Im Fadenkreuz von Fakten und Emotionen

Podiumsveranstaltung zum Thema »Jagd« im Jugendheim Wissen stieß auf großes Interesse

maha Wissen. Die Jagd ist ein Thema, das die Menschen auf dem gesamten Globus seit ihren frühsten Ursprüngen geprägt hat. Erfolgreich zu jagen, bedeutete Nahrung, Kleidung und Werkzeuge – kurzum die Sicherung der Existenz. Doch auch wenn sich die Jagdtradition im Laufe der Zeit gesellschaftlich tief in der Kultur, Sprache und Mystik der Menschen verankern konnte, ist ihre Positionierung insbesondere innerhalb der modernen Kulturkreise keineswegs unumstritten, wie die jüngst wieder entfachte Debatte um eine eventuelle Novellierung des Bundesjagdgesetzes eindrucksvoll unter Beweis stellt (siehe Kasten).

So auch im Oberkreis, wo die vielschichtigen Diskussionen um »für und wider« von allen Beteiligten zweifelsohne mindestens ebenso leidenschaftlich geführt werden wie im übrigen Bundesgebiet. Welch polarisierendes Potential dieses Thema besitzt, zeigte sich auch am Freitagabend im kath. Jugendheim Wissen, wo sich weit über 200 Fachleute und Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft auf Einladung des Kreisbauernverbandes Altenkirchen und des Waldbauvereins Altenkirchen zur Podiumsveranstaltung unter dem Motto »Jagd im Spannungsfeld von Anforderungen, Meinungen und Emotionen« zusammengefunden hatten.

»Unser Ziel ist es, das kontrovers diskutierte Thema aus allen wichtigen Perspektiven umfassend zu beleuchten«, erläuterte Moderator und Mitorganisator Markus Mille, Geschäftsführer des federführenden Kreisbauernverbandes, die Planungen im Gespräch mit der Siegener Zeitung. »Dies zeigt sich schon in der Wahl unseres Mottos.«

Ohne Zweifel: Denn nicht zuletzt aufgrund der breit gestreuten Einflussgrößen der Jagd, angefangen von den beteiligten Interessengruppen wie etwa Jagdpächtern, Landwirten, Waldbauern und Tierschützern bis hin zu deren diametralen Meinungen sowie den damit verbundenen Emotionen, gestaltet sich der konstruktive Dialog sehr schwierig.

Hauptstreitpunkt ist seit jeher der so genannte Wildverbiss und die mit ihm verbundenen Diskussionen um die Gegenmaßnahmen von A wie Abschussquoten bis Z wie Zäune. Doch so unterschiedlich die Standpunkte auch sind – so ähnlich klangen die Argumentationen der Diskussionsteilnehmer: Nur ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen von Seiten aller Beteiligten kann die Zukunft der Jagd langfristig sichern. Selbstverständlich muss die Wirtschaftlichkeit hier für alle Seiten gegeben sein, jedoch fernab von blinder Profitgier.

So forderte Otto Heinemann, Vorsitzender des Kreiswaldbauvereins Altenkirchen, dass man aus der Jagd keinen Kult um Trophäen machen dürfe. Vielmehr müssten Verantwortung und angepasstes Verhalten oberste Maxime bleiben. Diesem Grundtenor konnten sich auch Oberforstrat Franz Kick, Georg Groß, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, und Paul Otto Schneider, landwirtschaftlicher Sachverständiger für Wildschaden, in ihren Erfahrungsberichten nur anschließen.

Nachdem die vier ersten Referenten das Thema ausschließlich aus ihrer persönlichen Sicht beleuchtet hatten, brach der Vizepräsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, Lorenz Steden, am Rednerpult eine Lanze für das viel gescholtene Wild. »Die Tiere tun dies nicht aus Langeweile oder Boshaftigkeit, sondern um Nahrung zu finden. Wirtschaftliche Interessen –– so wichtig sie auch sind –– dürfen uns Menschen niemals dazu berechtigen, die Tiere durch unsachgemäße Schnellschüsse an den Rand der Ausrottung zu bringen. Nur ein ehrlicher Dialog kann hier helfen, unnötige Schäden zu vermeiden.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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