu erkennen: Das Kreiselmähwerk hatte massenweise verletzte und tote Kleintiere zurückgelassen – für die Greifvögel waren die frisch gemähten Wiesen ein All-you-can-eat-Buffet.

Das Mäh-Gemetzel war Merzhäuser ein Dorn im Auge, und so fing er an, über unterschiedliche Mähtechniken zu recherchieren.

damo Katzwinkel. Peter Merzhäuser erinnert sich noch gut an die Fressorgien der Greifvögel: „Die Rotmilane und Bussarde sind zwei Wochen auf den Wiesen geblieben. Sie sind gar nicht mehr aufgeflogen, sondern einfach über die Flächen geschritten.“ Zu beobachten war das immer nach dem Mähen, und man muss nicht in gerade Linie von Sherlock Holmes abstammen, um den Grund dafür zu erkennen: Das Kreiselmähwerk hatte massenweise verletzte und tote Kleintiere zurückgelassen – für die Greifvögel waren die frisch gemähten Wiesen ein All-you-can-eat-Buffet.

Das Mäh-Gemetzel war Merzhäuser ein Dorn im Auge, und so fing er an, über unterschiedliche Mähtechniken zu recherchieren. Schnell wurde ihm klar, dass ein Balkenmäher deutlich schonender mit den Wiesenbewohnern umgeht, und so kaufte er für seinen Hof Ebertseifen, die Keimzelle des Vereins „Ebertseifen – Lebensräume“, ein neues Mähwerk.

Das ist jetzt elf Jahre her – und damit kein Thema mehr für eine Tageszeitung, die ja schließlich aktuell sein will. Neu ist aber, dass Merzhäuser Nachahmer finden könnte: Das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum denkt über eine Förderprämie für den Einsatz von Balkenmähern im Vertragsnaturschutz nach, und Ebertseifen ist der Referenzhof für dieses Projekt.

Vor einigen Tagen war eine gut 20-köpfige Gruppe von interessierten Landwirten und Biologen in Katzwinkel, um den Balkenmäher im praktischen Einsatz zu erleben. Denn auf den landwirtschaftlichen Wiesen ist der Mäher mit den beiden Messerbalken (die denen einer Heckenschere ähneln, nur ungleich größer sind) längst von den Kreiselmähern verdrängt worden.

Dabei hat der Balkenmäher viele Vorteile, meint Peter Merzhäuser:

• Der Balkenmäher geht viel schonender zu Werke. Merzhäuser spricht von einem „Tötungsverhältnis von 10 000:1.“ Soll heißen: Auf eine Heuschrecke, Maus oder Erdkröte, die der Balkenmäher erwischt, kommen statistisch 10 000 Opfer bei Kreiselmähern. Das erklärt Merzhäuser mit der höheren Geschwindigkeit, mit der Traktor und Kreiselmäher über die Flächen fahren, mit der Sogwirkung des Mähwerks und dem geschlossenen Kasten, in dem die Messer rotieren.

• Der Verbrauch ist viel niedriger. „Ein Kreiselmäher braucht immer Vollgas“, meint Merzhäuser. Anders der Balkenmäher, der daher mit einem Fünftel des Kraftstoffs auskomme. „Wir tanken einmal voll – und mähen alles, was wir haben“, berichtet Merzhäuser – und das sind in Ebertseifen und dem Schwesterverein, dem Tierpark Niederfischbach, satte 40 Hektar.

• Das Schnittbild sei sauberer, und das hat nach Merzhäusers Angaben zwei Vorteile: Zum einen sei die Futterqualität höher (zumindest beim Heu), zum anderen wachse das Gras schneller wieder nach. So sei durchaus ein zusätzlicher Schnitt pro Saison machbar.

• Besonders auf topographisch schwierigen Flächen sei der leichte Balkenmäher einfacher einzusetzen.

• Der Anschaffungspreis ist niedriger.

Dass trotz dieser Vorzüge kaum noch ein Landwirt mit dem Balken mäht, ist dennoch leicht erklärt: Kreiselmäher sind schneller, lassen sich rasch und kostengünstig warten – und laut Merzhäusers Einschätzung haben viele Landwirte noch technisch antiquierte Balkenmäher vor dem geistigen Auge, die zu den Zeiten ihrer Kindheit eingesetzt wurden und oft Probleme bereiteten.

Für Merzhäuser überwiegen die Vorteile des Balkenmähers klar – aber er weiß auch, dass der Kreiselmäher in der modernen Landwirtschaft fest etabliert ist. „Daran wird sich auch kaum was ändern“, meint er. Anders könnte es im Vertragsnaturschutz aussehen.

Denn auch in Naturschutzgebieten müssen Wiesen gemäht werden – unter anderem, um die Verbuschung zu vermeiden oder die Flächen mager zu halten. Und diese Arbeit erledigen zumeist Bauern als vom Land bezahlte Dienstleister. Nun steht zwar in den Richtlinien, dass im Vertragsnaturschutz „umweltverträgliche Systeme“ eingesetzt werden sollen – zumeist aber nutzen die Landwirte auch dort ihre Kreiselmäher. Sagt zumindest Peter Merzhäuser und erklärt das mit dem Mangel an Alternativen: „Das Land muss ja erstmal jemanden finden, der einen Balkenmäher hat und damit im Vertragsnaturschutz tätig sein will.“

Genau das könnte bald mit einem Förderprogramm angestoßen werden. In einigen anderen Bundesländern wird der Einsatz von Balkenmähern bereits mit zusätzlichen Prämien belohnt – und ein solches Modell könnte auch in Rheinland-Pfalz kommen. Zumindest ist beim DLR die Idee dazu gereift, nachdem die Mitarbeiter der Fachbehörde das Ebertseifener Mähwerk in Aktion erlebt haben.

Um die Werbetrommel für die sanfte Art des Mähens zu rühren, hat das DLR in dieser Woche eine Infoveranstaltung in Katzwinkel und Niederfischbach ausgerichtet. Der praktische Teil lief auf einer Mähwiese des Tierparks im Otterbachtal, und laut Merzhäuser waren die Teilnehmer sehr interessiert: Die Landwirte hätten vor allem die Technik und das Schnittbild begutachtet, die Biologen seien im Kriechgang auf der Wiese unterwegs gewesen, um mögliche Mäh-Opfer zu suchen – weitgehend vergeblich.

Auch wenn das Förderprogramm noch nicht eingetütet ist, wertet Merzhäuser die Initiative des DLR bereits als Erfolg: „Schon dass ernsthaft überlegt wird, wie möglichst naturnah mit Flächen umgegangen werden kann, ist gut.“

Für ihn ist das übrigens kein Zufall, sondern nur eine logische Fortführung einer allgemeinen Entwicklung: „Das Thema Artensterben ist mittlerweile im Bewusstsein angekommen, jeder hat was von Insektensterben gehört. Und weil die Zahlen ja wirklich katastrophal sind, wäre der Einsatz von Balkenmähern im Vertragsnaturschutz auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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