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Chef im Rathaus Wissen
Keine Pause für Bürgermeister Berno Neuhoff

Der 51-jährige Berno Neuhoff ist seit 1. Juli dieses Jahres als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wissen auch Chef des Wissener
Rathauses.
  • Der 51-jährige Berno Neuhoff ist seit 1. Juli dieses Jahres als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wissen auch Chef des Wissener
    Rathauses.
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goeb Wissen. Vergnügungssteuerpflichtig ist der Job nicht, den Bürgermeister Berno Neuhoff (CDU) für die Verbandsgemeinde Wissen (hauptamtlich) seit 1. Juli dieses Jahres versieht. Da ist zum Beispiel der Wissener „Evergreen“ Rathausbau. Er darf jetzt – bildlich gesprochen – im „Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel“ mit seinen Püppchen wieder nach Hause gehen und das Spiel von Neuem beginnen.
Wie berichtet, muss Wissen wegen der immensen Baumängel und drohenden Kosten im alten Katasteramt vom Umbau lassen. Auch als Stadtbürgermeister (Ehrenamt) wird’s ihm nicht langweilig: Gegen politische Kräfte und eine starke Bürgerinitiative muss er das System der Straßenausbaubeiträge auf ein neues Gleis führen (wiederkehrende Beiträge). Dann ist da die immense Verschuldung.

goeb Wissen. Vergnügungssteuerpflichtig ist der Job nicht, den Bürgermeister Berno Neuhoff (CDU) für die Verbandsgemeinde Wissen (hauptamtlich) seit 1. Juli dieses Jahres versieht. Da ist zum Beispiel der Wissener „Evergreen“ Rathausbau. Er darf jetzt – bildlich gesprochen – im „Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel“ mit seinen Püppchen wieder nach Hause gehen und das Spiel von Neuem beginnen.
Wie berichtet, muss Wissen wegen der immensen Baumängel und drohenden Kosten im alten Katasteramt vom Umbau lassen. Auch als Stadtbürgermeister (Ehrenamt) wird’s ihm nicht langweilig: Gegen politische Kräfte und eine starke Bürgerinitiative muss er das System der Straßenausbaubeiträge auf ein neues Gleis führen (wiederkehrende Beiträge). Dann ist da die immense Verschuldung. Und als reichte das alles noch nicht, gesellt sich Corona als vierter Elefant dazu.

Berno Neuhoff ist mit viel Spaß bei der Sache

Beim Termin mit der Presse im wohl „schäbigsten“ Rathausgebäude des Landkreises (Original 1956) lacht Berno Neuhoff gleichwohl. „Ich liebe ja Herausforderungen“, betont der 51-Jährige in der Nachfolge von Michael Wagener. „Es macht mir schon einen Riesenspaß.“
Dabei, räumt er ein, sei ihm der Abschied von Altenkirchen, wo er das Verwaltungsfach von der Pike auf gelernt hat, nicht leicht gefallen. 34 Jahre war er dort, da kann man schon mal den Tränen freien Lauf lassen, wenn man nach so langer Zeit den Schreibtisch räumt.
Neuhoff ist felsenfest davon überzeugt, dass die Personalunion, also die Einheit von Stadt- und Verbandsgemeinde-Bürgermeister, die richtige „Kombi“ ist. Der Grund: Der Spagat zwischen Zivilberuf und ehrenamtlichem Stadtbürgermeister ist heutzutage fast nicht zu schaffen.

Workshop und Newsletter

Als Bürgermeister Bernd Brato (Betzdorf) ihm seinerzeit zur Stadtbürgermeisterwahl gratulierte und hörte, dass er dafür zwei Tage Freistellung beim Brötchengeber an der Altenkirchener Parkstraße beantragt hatte, habe der Betzdorfer gesagt: „Erstmal herzlichen Glückwunsch! Aber das schaffen Sie nicht in zwei Tagen.“
Der Betzdorfer sollte recht behalten: Werktags bis 22 Uhr schuftete Neuhoff in dieser Zeit. „Personalunion macht Sinn. Keiner kann zwei Herren dienen“, sagt Neuhoff heute. Er billigt aber auch zu: „Jeder Bürgermeister ist anders.“
Doch auch die Personalunion ist eine Herausforderung. „Ich habe großen Respekt davor.“ Neuhoff, der vielleicht beste Moderator, den der Kreis hat, organisierte zunächst seinen persönlichen Bereich neu. „Was ist für Sie ein guter Chef?“, fragte er alle 65 Kolleginnen und Kollegen in Workshops. Er führte einen Newsletter ein, um seine Leute auf dem neuesten Stand zu halten und initiierte gleich ein Bürgerbüro.
Vier Teilzeitkräfte arbeiten dort jetzt. „Ihr seid die Visitenkarte der Verwaltung“, gab er dem Team mit auf den Weg. Zu den Stützpfeilern des Miteinanders unter den Kollegen zählt Neuhoff Offenheit, Ehrlichkeit, Wertschätzung und Loyalität.
Das neue Ordnungsamtsbüro im Regiobahnhof trägt ebenfalls Neuhoff’sche Züge. Er habe versprochen, in der Stadt das Gefühl von Sicherheit zu verbessern. Neuhoff: „Wir dürfen das Thema physische Präsenz von Ordnungskräften nicht den Rechten überlassen. Dann treiben wir der AfD die Wähler in die Arme.“ Wissen besitzt nur eine Polizeiwache, und die ist in der Woche bis 22 Uhr und am Wochenende nur bis 19 Uhr besetzt.

Gemeinsame Streifendienste von Polizei und Ordnungsamt in Wissen

Keinesfalls will er fremde Security anstellen, wie der Kollege in Selters, für ihn ist das eine Bankrotterklärung. Künftig wird man also gemeinsame Streifendienste von Polizei und Ordnungsamt in Wissen sehen. Auch das Thema Videoüberwachung ist für ihn kein Tabu. Man schaue sich nur die vielen Einbrüche im Regiobahnhof an, gibt er zu bedenken.
Die Verbandsgemeinde ist völlig überschuldet, ja sie nimmt landesweit in der Verschuldung Platz 2 ein. Wie will er das in den Griff kriegen?
Zunächst einmal nennt Neuhoff die Gründe. „Wir haben einen Strukturwandel hinter uns und sind noch dabei wie kaum eine zweite Region.“ Das Walzwerk war der größte Arbeitgeber und sein Ende stürzte die Region erwartungsgemäß in ihre größte Krise.
„Letztlich werden und können wir nichts machen, wofür es keine Fördergelder gibt“, stellt der Bürgermeister klar. Und vieles müsse auf den Prüfstand. Stichwort VG-Bauhof.
Zwar habe sich herumgesprochen, dass nirgendwo die Straßen im Winter so gut geschoben seien wie im Wisserland. „Aber wir buttern jedes Jahr 750 000 Euro dazu.“ 1,2 Millionen Euro per anno sind es beim Siegtalbad („das wir allein unterhalten, das aber von vielen von außerhalb mit genutzt wird“), und auch der Bahnhof kostet jedes Jahr 300 000 Euro in der Unterhaltung.
Den „Umbau“, die nötigen Veränderungen, will Neuhoff in der Teamarbeit schaffen. „Ich bin ein ganz guter Netzwerker“, sagt er von sich. Auf den heftigen Gegenwind beim Thema wiederkehrende Straßenausbaubeiträge angesprochen, vertraut der Bürgermeister „auf die Kraft der Sachargumente“. Man müsse als Politiker auch Grenzen setzen und zitiert einen Ausspruch Molières, nachdem „jedermanns Freund niemandes Freund“ sei.
Für ihn, so Neuhoff, sei die Kanzlerin ein großes Vorbild. „Die Leute suchen heute eine Aggressionsfläche, wo sich sich abarbeiten können. Sollen sie.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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