SZ

Um einen Leihwagen zu erschleichen
Frau nutzt Schicksal der krebskranken Ida aus

Ida aus Wissen braucht dringend einen Stammzellenspender. Ihr Schicksal hat jetzt eine junge Frau ausgenutzt, um sich einen Leihwagen zu erschleichen.
  • Ida aus Wissen braucht dringend einen Stammzellenspender. Ihr Schicksal hat jetzt eine junge Frau ausgenutzt, um sich einen Leihwagen zu erschleichen.
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Alexandra Pfeifer

damo Wissen. Das Schicksal der kleinen Ida aus Wissen bewegt das AK-Land, immer mehr Freiwillige lassen sich typisieren: 3464 Menschen wollen helfen – einer nicht. Der Masse an potenziellen Stammzellenspendern gegenüber steht eine junge Frau, die ganz offensichtlich das Schicksal des krebskranken Mädchens ausnutzen will. Jetzt ist ihr Fall auf dem Schreibtisch der Kripo gelandet: Die Betzdorfer Beamten haben bestätigt, dass sie Ermittlungen aufgenommen haben.
Autohaus Kamp in Wissen erstattete Strafanzeige gegen die FrauStrafanzeige erstattet hat das Wissener Autohaus Kamp – dort hat sich die perfide Geschichte um einen vorübergehend verschwundenen Leihwagen abgespielt. Begonnen hat sie vor knapp drei Wochen.

damo Wissen. Das Schicksal der kleinen Ida aus Wissen bewegt das AK-Land, immer mehr Freiwillige lassen sich typisieren: 3464 Menschen wollen helfen – einer nicht. Der Masse an potenziellen Stammzellenspendern gegenüber steht eine junge Frau, die ganz offensichtlich das Schicksal des krebskranken Mädchens ausnutzen will. Jetzt ist ihr Fall auf dem Schreibtisch der Kripo gelandet: Die Betzdorfer Beamten haben bestätigt, dass sie Ermittlungen aufgenommen haben.

Autohaus Kamp in Wissen erstattete Strafanzeige gegen die Frau

Strafanzeige erstattet hat das Wissener Autohaus Kamp – dort hat sich die perfide Geschichte um einen vorübergehend verschwundenen Leihwagen abgespielt. Begonnen hat sie vor knapp drei Wochen.
Da kam die erste Mail beim Autohaus an: Versehen mit RTL-Logo und dem Hinweis auf die Stiftung „Wir helfen Kindern“, meldete sich die angebliche Privatsekretärin von Frauke Ludowig in Wissen. „Es hieß, dass RTL Idas Familie mit einem Leihwagen unterstützen wollte“, berichtet Karin Ermert im Gespräch mit der SZ. Sie und ihr Mann, Kamp-Geschäftsführer Jochen Ermert, mussten nicht lange überlegen: „Wir sind selbst seit 25 Jahren typisiert, kommen aber bei Ida nicht als Spender in Frage. Also waren wir froh, dass wir auf diesem Weg helfen können.“

Auf den ersten Blick wirkte alles glaubwürdig

Schließlich klang alles plausibel: Es leuchtet ein, dass die Familie Mewis für das ständige Pendeln zwischen Wissen und der Klinik ein zweites Auto gebrauchen kann. Und dass sich RTL für Ida einsetzt, hat das Ehepaar Ermert gefreut – zum einen, weil das kleine Mädchen die Hilfe vieler braucht, zum anderen, weil die Familie Mewis zu Ermerts Bekanntenkreis gehört. Also sagten die Ermerts sofort zu. „Über die Details der Bezahlung haben wir gar nicht gesprochen“, berichtet Karin Ermert: „Uns wurde gesagt, dass RTL das regelt. Und wenn nicht, wäre das in diesem Fall für uns auch in Ordnung gewesen.“

Am 15. Januar traf dann eine freundliche, junge Frau im Wissener Autohaus ein, legte ihre Papiere vor, nahm die Schlüssel und fuhr mit einem Skoda Kamiq davon. Leider aber nicht zur Familie Mewis – dort ist das Auto nie angekommen.

Opa des schwerkranken Mädchens fiel aus allen Wolken

Davon ahnte das Ehepaar Ermert freilich noch nichts. Erst eine Woche später kamen leise Zweifel auf: Da war das auffällig bedruckte Auto vor einem Betzdorf Fastfood-Restaurant aufgefallen. „Das kam uns dann doch ein bisschen komisch vor.“ Also fragte Jochen Ermert bei Idas Opa nach – und fiel aus allen Wolken: „Die wussten gar nichts von einem Leihwagen.“

Diese Geschichte macht
uns alle sehr betroffen.
Karin Ermert
Autohaus Kamp

Selbst das wäre noch zu erklären gewesen: Bei der Abholung des Leihwagens hatte die vermeintliche RTL-Mitarbeiterin betont, dass man die Familie Mewis bewusst nicht informiert habe, sondern sie überraschen wolle. Aber natürlich war das Autohaus jetzt alarmiert – und griff selbst zu einer List: „Wir haben bei der Frau, die das Auto abgeholt hat, angerufen und sie darauf hingewiesen, dass der Leihwagen von einer Rückrufaktion betroffen sei. Sie hat sehr freundlich reagiert, aber mitgeteilt, dass sie nicht weiß, wo das Auto aktuell ist.“

Der geliehene Skoda stand in Gebhardshain

Allerdings wusste ein Bekannter der Ermerts genau, wo das Auto war – denn das AK-Land ist klein, sogar zu klein, um ein Auto mit auffälligen Logos zu verstecken: „Ein Bekannter hat uns mitgeteilt, dass der Skoda in Gebhardshain steht.“ Und dort schlugen dann auch die Ermerts auf, mitsamt dem Zweitschlüssel des Autos. Vor Ort habe die junge Frau zwar nach wie vor versucht, die RTL-Fabel aufrechtzuerhalten, berichtet Karin Ermert. Aber: Einer Nachbar der jungen Frau hatte den Ermerts längst gesteckt, dass das Auto seit einer Woche regelmäßig hier stehe. „Wir haben uns auf keine Diskussion eingelassen und den Wagen mitgenommen.“

Wir kämpfen weiter für Ida. Die Sache hier macht
uns nur noch stärker.
Monika Mewis-Rörig
Idas Oma

Betrugsmaschine auf dem Rücken eines kranken Kindes

Was bleibt? 800 Kilometer auf dem Tacho, kein Cent in der Kasse – vor allem aber eine bittere Erkenntnis: „Ich hätte nie für möglich gehalten, dass jemand auf dem Rücken eines kranken Kindes eine Betrugsmasche aufzieht“, sagt Karin Ermert. „Diese Geschichte macht uns alle sehr betroffen.“
Ähnlich geht es der Familie Mewis. Idas Großmutter, Monika Mewis-Rörig, sagt im Gespräch mit der SZ, dass „das alles unfassbar“ ist: „Da fehlen mir die Worte, dass es solche Menschen gibt.“ Aber wenn sie eines in den letzten Monaten gelernt hat, dann das: „Wir kämpfen weiter für Ida. Die Sache hier macht uns nur noch stärker.“

Lebensretter gesucht

Wer mitkämpfen will: Am Donnerstag in Gebhardshain und am Freitag in Katzwinkel können sich Blutspender typisieren lassen und sich so in die Schar der rund 3500 Menschen einreihen, die Ida helfen wollen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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