Gegen die einfachen Parolen

Über 1000 Wissener Schüler kamen gestern zu einer Podiumsdiskussion gegen Rechts

kafu Wissen. »Wie erkennt man eigentlich einen Rassisten?« – Die Fragen der Schüler, die gestern Morgen bei einer Podiumsdiskussion in der Wissener Hauptschule saßen, waren mitunter ganz einfach gestellt. Leicht zu beantworten waren sie für die Referenten am Podium allerdings nicht.

Zu der Veranstaltung mit Referaten und Diskussionen zum Thema »Prävention gegen Rechts« hatte der Arbeitskreis Jugend/Bildung der Zukunftsschmiede der VG Wissen in Kooperation mit den Schulen eingeladen. Und rund 1070 Schüler der Klassen 8 bis 10 aus Haupt- und Realschule, Gymnasium, Berufsbildender Schule, CJD und der Wilhelm-Busch-Schule waren in die Schulturnhalle gekommen.

Am Podium saßen Andreas Müller (Ministerium des Inneren und für Sport und Verfassungsschutz), Jürgen Quirnbach und Michaela Leyendecker (Polizeipräsidium Koblenz), Thomas Löb (Arbeitskreisleiter AK Jugend und Moderator der Veranstaltung), Horst Schneider (Kreisverwaltung), Franz Orthen (Kriminalinspektion Betzdorf) und Bürgermeister Michael Wagener. Müller startete die Veranstaltung mit einem kurzen Vortrag zum Verfassungsschutz und dem Rechtsextremismus generell.

Franz Orthen informierte als zweiter Referent zum Thema »Verfassungsschutz und Polizei«. »Rund 8000 Straftaten werden im Schnitt pro Jahr in unserem Landkreis begangen, rund 30 davon – 0,42 Prozent – , fallen auf den rechtsextremen Bereich«, so der Erste Kriminalhauptkommissar. Auch wenn die Zahl recht niedrig scheine, läge sie doch über dem Landesschnitt und der Quote in den Nachbarkreisen. Die Polizei betreibe deshalb strenge Strafverfolgung und setze auf Prävention.

Jürgen Quirnbach und Michaela Leyendecker legten bei ihrem Vortrag den Fokus ebenfalls auf das Stichwort Prävention und berichteten über ihre Arbeit mit Jugendlichen. »Wenn Ihr uns an die Schule einladet, können wir in Workshops so intensiv diskutieren und arbeiten, dass sich wirklich etwas ändert«, versprach Michaela Leyendecker.

Mit Interesse verfolgten viele der Schüler die Vorträge und stellten anschließend ihre Fragen zum Thema Rechtsextremismus. Die Experten auf dem Podium erklärten, mit welchen Methoden die Rechtsextremen vorgehen und wo Jugendliche im Zweifelsfall Hilfe finden. Bei einigen Schülern bissen sie mit ihren Aufklärungsversuchen aber augenscheinlich auf Granit. »In Deutschland leben bald mehr Ausländer als Deutsche, und wenn es den Türken hier nicht passt, sollen sie doch wieder zurückgehen«, meinte eine Schülerin gegen Ende der Diskussion. Als sie dafür auch noch Applaus bekam, zeigten sich die Referenten doch kurz enttäuscht: »Auch die Rechten arbeiten mit solchen ganz einfachen Parolen; aber schon ein Blick in die Statistiken zeigt, dass sie nicht Recht haben. Informiert euch«, so der abschließende Appell von Andreas Müller.

Zum Schluss spielte die Band »forte fortissimo« den »Ärzte«-Song »Schrei nach Liebe«, der sich mit ironischem Unterton auch gegen den Rechtsradikalismus wendet. Manche Schüler klatschten noch mit, viele waren da aber schon aus der Turnhalle gestürmt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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