„Ein großer Schritt für die Ökologie”

Projekte des „Blauen Runden Tisches” zeigen Erfolge – Renaturierungen und Aufstiegshilfen

Wissen. Nach der ersten konstituierenden Sitzung im Juni 1997 präsentierte jetzt der „Blaue Runde Tisch”, bestehend aus Verbandsgemeinden entlang der Sieg, Verbände, Behörden und Vereine, seine bisher geleistete Arbeit. Dabei wurde eine Renaturierung im Bereich des Gewässerschutzes an Hand verschiedener Projekte der Öffentlichkeit vorgestellt. „Miteinander für die Natur” lautete dabei die Losung aller Beteiligten. Die in den 50-er Jahren verrohrten Bäche und Wiesen sollten und sollen wieder in ihren Naturzustand versetzt werden.

So wurde am Kölzener Seifen, ein Gewässer dritter Ordnung, die Verrohrung entfernt und der Bach in sein Ursprungsbett zurückgeführt (die SZ berichtete). Eine Furt, seitlich mit großen Steinen versehen, ermöglicht auch dem Wanderer, trockenen Fusses den Bach zu überqueren. Forstdirektor Dr. Franz Straubinger von der Hatzfeldt-Wildenburgschen Verwaltung wies auf den ökologisch hochwertigen Wechsel zwischen Fließ- und Ruhebereich hin. In den nächsten Tagen werden Sträucher und Bäume für die Beschattung gepflanzt. Nun ist der Kölzener Seifen bis zum Quellbereich in Birken-Honigsessen durchlässig und gilt als Kinderstube für Bachforellen, die wieder zurück gekommen sind. Gerhard Schlösser vom Amt für Wasserwirtschaft in Montabaur attestierte eine gute Planung des jetzt wieder durchgängigen Baches und bezeichnete den Insel- und Stillwasserbereich als gelungen.

Mit einem Kostenaufwand von 800000 DM wurde die dringend notwendige Sanierung am Deubach durchgeführt, wie Bürgermeister Michael Wagener vor Ort feststellte. Die Sanierung der Verrohrung war erforderlich geworden, um Schadstoffe der ehemaligen Müllkippe vom Gewässer fern zu halten. In Zusammenarbeit mit BUND und NABU habe man sich um einen technisch und biologisch guten Wasserschutz bemüht, der auch noch kostengünstig gewesen sei. Acht verschiedene Schilfarten wurden am alten Siegbett gepflanzt, die den Deubach sauber in die Sieg fließen lassen. Kleine Tümpel sind entstanden, die als Laichgewässer für Hecht, Brassen und Barben dienen. Das Schilf gibt den Fischen einen natürlichen Schutz und filtert außerdem noch Schadstoffe aus dem Wasser.

Natürliche Vermehrung der Lachse

Das Wehr im Bröhlbach war ein weiterer Besichtigungspunkt. Dort konnte mit relativ geringem Aufwand ein Stück aus der Betonmauer des Wehrs herausgebrochen werden, so dass der Bröhlbach für Äsche, Lachs und Bachforellen wieder durchgängig ist. Große Forellen sind bereits wieder aufgestiegen, erklärte Werner Kaster, der das Lachs-2000-Programm begleitet. Die Verteilung der Junglachse sei großflächig und mit viel Aufwand erfolgt. Zum ersten Mal sei es gelungen, dass Lachse sich im Wisserbach natürlich vermehrt hätten. „Über 200 kleine Lachse sind gefunden worden”, berichtete Kaster.

Am „Blauen Runden Tisch” zeigte Petra Hensch, Verbandsgemeinde Hamm (Sieg), die bis jetzt durchgeführte Renaturierung am Holperbach auf. Bauamtsleiter Martin Schäfer von der Verbandsgemeinde Gebhardshain betonte: „Am besten ist es, wenn das Gewässer sich selbst renaturiert.” Siegfried Cunz, stellv. Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Nordrhein, bescheinigte, dass an der Fangstation in Siegburg 172 Lachse und 43 Meerforellen gefangen und wieder freigelassen wurden. An einem Tag sind 15 Lachse über das Wehr gesprungen. Ein Lachs konnte die stolze Größe von 98 cm und ein Gewicht von 10,5 kg vorweisen. „Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für die Ökologie”, zog Dr. Straubinger eine Bilanz der ersten Pilotprojekte des „Blauen Runden Tisches”.

HTS

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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