Das ungeliebte Erbe der »Rasselskaute«

Pinge des alten Bergwerks wurde als Mülldeponie missbraucht / Renaturierung geglückt

Mittelhof. Das Erbe der Grube »Rasselskaute« wollte wahrscheinlich keiner haben. Versteckt im Wald, nahe der Blickhauser Höhe, zeugt eine unbewachsene Halde noch heute von der Arbeit unter Tage – und den Schwermetallen im Boden. Bis vor kurzem allerdings bereitete eine mächtige Pinge der Wissener Verwaltung noch größere Kopfschmerzen. Gut 25 Meter tief war das Loch, eingefasst von steilen Wänden. Ohne Frage ein Sicherheitsrisiko. Dass die Pinge aber zudem eine ökologische Zeitbombe war, lag nicht am Bergbau, sondern daran, dass sie immer wieder als wilde Mülldeponie genutzt wurde. Damit ist ein für allemal Schluss: Gestern stellten Kommunalpolitiker und Dr. Franz Straubinger, Leiter der Hatzfeldt-Wildenburgischen Verwaltung, die komplett verfüllte Pinge als ein Beispiel erfolgreicher Renaturierung vor.

Wilde Müllkippe mitten im Wald

Hans Gerhard Boland, Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung bei der Wissener Verwaltung, berichtete: Schon in den 60er Jahren wurde die Pinge als Mülldeponie genutzt. Damals wurden komplette Autowracks in das Loch gekarrt. Die Verwaltung schritt ein, ließ die Schrottwagen fachgerecht entsorgen. Ende der 80er Jahre aber war das Problem wieder aktuell: »Die Pinge wurde wieder ganz extrem als wilde Müllkippe genutzt.« Das passte naturgemäß weder der Kreisverwaltung noch dem Besitzer des Areals, der Hatzfeldt-Wildenburgischen Kammer. Also wurde gemeinsam eine Lösung gesucht. Und gefunden: Die Pinge sollte verfüllt werden.

140 Kubikmeter Müll in der Pinge

1998 rückten die Bagger an. Zuerst galt es, den Müll aus der Pinge zu holen. »Das waren Unmengen«, berichtete Boland, »der gesammelte Wohlstandsmüll.« Insgesamt haben die Bagger 140 Kubikmeter Müll und Schrott aus dem Erdloch gekarrt. »Wir konnten ja nicht einfach die Pinge verfüllen, ohne vorher den Müll zu entsorgen«, erläuterte Kreisbeigeordneter Ottmar Haardt.

Nachdem die Pinge also mühsam müllfrei gemacht wurde, begann das Verfüllen. Zwei Firmen wurden einbezogen; zudem bot der Kreis Bauunternehmen die Gelegenheit, unbelasteten Erdaushub abzuladen. »Davon haben beide Seiten profitiert: Die Bauunternehmer sind ohne weite Fahrten ihren Erdaushub losgeworden, wir haben die Pinge preiswert verfüllen können«, erklärte Dr. Straubinger. »Das hier war ein vorbildliches Projekt«, befand er bilanzierend, »und besonders erfreulich ist die gute Zusammenarbeit mit Kreis, Verbands- und Ortsgemeinde.«

Für die Anwohner von Mittelhof waren die Monate des Verfüllens aber keine angenehme Zeit: Ständig fuhren Lkw durch das kleine Dorf. »Das war damals allemal eine Belastung für die Gemeinde«, berichtete Ortsbürgermeister Reimund Reifenrath. »Heute ist die Fläche aber eine Bereicherung für uns.«

Jetzt ist die Natur am Zug

Das dürfte vor allem daran liegen, dass nach dem Verfüllen die landespflegerischen Maßnahmen zum Tragen kamen. Einige Felsen wurden in der Mitte der rund 5000 Quadratmeter großen Fläche aufgestellt. »Hier können die Wanderer die Natur genießen«, meinte Dr. Straubinger. Er skizzierte auch die Maßnahmen der Renaturierung: Als Initialzündung wurde Saatgut von heimischen Wiesenpflanzen ausgebracht, »den Rest macht die Natur alleine.«

Und wie: Es blüht in der alten Pinge derzeit, wohin das Auge auch schaut, und so ist das Erbe der Grube »Rasselskaute« für die Gemeinde Mittelhof doch noch zum Gewinn geworden.

damo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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