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Berufsorientierung in Zeiten der Pandemie
Im Schlafanzug im Videochat

Katharina Aulmanns Job ist es, junge Menschen auf dem Weg in den Beruf zu unterstützen. Das ist in Zeiten der Pandemie manchmal ganz schön herausfordernd.  Foto: damo
  • Katharina Aulmanns Job ist es, junge Menschen auf dem Weg in den Beruf zu unterstützen. Das ist in Zeiten der Pandemie manchmal ganz schön herausfordernd. Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Wissen/Gebhardshain. So sehr sich die Pandemie und der Infektionsschutz mit all seinen Regeln auf unser aller Leben auswirken: Jugendliche trifft’s besonders hart. Nicht nur, weil das Leben mit 15 oder 16 extrem spannend ist und es tausend neue Dinge zu entdecken und zu erleben gibt. Sondern auch, weil in dieser Zeit wichtige Weichenstellungen anstehen. Eine davon ist die Berufswahl.

Spätestens im achten Schuljahr schnuppern Schüler heute in die Berufswelt hinein, machen die ersten Praktika, üben Bewerbungsgespräche und versuchen herauszufinden, in welchem Job sie später arbeiten wollen. Und der Spruch „Augen auf bei der Berufswahl“ stimmt noch immer – der Gedanke, womöglich 40 Jahre im falschen Job unterwegs zu sein, ist reichlich finster.

damo Wissen/Gebhardshain. So sehr sich die Pandemie und der Infektionsschutz mit all seinen Regeln auf unser aller Leben auswirken: Jugendliche trifft’s besonders hart. Nicht nur, weil das Leben mit 15 oder 16 extrem spannend ist und es tausend neue Dinge zu entdecken und zu erleben gibt. Sondern auch, weil in dieser Zeit wichtige Weichenstellungen anstehen. Eine davon ist die Berufswahl.

Spätestens im achten Schuljahr schnuppern Schüler heute in die Berufswelt hinein, machen die ersten Praktika, üben Bewerbungsgespräche und versuchen herauszufinden, in welchem Job sie später arbeiten wollen. Und der Spruch „Augen auf bei der Berufswahl“ stimmt noch immer – der Gedanke, womöglich 40 Jahre im falschen Job unterwegs zu sein, ist reichlich finster. Genau aus diesem Grund gibt es Menschen wie Katharina Aulmann. Sie arbeitet als Jobfux im Dienste des Europäischen Sozialfonds, des Landes und des Kreises an den Realschulen plus in Gebhardshain und Wissen. Und ihre Arbeit soll dazu beitragen, jungen Menschen einen optimalen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Aber geht das überhaupt in Zeiten einer Pandemie?

Ja und nein, sagt Aulmann. Das Virus hat vieles eingeschränkt, aber eben nicht alles. So ist das Lehrstellenangebot in der Region nach wie vor sehr gut – lediglich in der Gastronomie oder im Einzelhandel abseits der Lebensmittelmärkte hakt’s derzeit. „Aber im Großen und Ganzen ist das Interesse der Betriebe an der Ausbildung ungebrochen“, berichtet Aulmann. Und so seien die Betriebe auch nach wie vor willens, jungen Menschen ihren Weg ins Arbeitsleben zu ebnen, sagt sie: „Praktikumsplätze gibt’s immer“ – ein gewisses Maß an Flexibilität vorausgesetzt.

Seit dem Dezember-Lockdown allerdings ist Schülern in Rheinland-Pfalz der Weg in die Betriebe versperrt: Das Bildungsministerium hat mit Verweis auf die Kontaktreduzierungen die Schulpraktika auf Eis gelegt. Und auch im ersten Lockdown im Frühling 2020 mussten von einem Tag auf den anderen die Praktika abgesagt werden – und zwar zu einem Zeitpunkt, als praktisch alle Schüler ihre Plätze in der Tasche hatten. Also hat Aulmann im Dialog mit den Betrieben nach einer Lösung gesucht – und eine gefunden. „Alle Schüler hätten ihr Praktikum in den Sommerferien nachholen können“, sagt sie, „ich habe von den Betrieben keine Absage bekommen“. Wohl aber von den Schülern: „Viele hatten schlichtweg kein Interesse daran, ihre private Zeit dafür zu investieren. Ich habe oft gehört, dass sie nach dem Lockdown ihre Ferien brauchen würden.“

Damit spricht sie ein grundsätzliches Problem an: Aulmann hat oft beobachtet, dass Jugendliche in der Pandemie regelrecht abgetaucht sind. So berichtet sie davon, dass manche Schüler die Video-Konferenzen im Schlafanzug verfolgt haben – und nach einigen Wochen ganz gefehlt haben. Auch die Kommunikation via Messenger hat nur bedingt geklappt, sagt sie: Einige Male habe sie attraktive Lehrstellen gepostet – und null Resonanz erhalten. Und die ABOM, die große Ausbildungsmesse im AK-Land, sei in der digitalen Fassung ebenfalls am Großteil ihrer Schüler vorbeigegangen: „Da hat kaum einer teilgenommen.“

Woran das liegt? Katharina Aulmann erklärt das damit, dass viele Schüler auf den persönlichen Kontakt angewiesen seien, dass vieles besser laufe, wenn die jungen Menschen direkt angesprochen würden. „Ich glaube, dass das Digitale allein nur sehr begrenzt funktioniert. Wir Menschen achten auf Gestik, Mimik, auf Augenkontakt. Wir sind auf unser Gegenüber angewiesen, nicht auf ein zweidimensionales Medium, das nicht das Herz berührt.“ Und erst recht ersetze das Digitale nicht, einzelne Schüler praktisch an die Hand zu nehmen – das sei phasenweise während der Pandemie schlichtweg zu kurz gekommen.

Ein weiteres Problem: Die Generation der „Digital Natives“ verfüge de facto oft nur über begrenzte Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien und Techniken. „Sie können superschnell mit dem Daumen ein Smartphone steuern und ein Video bei Instagram posten.“ Aber längst nicht alle Schüler könnten mit Word oder Excel umgehen, und viele blendeten aus, dass auch in einer E-Mail gewisse Umgangsformen einzuhalten sind. Und das sei naturgemäß in der Pandemie deutlich zutage getreten.

Aber Katharina Aulmann beobachtet nicht erst seit gestern, dass es zunehmend schwer ist, für alle Schüler das passende Berufsangebot zu finden. Und so bleiben Lehrstellen unbesetzt: Viele Jugendliche würden weiteren Jahren auf der Schulbank den Vorzug geben – ungeachtet dessen, dass das zwar für viele von ihnen der richtige Weg sein mag, aber eben längst nicht für alle.

„Aber was wundern wir uns? Wenn jahrelang gepredigt wird, dass ein höherer Schulabschluss die beruflichen Chancen verbessert, werden eben Schüler ins Abitur getrieben, die eigentlich gar keine Abiturienten sind.“ Dabei müsse eine Lehre keineswegs die Endstation der beruflichen Bildung sein: „Wenn jemand Maurer lernt und später als Architekt auf der Baustelle auftritt, wird ihm vieles deutlich leichter fallen.“ Aber das, sagt Aulmann, hat mit Corona gar nichts zu tun. <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Daniel Montanus</chartag>

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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