Projekte im Bauausschuss Katzwinkel vorgestellt
Gleich vier große PV-Anlagen?

Blick von der Seite des Sportplatzes in Richtung Flugplatz: Hier könnte eine der vier Photovoltaikanlagen entstehen.
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rai Katzwinkel. Bekommt Katzwinkel gleich vier große Photovoltaikanlage auf der oftmals zitierten grünen Wiese? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Donnerstagabend der Bauausschuss. Um es vorwegzunehmen: Nach zwei Stunden Vorträgen plus Beratung sah der Ausschuss sich nicht in der Lage, eine Empfehlung an den Gemeinderat auszusprechen.

Seit dem Vorjahr beschäftigt man sich in Katzwinkel mit dem Thema. Damals hatten Privatinvestoren bei der Ortsgemeinde angefragt, inwieweit diese sich vorstellen könne, eine Freiflächen-PV-Anlagen in der Kommune zu unterstützen. Nun hatten die Antragsteller Gelegenheit, ihr Vorhaben vorzustellen. Das Interesse der Einwohner war groß. „Umweltfragen und Klimaschutz geht uns alle an“, sagte Ortsbürgermeister Hubert Becher, der auch offen „unsere Mitschuld“ an der Situation ansprach. Man wolle und müsse sich damit beschäftigen. Man werde dabei alle Kriterien berücksichtigen. Von Abstandsregeln über vertretbare Entfernungen zu Einspeisungsstellen und dem Ortsbild bis hin zu Blendwirkung, u. a. für den Segelflugbetrieb, reichten die Punkte, die Becher anführte. „Wir wollen keine Bürgerinitiative produzieren, aber Begeisterung wecken.“

Für vier Flächen sind Bauanträge gestellt. Eine liegt im Bereich Kalteich. Die Erbengemeinschaft Kraus möchte dort eine Fläche „sinnvoll nutzen und etwas für die Nach- und Umwelt tun“, wie der gebürtige Katzwinkeler Stephan Kraus (Attendorn) schilderte. Nach seinen Angaben könnte auf vier Hektar eine 4000-Kilowatt- Peak-Anlage entstehen. Laut Sascha Struve vom Investor Rheinenergie AG Köln würde die Leistung von rund 10 000 Modulen erzeugt werden, die „im Prinzip nicht sichtbar sind, weil nach Süden ausgerichtet“. In Köln kann man sich offensichtlich vorstellen, einen „physischen Teil der Anlage an Gemeinde bzw. Bürger abzugeben, um selbst Strom zu haben“, wie den Ausführungen Struves zu entnehmen war.

Auf der anderen Seite der Poststraße könnte nach Vorstellungen von Albert Wienold eine PV-Anlage im Bereich Schönborn entstehen. Investor wäre hier die Altus Aktiengesellschaft Karlsruhe, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Kraftwerksgesellschaft Mainz-Wiesbaden. Es stehe der partnerschaftlich-kommunale Gedanke im Vordergrund, so Jens Nauel (Altus). Die Gewerbesteuer bleibe im Ort, weil eine Gesellschaft gegründet werde, um die Wertschöpfung der Gemeinde zukommen zu lassen – und: „Bürgerbeteiligungsmodelle sind uns nicht fremd.“ Dies sei eine Möglichkeit, um für eine höhere Akzeptanz zu werben.

Hier hat man rund zwölf Hektar im Blick. Für diese maximale Ausbaustufe sind 28 500 Module nötig, die jährlich 3000 Haushalte mit Strom versorgen und 6000 Tonnen CO2 einsparen könnten. Diese Größenordnung sei ein „No-Go“, so Becher, der wissen wollte, was für Altus die Mindestgröße sei. Nauel: „Fünf Hektar.“

In Nochen möchte die Enerparc AG aus Hamburg investieren, wie Daniel Dechmann erläuterte. Mit im Boot ist hier Roderich Höfer aus Hönningen. Nach den Ausführungen von Dechmann könnte hier eine 4500-kW-Peak-Anlage entstehen, die mehr als 1300 Haushalte versorgen könnte. „Eine der besten Technologien, die sich in das Landschaftsbild einfügt“, sagte Dechmann. Die Enerparc AG sei eine reines Privatunternehmen, so Dechmann auf Nachfrage.

Ein anderes Modell zeichnet Dr. Franz Straubinger von der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Verwaltung auf – ein genossenschaftliches. Straubinger, der mit Nicolaus Graf Hatzfeldt erschienen war, begrüßte es, dass Katzwinkel beim Thema aktiv sei und betonte: „Der Klimawandel hat nicht angeklopft, er ist reingekommen.“

Es geht um eine Fläche am Flugplatz, parallel zur Landebahn und oberhalb der Pinge. Hier könne auch noch eine Privatfläche einbezogen werden, skizzierte Straubinger.

Bei dem von ihm vorgestellten Vorhaben würden die Stadtwerke Mainz-Wiesbaden, „die unsere Windkraftprojekte begleitet haben“, mit von der Partie sein.

„Für uns kommt nur eine Energiegenossenschaft infrage“, sagte Straubinger, der an Raiffeisen und sein Genossenschaftsprinzip erinnerte, aber auch die Idee der Direktvermarktung anführte. Die Akzeptanz sei so eine ganz andere, war er sich sicher, und die Wertschöpfung werde vor Ort regeneriert.

„Ein bisschen der Charme einer Genossenschaft ist es, dass man Lieferant und Kunde zugleich ist“, befand Becher.

Nun beraten sich die Fraktionen intern. Anfang September soll der Gemeinderat entscheiden, sagte Becher, der unterstrich: „Wir wollen uns nicht zupflastern, aber mitmachen.“

Autor:

rai (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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